Exklusiver Gastbeitrag für HI HEUTE von Matthias Goßmann, Head of Leasing bei HB Reavis Germany

Matthias Goßmann. Foto: HB Reavis Germany
DSTRCT.Berlin: Eine Mischung aus Restaurants und Bistros mit angeschlossenen Terrassen versprüht Charme und Originalität. Foto: HB Reavis Germany

Ob in der innerstädtischen Bankfiliale oder im ehemals florierenden Kaufhaus: Immer wieder werden hierzulande Markthallenkonzepte für die Nachnutzung alter Gebäude diskutiert. Auch wir planen derzeit eine Markthalle für ein historisches Gebäude in Berlin. Konkret kann die Markthalle eine konzeptionelle Antwort auf den Umbruch im Handel und in der Gastronomie sowie in den Städten sein.

 

Best-Practice-Auswertungen verdeutlichen immer wieder einige verbindende Klammern: Zunächst kommt es natürlich auf die Lage und das Nachfragepotenzial an. Kaufkraft, Zentralität und eine hervorragende Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Personennahverkehr und für Fußgänger sind dabei wichtige Säulen. Allerdings erweisen sich diese oft nur im Zusammenspiel mit weiteren Punkten als stabil – einer betrifft die Architektur. Viele erfolgreiche Markthallen finden sich in denkmalgeschützten Gebäuden mit außergewöhnlich hohen Räumen wieder: Das bauliche Ambiente und der atmosphärische Charme vergangener Zeiten sind gleichermaßen Magneten für die Besucher und auch eine Bühne für die Markthallenmieter, die positiv abstrahlt. Jüngere Bauten müssen sich entsprechend anstrengen, wenn sie hier mithalten wollen. In beiden Fällen gilt: Ist die zur Verfügung stehende Fläche groß genug für ein passendes Konzept?

Konzeptionell punkten aktuell vielerorts „Mischkonzepte“ aus spezialisierter Gastronomie und Frischemarkt mit Regionalfokus, die um weitere Kategorien ergänzt werden. Das können Eventflächen im Gebäude sein, aber auch auf zugehörigen Freiflächen oder in erkennbar zugeordneten Nebengebäuden. Grundsätzlich sind weitere ergänzende Nutzungen wünschenswert, die von Fitness bis hin zum Co-Working oder klassischen Büro reichen. Für Letzteres gilt: Bestimmten Branchen wird eine erhöhte Markthallen-Affinität zugesprochen. Darunter fallen Kreativunternehmen und Kulturschaffende, nach unserer Beobachtung aber auch die (digitale) Medienwirtschaft.

Hier sind wechselseitige Effekte zu erwarten: Von der Büronutzung gehen Impulse für die Markthalle aus, beispielsweise durch das Wahrnehmen von Mittagsangeboten, und von der Markthalle wiederum gehen Impulse für die Büronutzung aus – die Arbeitsflächen werden attraktiver, wenn eine funktionierende Markthalle den jeweiligen Standort zusätzlich aufwertet. Wichtig sind außerdem natürlich die „üblichen“ Einzelhandelsparameter wie passende Öffnungszeiten oder die Servicementalität der Anbieter.

 

Erstellt von Matthias Goßmann (HB Reavis Germany)