Gastbeitrag für Hi HEUTE von Pablo Theux, Gründer und Geschäftsführer der KMLS Gruppe

Pablo Theux, Gründer und Geschäftsführer der KMLS Gruppe

Spätestens seit dem plötzlichen Anstieg neuer Covid-19-Fallzahlen in den letzten Wochen und den damit einhergehenden Stoßlüftungsanweisungen der Bundesregierung fragen sich nicht nur Arbeitgeber, sondern auch Betreiber und Verantwortliche von Einkaufszentren, Restaurants, Bürogebäuden und Schulen, wie sie diese in der Praxis wirkungsvoll umsetzen sollen. Eine Realisierung ist in vielen geschlossenen Räumen kaum bis gar nicht möglich. Umso mehr rücken maschinelle Lösungen in den Fokus. Ein millionenschweres Förderprogramm zur Aufrüstung bestehender raumlufttechnischer Anlagen soll den Einsatz von HEPA-Filtern und UV-C-Licht nun unterstützen. Jedoch sind beide Varianten bei Experten umstritten und bieten allein keine Patentlösung.

 

Pablo Theux, Geschäftsführer der KMLS-Gruppe für Gebäudetechnik, kennt die Vor- und Nachteile der Systeme nicht nur aus der Theorie, sondern auch aus der Praxis und betont entschieden, dass jeder Raum mit seinen Anforderungen individuell betrachtet werden muss. Gemeinsam mit 200 Mitarbeitern, darunter Architekten und Wissenschaftler, sorgt Theux seit über 10 Jahren für saubere, gesunde Raumluft bei seinen Kunden – in mehr als 3.500 Einzelhandelsfilialen auf insgesamt 3 Millionen Quadratmetern Fläche sowie in Logistikzentren, Seniorenheimen und Krankenhäusern.

Welche Chancen bietet maschinelle Luftentkeimung für die kommenden Wintermonate?

Die dunkle Jahreszeit hat begonnen, Menschen halten sich wieder vermehrt in geschlossenen Räumen wie Einkaufszentren und Restaurants auf. Dies führt naturgemäß dazu, dass Grippe- und Coronainfektionen durch virushaltige Aerosole stark zunehmen, sie gelten zudem als Hauptübertragungsweg für SARS-CoV-2. Eine wirksame Lösung für dieses allgemeine Problem können Technologien wie HEPA-Filtersysteme und UV-C-Licht darstellen. Letzteres wird beispielsweise bereits seit circa 40 Jahren angewendet, nicht nur im Krankenhausumfeld und in Regierungsgebäuden zur Sterilisation von Luft, sondern auch zur Aufbereitung von Trinkwasser und in der Lebensmittelindustrie. Einzelhändler, Gastronomen und Veranstalter haben gute Chancen mithilfe der für sie richtigen Technologie ihre Kunden, Gäste und Mitarbeiter effizient zu schützen und so unter Umständen sogar etwaigen Kundenanzahl- und Öffnungszeitbeschränkungen zu begegnen. Was jedoch die jeweils richtige Lösung ist, muss immer sehr individuell von zertifizierten Unternehmen betrachtet werden.

Welche Systeme gibt es und wo liegen die Vor- und Nachteile?

Aktuell viel besprochen werden sogenannte HEPA („High Efficiency Particulate Airfilter“) -Filter (H13 und H14). Diese können Schwebstoffe aus der Luft mit einer Größe von 1 µm (1/1000 mm) herauslösen. Neben Viren werden auch Staub und allergene Stoffe, sowie feine Aerosoltröpfchen über besonders engmaschiges Vlies oder Glasfaser-Matten aus der Luft entfernt. Insbesondere bereits bestehende Lüftungsanlagen können mit diesen Filtern theoretisch erweitert werden. In der Praxis hängt die Nachrüstung jedoch stark von der Anlage ab, denn HEPA-Filter verursachen höhere Druckverluste und ermöglichen damit weniger Luftdurchsatz. Eine fachmännische Prüfung ist daher essenziell. Wir empfehlen hier, Feinstaub-Filter als Vorfilter einzusetzen, zum Beispiel ISO ePM1 60%, um ein schnelles Verstopfen zu verhindern. Diese verursachen jedoch auch im neuen Zustand einen Druckverlust, welcher durch Schwebeteilchen mit der Zeit stark zunimmt. Entsprechend steigt der Energiebedarf der raumlufttechnischen Anlage, um die erforderlichen Luftwechselraten weiterhin zu leisten. Deshalb müssen die Vorfilter, aber auch die HEPA-Filter selbst, regelmäßig getauscht werden. Dies kann nicht überall gewährleistet werden und ist mit mehr Zeitaufwand und ggf. mehrmaligen Kosten verbunden. Alternativ zu HEPA zeigt der kombinierte Einsatz von zwei Filterstufen der gröberen Feinstaubfilter ISO ePM1 60% in Studien gute Ergebnisse.

