Immofrauen trafen sich zum 17. Bundeskongress in Erfurt und Weimar

Von links: Arne Ott, Annabelle von Reutern, Andrea Meisel, Professor Dr. Barbara Schönig und Marion Hoppen. Foto: Fotostudio Arlene Knipper

Fachlicher Austausch rund ums Thema „Bauen im Bestand“, Netzwerken und kulturelle Highlights – all das stand auf dem Programm des 17. Bundeskongresses VISIONALE der Frauen in der Immobilienwirtschaft. Unter dem diesjährigen Motto „Altes bewahren, Neues schaffen“ trafen sich rund hundert Expertinnen aus allen Teilbranchen der Immobilienwirtschaft in Erfurt und Weimar.

Thüringen ist dabei erstmals Anlaufpunkt für die Immofrauen, deren 1100 Mitglieder in 13 Regionalgruppen organisiert sind. Die Veranstaltung unter der Schirmherrschaft von Susanna Karawanskij, Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft in Thüringen, war hochkarätig besetzt: Die Staatssekretärin im Ministerium Professor Dr. Barbara Schönig und der Erfurter Beigeordnete für Kultur und Stadtentwicklung Dr. Tobias Knoblich begrüßten die Immofrauen und skizzierten Eckpunkte ihrer Arbeit für Stadt und Land am ersten Kongresstag.

Klimapolitische Zielsetzungen

Das Motto der diesjährigen VISIONALE war bewusst an den derzeitigen klimapolitischen Herausforderungen ausgerichtet, so die Immofrauen-Vorstandsvorsitzende Katrin Williams: „Die Immobilienwirtschaft, aber auch die Gesellschaft als Ganzes steht vor der Aufgabe, den immensen Wohnraumbedarf in den Städten mit den klimapolitischen Zielsetzungen zusammen zu bringen. Dazu gehören ein klimaneutraler Gebäudebestand bis zum Jahr 2045 und der Zielsetzung Null bei der Flächenversiegelung im Jahr 2050. Auf diesem Weg nimmt das Bauen im Bestand künftig eine ganz zentrale Rolle ein.“ Wie diese Ziele erreicht und welche Weichen jetzt gestellt werden müssen, beleuchteten die Panellisten aus unterschiedlichen Perspektiven mit Moderatorin Marion Hoppen. Dabei konkretisierte Staatssekretärin Professor Dr. Barbara Schönig die Pläne der Landesregierung: „Mit neuen Förderrichtlinien, die im nächsten Jahr in Kraft treten, will die Thüringer Landesregierung maßgeblich vorantreiben, dass Bestandsimmobilien im Mietwohnungsbau saniert und modernisiert werden. Unter anderem wollen wir Bauvorhaben fördern, die den Leerstand im ländlichen Raum wieder nutzbar machen, und solche, die durch Um- und Wiedernutzung von Gebäuden Ortskerne aufwerten“, so Schönig. „Damit einhergehend fördern wir gemeinschaftliche, generationenübergreifende und altersgerechte Wohnformen sowie flächensparendes, energieeffizientes und innovatives Bauen. Wir sind zuversichtlich, dass wir so die Wohnsituation für viele Menschen im Freistaat verbessern können und zur Verfügung stehende Ressourcen nachhaltig nutzen.“

 

Schaffung von Wohn- und Gewerbeflächen

Arne Ott, der als Leiter des Amts für Gebäudemanagement in Erfurt für die Planung und den Bau der städtischen Immobilien zuständig ist, betonte: „Der vorhandene Gebäudebestand muss erhalten und im Sinne der Nutzer und den Aspekten der Nachhaltigkeit weiterentwickelt werden. Dabei dürfen die Rahmenbedingungen aber nicht einem Kosten-/Nutzenverhältnis untergeordnet werden. Veränderte Lehr-, Lern- und Arbeitsumgebungen können nicht immer am Bestand ausgerichtet werden, sondern müssen unter Umständen in einem zukunftsfähigen Neubau Platz finden.” „Die Wiederentwicklung vorhandener Gebäude und Brachflächen ist ein wichtiger und ressourcenschonender Weg zur Schaffung von Wohn- und Gewerbeflächen. Er bietet aber auch für alle am Bau Beteiligten immer wieder eine Vielzahl von Themen, die eine besondere Flexibilität erforderlich machen”, so Andrea Meisel, Leiterin Projektentwicklung bei AOC Die Stadtentwickler: „Hierbei geht es um die Qualität der Bausubstanz und gegebenenfalls vorhandene Altlasten, aber auch um eine mögliche Diskrepanz zwischen den öffentlichen Vorgaben und den Nutzeranforderungen.“ Annabelle von Reutern, die als Head of Business Development von Concular zu den Pionieren der Kreislaufwirtschaft in Deutschland zählt, betonte in einem abschließenden Appell die Notwendigkeit einer Kurskorrektur: „Ohne Bauwende wird es keine Klimawende geben. Die Frage ist nicht, ob die Form der Verfügbarkeit folgen muss, sondern wie schnell wir dieses Entwurfsprinzip umsetzen können.“

Wissenstransfer und Netzwerk-Plattform

Im Anschluss an das Fachprogramm standen im zweiten Teil des Kongresses in Weimar der persönliche Austausch und das Netzwerken im Fokus der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. „Unser Bundeskongress spiegelt, was wir unseren Mitgliedern als Verein bieten: Wissenstransfer und Austausch zu aktuellen Fachthemen, aber auch eine Plattform für hochqualifizierte Branchenexpertinnen, um sich bundesweit miteinander zu vernetzen“, resümierte Katrin Williams. „Schließlich wird Netzwerken mehr denn je zum Schlüsselfaktor, um individuelle Karriereziele, aber auch ein ausgeglicheneres Verhältnis von männlichen und weiblichen Führungskräften in der Immobilienbranche zu erreichen. Und genau das ist angesichts der großen Herausforderungen, vor denen die Immobilienwirtschaft steht und die wir heute skizziert haben, wichtiger denn je.“