Neue Erkenntnisse von COMFORT

Touristen tragen zum Erfolg des deutschen Einzelhandels bei. Symbolbild: Pixabay / Free Photos

Dass nationaler und internationaler Tourismus tendenziell positiven Einfluss auf die Einzelhandelsumsätze der jeweils besuchten Stadt ausübt, ist wenig verwunderlich. Nach einer vom BMWI im Jahr 2017 veröffentlichten Studie fließen von Touristen pro Jahr stattliche knapp 50 Milliarden Euro in klassisches Shopping - zuzüglich der rund 13 Milliarden Euro, die für Lebensmittel ausgegeben werden.

Gastronomie ist dabei nicht einmal eingerechnet.

Wichtiger noch als die nackten Zahlen, sagt Olaf Petersen, Chefresearcher des Einzelhandelsspezialisten COMFORT, sei der positive Effekt, den der Tourismus für die Innenstädte in ihrem Wettbewerb zur Konkurrenz mit der virtuellen Welt und dem Einzelhandel auf der grünen Wiese generiere. Für national und international erfolgreiche Einzelhandelsketten sei es nämlich auch vor diesem Hintergrund zwingend notwendig, an diesen Standorten ausdrücklich präsent zu sein. Nicht selten mit Flagship-Stores, deren attraktive Fassadengestaltung und Außenwirkung das Image der Unternehmen nachdrücklich stärken. „Eben dies“, erklärt Petersen, „lassen sich die Retailer auch einiges kosten.“ Ein Umstand, der den Standort Innenstadt massiv unterstütze und die Bedeutung der City für den Einzelhandel nicht nur in finanzieller, sondern auch in ideeller Hinsicht verdeutliche.

Übernachtungszahlen legen zu

Die Übernachtungszahlen für die 72 von COMFORT regelmäßig untersuchten deutschen Einkaufsstädte haben in den Jahren von 2013 bis 2018 um rund 23  Prozent zugelegt. Dies entspricht einem Plus von rund 28 Millionen Übernachtungen. Folgt man der amtlichen Statistik, wiesen im Jahr 2018 immerhin 26 dieser Einkaufsstädte mehr als eine Million Übernachtungen per anno auf. Und dies in einem Ranking, das keineswegs nur der Größe der Stadt, sondern vielmehr der touristischen Attraktivität und der ökonomischen Leistungsfähigkeit folgt. Die Metropolen Berlin, München und Hamburg führen das Ranking naturgemäß mit jeweils deutlich mehr als zehn Millionen Übernachtungen an. Mit Blick auf die relative Größe sind dagegen in erster Linie Dresden, Rostock, Lübeck, Heidelberg, Potsdam und Regensburg als Gewinner hervorzuheben.

 

Immer mehr Ausländer reisen an

Dabei geht die positive Tourismusentwicklung hierzulande sowohl auf steigende Besucherzahlen aus dem Inland wie auch aus dem Ausland zurück. Nach Angaben der deutschen Zentrale für Tourismus (DTZ) ist die Zahl der ausländischen Touristen in den vergangenen fünf Jahren deutlich überdurchschnittlich, namentlich um rund 22  Prozent auf etwa 82,5 Millionen in 2018 angestiegen. Die DTZ erwartet zudem eine Fortsetzung dieses Trends und prognostiziert bis 2030 ein weiteres Wachstum der Übernachtungen internationaler Besucher auf rund 121,5 Millionen. Dies entspricht einer weiteren Steigerung gegenüber 2018 um zirka 47 Prozent.

Klientel aus Nicht-EU-Staaten

Während das Gros der ausländischen Besucher mit aktuell rund 59  Prozent der Übernachtungen aus den EU-Staaten stammt, stellt gerade auch das Besucherpotenzial aus Nicht-EU-Staaten ein besonders interessantes Klientel dar. Das erhebliche Wirtschaftswachstum in vielen Ländern Südostasiens, den Golfstaaten oder Südamerikas lässt in der Folge erheblich steigende Besucherzahlen aus diesen Ländern für die Zukunft erwarten. Und sofern die Menschen aus diesen Ländern bei uns zu Gast sind, dann shoppen sie auch in großem Umfang. Dies belegen die Zahlen des weltweiten Tax-Free-Dienstleisters Global Blue.

China und Hongkong liegen vorn

Die Besucher aus diesen Nicht-EU-Staaten können sich nämlich bei der Ausreise die Umsatzsteuer erstatten lassen. Insgesamt wurden auf diese Weise im Jahr 2018 Umsätze im deutschen Einzelhandel in einer Gesamtgrößenordnung von rund 2,6 Milliarden Euro getätigt. Das Gros davon wird in den Bereichen Mode und Bekleidung sowie Uhren und Schmuck getätigt, wobei dem Luxus-/Premium-Genre eine sehr hohe Bedeutung zukommt. Dies spiegelt sich in den Tax-Free-Durchschnittsbons wider. Ganz vorne liegen hier die Besucher aus China und Hongkong  (Durchschnittsbon pro Einkauf 502 Euro), vor den Amerikanern (409 Euro), Russen (329 Euro) sowie den Arabern (313 Euro). Von den Tax-Free-Gesamtumsätzen entfallen knapp zwei Drittel auf die Städte München, Frankfurt, Berlin und Düsseldorf, deren jeweilige Luxuslagen hiervon spürbar profitieren.

Run auf die Innenstädte

Generell stellt der Städtetourismus einen der maßgeblichen Treiber des globalen Tourismus-Trends dar. Das Interesse der Städte-Besucher konzentriert sich weit überproportional auf die Innenstädte, in der sich in der Regel die jeweiligen aus der Stadthistorie stammenden touristischen Hot Spots finden. Dies führt dazu, dass die City in der Wahrnehmung einer Stadt durch ihre Besucher zumeist exemplarisch für die ganze Stadt steht. Zudem stellen auch die neuen beziehungsweise anderen Einkaufsmöglichkeiten der besuchten Stadt selbst meist ein attraktives Ziel dar. „Und hier“, erklärt Olaf Petersen, „stehen natürlich hierzulande die Innenstädte mit dem in der Regel größten und vielfältigsten Angebot einer Stadt, welches zudem typischerweise mit dem historischen Kern verzahnt ist, auf der Prioritätenliste der Touristen ganz vorne.“