BNP Paribas zur Nachnutzung von Ex-Karstadt-Kaufhof-Objekten

Christoph Scharf, Geschäftsführer der BNP Paribas Real Estate GmbH und Head of Retail Services. Foto: BNP Paribas
Christopher Wunderlich, Head of Retail Advisory bei BNP Paribas Real Estate. Foto: BNP Paribas

Dass sich trotz Pandemie und Lockdown-Zeiten auch im großflächigen Segment einiges bewegt hat und vorangegangen ist, unterstreicht die aktuelle Untersuchung von BNP Paribas Real Estate zu Einzelhandels-Nachvermietungen von ehemaligen Galeria-Karstadt-Kaufhof-Objekten.

Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres 2021 wurden rund 30.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche in vormals von der Warenhauskette genutzten Immobilien neu vermietet. Damit liegt der Flächenumsatz kurz vor Halbjahresende bereits fast auf dem Gesamtniveau der Vorjahre 2019 und 2020 mit jeweils rund 40.000 Quadratmetern.

Vertrauen in Innenstädte

„Hier wird ganz deutlich, dass das Vertrauen vieler Retailer in den Standort Innenstadt ungebrochen ist. Sie sehen in der Wiedereröffnung der Geschäfte, im bundesweiten Impffortschritt und in den sinkenden Inzidenzwerten mehr Chancen als Risiken und scheuen sich trotz der weiterhin unsicheren Lage in der Pandemie nicht, diese Chancen zu ergreifen. Ganz im Gegenteil: Die Einzelhändler erobern neue Standorte, und das oftmals mit neuen Konzepten, wobei sie vom teilweise erhöhten Flächenangebot profitieren“, sagt Christoph Scharf, Geschäftsführer der BNP Paribas Real Estate GmbH und Head of Retail Services.

 

Textiler bespielen Objekte

Der Löwenanteil der nachvermieteten Flächen (59 Prozent) wird in Zukunft von Textil-Einzelhändlern bespielt werden. Das mag auf der einen Seite wenig überraschend erscheinen, da für diese Händler die Innenstadt oft ein „Heimspiel“ ist, und das auch im großflächigen Segment. Auf der anderen Seite ist aber auch für sie der Druck im Zuge des wachsenden E-Commerce-Handels in der Pandemie ungleich höher als zuvor. Großflächige Anmietungen im Jahr 2021 wie die von Peek&Cloppenburg in Bonn (7500 Quadratmeter) und von SiNN in Gütersloh (4400 Quadratmeter) sind dabei nur zwei Beispiele, dass traditionelle Bekleidungshäuser weiter an die Shopping-Destination City glauben und sich jetzt Standorte sichern, in denen sie zuvor noch nicht vertreten waren.

Freizeit, Food, Einrichtung

Abseits von den Textil-Einzelhändlern wird es bei den erfassten Nachvermietungen durchaus spannend, neu und vielfältig. 15 Prozent der seit 2019 registrierten Nachvermietungen entfallen auf den Bereich Freizeit, weitere elf Prozent auf das Segment Food. Stärker in die Innenstädte streben auch Einzelhändler im Einrichtungssegment, die sieben Prozent der Vermietungen generiert haben. Sie alle werden nicht nur große Lücken schließen, sondern gleichzeitig die Attraktivität der Cities weiter erhöhen und zu mehr Abwechslung beim Shoppingerlebnis beitragen.

Bemerkenswerte Abschlüsse

„Zu den bemerkenswerten Abschlüssen im laufenden Jahr 2021 zählen sicher die 8500-Quadratmeter-Anmietung von Zweirad Stadler im ehemaligen Kaufhof-Gebäude am Düsseldorfer Wehrhahn und der 2900-Quadratmeter-Vertrag des Einrichtungshauses Rusta in Norderstedt bei Hamburg. Sie zeigen die Bandbreite der Branchen, der Größenklassen wie auch der Städtekategorien, in denen diese Nachnutzungen stattfinden. Besonders in den kleineren Städten ist seit 2019 Bewegung bei der Nachvermietung der Galeria-Karstadt-Kaufhof-Objekte zu beobachten“, so Christopher Wunderlich, Head of Retail Advisory bei BNP Paribas Real Estate. Auf sie entfallen 52 Prozent der registrierten Nachnutzungen, gefolgt von den B-Städten mit 30 Prozent. In Deutschlands A-Städten wurden 18 Prozent der erfassten Abschlüsse getätigt.

Gesunkene Mieten stützen Dynamik

Es dürften nicht zuletzt die gerade in den vergangenen Jahren gesunkenen Mietpreisniveaus in Deutschlands Klein- und Mittelstädten sein, die diese Marktdynamik stützen. So notieren beispielsweise die indexierten Spitzenmieten in den Highstreet-Lagen, die durchaus auch als Indikator für die Entwicklung im großflächigen Segment gelten können, in den Städten unter 100.000 Einwohnern nur noch bei 75 Prozent des 2010er-Ausgangsniveaus.

Die Mietpreisbelastung ist demnach im Langzeitvergleich in vielen Städten spürbar gesunken. Die Innenstadt wird für viele Einzelhändler jetzt erschwinglich. Wer den Mut, ein schlüssiges Konzept und die finanzielle Kraft hat, nutzt jetzt die Chance zur Expansion beziehungsweise zum Neueinstieg in den Markt. Die Analyse zeigt deutlich, dass viele damit bereits begonnen haben.