Sehr wirksam, aber nicht ungefährlich: UV-C-Strahlung

Andere neue Geräte bekämpfen das Virus mit UV-C-Licht, das die DNA und RNA von Bakterien und Keimen bei Kontakt innerhalb von Sekunden zerstört. Die sichere und verlässliche Anwendung hängt von verschiedenen Faktoren wie der Raumnutzung, Raumvolumen und einer gegebenenfalls bereits vorhandenen raumlufttechnischen Ausstattung ab. Ist bereits eine Lüftungsanlage vorhanden, kann man die bestehenden Filter um ein UV-C-Modul ergänzen. Wenn in dem betreffenden Raum noch keine raumlufttechnische Anlage installiert wurde, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, die Luft zu sterilisieren, z. B. mit sogenannten Stand-Alone-Geräten, die vor allem für kleine Räume mit geringem Luftvolumen sinnvoll sind. Hier ist die richtige Dimensionierung entscheidend: Einerseits muss der gewünschte Luftaustausch stattfinden, andererseits darf aber keine zu hohe Geräuschentwicklung entstehen. Eine weitere Option ist eine in die Zwischendecke eingebaute Luftfilterung, welche sich besonders bei abgehängten Decken anbietet. Dabei besteht die Möglichkeit, manuelle Filtertechnik für gröbere Virenpartikel und UV-C-Licht für feinere Partikel zu kombinieren. Die UV-C-Kammer stellt dabei ein abgeschlossenes Modul dar, aus dem keine Strahlung austreten kann - somit ist diese Lösung für die Menschen im Umfeld nicht schädlich. Eine weitere Option bietet die „Upper-Air“-Lösung: Die halboffenen Geräte bestrahlen nur den oberen Raumbereich mit UV-C, wobei die Luft durch die natürliche Luftzirkulation permanent entkeimt wird.

Von laienhafter UV-C-Anwendung wird dringend abgeraten

Einige Experten und Bundesämter warnen vor den Gefahren von UV-C-Licht, da sie einen direkten Kontakt mit dem Menschen fürchten. Damit die UV-C-Technik wirksam und für den Menschen gesundheitlich unbedenklich ist, muss die Strahlung richtig gelenkt und dimensioniert werden. UV-C-Lampen sind auf dem Markt zwar für jeden erhältlich, sollten aber ausschließlich von zertifizierten Fachbetrieben geplant, installiert und gewartet werden. Nur bei fachgerechtem Einsatz lassen sich so bis zu 99 Prozent der Keime und Erreger bedenkenlos zerstören. Bei den von KMLS präferierten Lösungen, wie z.B. der Einbau in RLT-Anlagen, befinden sich die UV-C-Röhren in einer geschlossenen Kammer, die Strahlung kann nicht nach außen dringen. Bei der Wartung durch zertifiziertes Personal muss beachtet werden, dass das UV-C-Modul ausgeschaltet ist. Es gibt zusätzliche eingebaute Sicherheiten, die den Monteur zur Abschaltung nötigen, bevor er mit den schädlichen Strahlen in Berührung kommen kann.

Die Luft in Räumen muss sechsmal pro Stunde komplett ausgetauscht werden

Generell muss jede verwendete Lüftungstechnik immer individuell an die Anforderungen und Gegebenheiten der Räume angepasst werden, damit sie im alltäglichen Gebrauch einwandfrei funktioniert und dauerhaft Sicherheit schafft. So ergibt ein System grundsätzlich nur Sinn, wenn es infizierte Luft ausreichend schnell gegen saubere Luft austauschen kann. Laut verschiedener internationaler Studien gilt ein sechsfacher Luftwechsel pro Stunde als Richtgröße, sprich der vollständige Wechsel des Raumluftvolumens gegen Frischluft oder entkeimte Luft.

Ist das Weihnachtsgeschäft noch zu retten?

In Hinblick auf die weiteren wirtschaftlichen Konsequenzen durch Maßnahmen wie Personenzahl-Beschränkungen oder sogar eines zweiten Shutdowns, ergibt sich aus der Raumluftdesinfektion ein großes Potenzial – auch für die Zeit nach Corona, denn der nächste neuartige Virus kommt bestimmt. Der Einsatz beschriebener Technologien kann in geschlossenen Räumen wie Geschäften und öffentlichen Stätten die Infektionsgefahr deutlich verringern und zweifelsfrei dazu beitragen, dass die Infektionszahlen nicht weiter rasant steigen. Einzelhandel, Gastronomie und Veranstaltungsräume könnten mithilfe maschineller Luftentkeimung strengen Zugangsbeschränkungen begegnen und damit möglicherweise nicht nur ihr wichtiges Weihnachtsgeschäft im Rahmen der Pandemie retten.  

Die Nachfrage nach maschinell gereinigter Luft ist groß

 

Filialisten, Betreiber von Supermärkten, Modeketten und Baumärkten setzen aktuell alles daran, um Mitarbeiter und Kunden langfristig zu schützen. Entsprechend hoch ist derzeit bei uns die Nachfrage nach technischen Lösungsansätzen zur Luftentkeimung. In vielen Fällen befinden wir uns bereits in der Umsetzung, obwohl bisher flächendeckende Empfehlungen der Behörden fehlen. In der jetzigen Situation ist es wichtig, dass schnell und unbürokratisch gehandelt wird, um noch möglichst viele Räume vor dem echten Winterbeginn für die Menschen sicherer zu machen und das öffentliche Leben auf dem Weg in eine neue Normalität zu unterstützen.

Erstellt von Pablo Theux, KMLS Gruppe