Innovative Stores, neue Konzepte und der Blick über den Tellerrand: das ist die EHI Retail Design Konferenz. Zwei Tage diskutierten die Gäste über Trends im Handel.

Bei der Retail Design Konferenz 2017 in Köln ging es um Marken, Shop-Konzepte und die Zukunft des Handels. Foto: EHI

Bei der EHI Retail Design Konferenz 2017 in Köln dreht sich alles um die Zukunft des Handels. Das Event für Ladenbauer und Einzelhändler blickt dabei auf jene Themen und Trends, die den Markt nachhaltig verändern oder es noch werden. Die rund 200 Gäste im Steigenberger Hotel in Köln diskutierten dabei über neue Formate, den Einsatz von 3D-Druckern und die Verbindung von Online und Offline.

Mit den Vorträgen will das EHI Impulse und Denkanstöße geben. Der gebürtige Italiener Alex Tosolini etwa gehört zu jenen Referenten, die deutlich aufzeigen, wohin der Lebensmittelmarkt in absehbarer Zeit steuern wird. Er ist Senior Vice President of New Business Development des Supermarktriesen Kroger. Sein Unternehmen macht einen Jahresumsatz von 100 Milliarden US-Dollar und ist die größte Lebensmittel-Supermarkt-Kette in den USA. Auf seinem Heimatmarkt beobachtet Tosolini einen gravierenden, schnellen Wandel, während hierzulande immer noch die Widerstandskraft der Lebensmittler gegenüber dem E-Commerce betont wird.

Alex Tosolini geht davon aus, dass sich mit Non-Food-Artikeln wie Toilettenpapier langfristig keine Geschäfte mehr machen lassen. Lebensmittel, Essen und Trinken sowie die Erfahrungen und Erlebnisse, die Menschen damit verbinden, das sind die Themen, die Supermärkte zukunftssicher machen sollen. Treiber dieser Entwicklung sind die Millennials, also jene Menschen, die um die Jahrtausendwende geboren und in der digitalen Welt aufgewachsen sind. "Sie lesen viel über Essen, sehen sich Kochsendungen an und gehen viel auswärts essen", sagt Tosolini. Er macht das unter anderem am Boom der Foodtrucks fest. In Austin, Texas, hat vor einigen Jahren lediglich zwei dieser rollenden Imbissbuden gegeben, heute sind es einige tausend. Es ist Ausdruck eines Lifestyles, der sich auch auf das Design in Supermärkten auswirkt. "Es ist viel Geld nötig", sagt Tosolini, "damit die Märkte wie realistische Farmen aussehen."

Shoppen an der Felswand

Viel Geld investiert auch das Unternehmen Missguided. 2016 hat der Online-Mode-Händler sein erstes stationäres Geschäft in London eröffnet, das ein genaues Abbild des Online-Shops ist und die digitale Erfahrung in die physische Welt transportiert, wie John Ryan von der Retail Week erklärt. "Die Idee dahinter ist eine dekonstruierte Webseite", sagt er. Hier habe man die Zielgruppe verstanden. Ein pompöser, in dominantem Pink gehaltener Store spricht eben haargenau die weibliche, 16 Jahre alte Käuferschaft an.

Ein anderes Beispiel ist der Pop-up-Store des Outdoor-Ausstatters 37.5 Technology. Zwei Tage lang betrieb er ein Geschäft an einer Felswand im Eldorado Canyon im US-Bundesstaat Colorado. "Die Pop-up-Stores sehen längst nicht mehr improvisiert aus", sagt John Ryan. Hinter ihnen stecken ausgeklügelte Konzepte, die den Markenkern stärken sollen.

"Münchens Erste Häuser" und der Krämerladen im Netz

Ihren Markenkern stärken auch die Münchner Einzelhandels-Unternehmen Hirmer, Sporthaus Schuster, Kustermann, Bettenrid und Kaut-Bullinger. Die traditionsreichen Geschäfte haben sich vor einigen Jahren unter dem Label "Münchens Erste Häuser" zusammengeschlossen. "Wir sind eine Wertegemeinschaft, aber keine Werbegemeinschaft", sagt Caspar-Friedrich Brauckmann, Geschäftsführer der F. S. Kustermann GmbH. Zusammen stellen sie die Tradition und den besonderen Service ihrer Geschäfte in den Mittelpunkt. "Alles, was wir machen, ist kompromisslos auf den Standort München zugeschnitten", sagt Brauckmann.

Das Kölner Start-up Sugartrends verfolgt einen ähnlichen Ansatz, setzt aber darauf, angesagte, lokale Läden in der digitalen Welt sichtbar zu machen. Was Gründer Tim Lagerpusch transportieren will, das ist "authentische Menschlichkeit", wie er es ausdrückt. Mit ihrer Plattform unterstützt Sugartrends kleine Boutiquen und Krämerläden dabei, ihre Geschäfte Kunden im Netz zugänglich zu machen.

3D-Druck im Handel

Wie Marken es schaffen, zu einem erfahrbaren Erlebnis im Raum werden, das zeigt hingegen Guido Mamczur, Geschäftsführer der Neusser Kreativagentur D’art Design Gruppe (Dart). Es geht um Showrooms, Pop-up-Stores und Collaboration Spaces. So stellte Mamczur unter anderem das Canon Customer Expierence Center in Krefeld vor. Auf knapp 500 Quadratmetern wird dort die Marke Canon erlebbar. Von der Aufnahme eines Fotos, über das Speichern und teilen bis hin zum Druck geht die Reise durch die Canon Welt. Hier setzt das Unternehmen vielfach auf digitale Technik, um die Kunden zu informieren und zu unterhalten.

Während die Digitalisierung schon heute den Handel verändert, steckt eine andere Technologie noch in den Kinderschuhen - der 3D-Druck. Er wird zweifellos aber auch an den Einzelhandel nochmals stark verändern, wenn die Technik erst ausgereift ist. Patrick Jaruschowitz vom Fraunhofer-Institut Umsicht aus Oberhausen spricht von urbanen, dezentralen Produktionsstätten. Ware könnte dann dort produziert werden, wo die Kunden sie kaufen. Zudem erlaubt die Technologie, dass Kunden ihre Produkte selbst gestalten. Das Potential ist enorm: 95 Prozent der Menschen sind neugierig auf die Technologie, wie Jaruschowitz erklärt. Und 79 Prozent würden mehr Zeit im Einzelhandel verbringen, wenn sie ihre Produkte individuell gestalten können. So wird der Wandel im Handel auch noch die nächsten Jahre überaus dynamisch bleiben.

Erstellt von David Huth