Im Einzelhandel ist 2016 ein Flächenumsatz von 487.000 Quadratmetern erzielt worden. Das sind sieben Prozent weniger als 2015, laut Zahlen von JLL.

Der Flächemumsatz bei der Vermietung im Einzelhandel ist rückläufig und auch die Mieten auf den deutschen Einkaufsstraßen stagnieren. Foto: Joergelman / pixabay

Der Vermietungsmarkt für Einzelhandelsimmobilien ist im abgelaufenen Jahr von einem zurückhaltenden Handel geprägt gewesen. Die Konsequenz: Erneut ging der Flächenumsatz im Vergleich zum Vorjahr zurück. Das geht aus dem Einzelhandelsmarktüberblick für 2016 von JLL hervor.

So setzte der Markt bei 1.070 Deals 487.000 Quadratmeter um – rund sieben Prozent weniger als im Vorjahr und mit rund 15 Prozent deutlich unter dem 5-Jahres-Schnitt von 569.000 Quadratmetern. Da die Anzahl der Abschlüsse konstant blieb, waren sie im Umkehrschluss durchschnittlich deutlich kleiner als im Vorjahr. Den besten Umsatz des Jahres erzielte dabei das Abschlussquartal mit 134.000 Quadratmetern. Mit 284 wurden zwischen Oktober und Dezember auch die meisten Verträge abgeschlossen.

Einzelhandel: Spitzenmieten stagnieren in Deutschland

Zugleich stagnieren die Spitzenmieten in den Big 10. Seit Ende 2013 hatte das Wachstum im Jahresschnitt 6,8 Prozent betragen. Doch in den vergangenen zwölf Monaten hat der Markt in dieser Hinsicht deutlich an Dynamik verloren. Im abgelaufenen Jahr waren es nur noch 1,2 Prozent. Noch deutlicher fällt die Konsolidierung mit Blick auf die 185 größten Städte in Deutschland aus: Hier stiegen die Mieten 2016 nur noch um 0,1 Prozent.

 

Dirk Wichner, Head of Retail Leasing JLL Germany, sagt: „2016 konnte man gut sehen, dass Handelsketten derzeit sehr genau prüfen, bevor sie sich an einen Standort binden. Das gilt vor allem für Textilhändler. Dadurch entstehen aber auch Lücken und somit Chancen für andere Branchen wie Gastronomie und Gesundheit/Beauty. Für das kommende Jahr rechnen wir damit, dass der Markt erneut kämpfen muss, um seine Dynamik zu erhalten. In einzelnen Standorten kann es sogar dazu führen, dass die Spitzenmieten erstmals seit langem wieder zurückgehen.”

Hauptstadt Berlin bleibt Primus beim Handel

Stabil zeigte sich der Anteil der Big-10-Städte, die 2016 rund 180.000 Quadratmeter umsetzen und damit einen Anteil von 37 Prozent am Gesamtvermietungsvolumen hatten. In den vergangenen fünf Jahren hatte sich dieser Wert zwischen 33 Prozent und 39 Prozent bewegt. Primus war dank eines starken Schlussquartals die Hauptstadt Berlin, die insgesamt 36.000 Quadratmeter verbuchte. Sie war vor allem Ausgangspunkt für viele internationale Marken, die nun auch auf dem deutschen Markt Fuß fassen wollen. Dazu zählten im letzten Quartal der britische Modehändler Topshop sowie das Label Samsøe. Hinter Berlin landete Frankfurt mit 28.000 Quadratmetern, wofür vor allem mehrere Projektentwicklungen wie der Neubau Zeil 111 oder der Umbau der Kaiserpassage verantwortlich waren. Die Bronzemedaille geht für das abgelaufene Jahr mit 27.000 Quadratmeter an Stuttgart, das sein bestes Ergebnis der vergangenen fünf Jahre ablieferte.

Deutlich unter ihrem Langzeitschnitt blieben derweil die Großstädte Hamburg (20.000 Quadratmeter), Köln (17.000 Quadratmeter) und Düsseldorf (15.500 Quadratmeter). Dabei erzielte die Domstadt mehr als die Hälfte seines Umsatzes im letzten Quartal 2016. Ein innerbayerisches Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten sich derweil München mit 13.300 Quadratmeter und Nürnberg 13.100 Quadratmeter. Während München signifikante Großabschlüsse fehlen, verzeichnete Nürnberg gleich fünf für den Markt relativ große Anmietungen.

 

Trend zu mittelgroßen Flächen im Einzelhandel

In allen Standorten setzte sich der Trend zu kleineren und mittelgroßen Flächen fort. Drei Viertel aller Anmietungen entfielen auf diese Größenordnungen. Zugleich zeichnete sich 2016 eine Verschiebung bei den Nutzern ab. Spitzenreiter Textilien mietete nur noch für 260 Mal an – nach 292 Abschlüssen im Vorjahr. Zugleich stockte der Bereich Gastronomie seinen Anteil um 40 Abschlüsse auf 219 auf. Auch die Gesundheit- und Beautybranche legte um 20 Abschlüsse zu und kommt für das Gesamtjahr auf 84.

Das wirkt sich auf die Verteilung beim Flächenumsatz aus: Lag der Textilanteil 2014 noch bei 40 Prozent, so ging er über 37 Prozent im Vorjahr aktuell 33 Prozent zurück. Die Gastronomie etablierte sich derweil bei rund 20 Prozent und verkürzte den Rückstand so kontinuierlich. Viel spricht dafür, dass dieser Trend anhält. So haben nationale und internationale Konzepte bereits ihre Expansion angekündigt – darunter die vegane Kette Alge oder die auf Süßspeisen spezialisierte US-Marke Cinnabon. Auch Unternehmen aus dem Segment Gesundheit/Beauty sind auf Expansionskurs und steigerten ihren Flächenumsatz um die Hälfte von zehn Prozent auf 15 Prozent. Neben den großen Drogerieketten nahmen vor allem bundesweite Fitness Studios wie McFit und Fitness First große Flächen ab.