Mit 12,9 Milliarden Euro ist das Volumen 2016 um 38 Prozent rückläufig. Die Investoren sind bei Deals kritischer und achten auch auf eine Verknüpfung zwischen Online- und Offline-Handel.

Investoren unterziehen Handelsimmobilien stärker einer Analyse zu Standort und Handelsformat mit Blick auf den Online-Handel. Foto: geralt / pixabay

Im vergangenen Jahr wurden am deutschen Handelsinvestmentmarkt Immobilien für etwa 12,9 Milliarden Euro gehandelt und damit 38 Prozent weniger als im Vorjahr. Vom Umsatzrückgang waren vor allem Geschäftshäuser (- 50 Prozent im Vergleich zu 2015) und Kauf-/Warenhäuser (- 77 Prozent), sowie Shopping-Center (- 43 Prozent) betroffen.

„Im letzten Jahr standen deutlich weniger Core-Immobilien zum Verkauf als in den Vorjahren, weshalb sich die Angebotsknappheit in dieser Risikoklasse weiter verschärft hat“, erläutert Jörg Krechky, Director und Head of Retail Investment Germany bei Savills und ergänzt: „Der Mangel an großvolumigen Core-Objekten ist somit hauptverantwortlich für den rückläufigen Investmentumsatz“.

Genaue Prüfung der Standorte und Handelsformate

„In den Risikoklassen Core-Plus und Value-Add gab es im letzten Jahr hingegen ausreichend Angebot, jedoch passten hier die Kaufpreisvorstellungen von Verkäufern und Bietern oftmals nicht zusammen“, berichtet Krechky. Zusätzlich ist eine steigende Sensibilität der Investoren im Hinblick auf die Online-Anfälligkeit von Handelsobjekten feststellbar, was zu intensiveren, aber auch langwierigeren Prüfungsphasen führt. „Viele Investoren agieren vor dem Hintergrund des boomenden Online-Handels zunehmend vorsichtig und unterziehen die Standorte und Handelsformate immer intensiveren Analysen im Hinblick auf ihre Zukunftsfähigkeit“, konstatiert Krechky. Auch im letzten Jahr ist der Online-Handel wieder merklich schneller gewachsen als der stationäre Handel. So kam der Internet- und Versandhandel laut aktuellen Schätzungen des Statistischen Bundesamtes auf ein (preisbereinigtes) Umsatzplus von 5,4 Prozent, während der Handel insgesamt lediglich ein Wachstum von 1,9 Prozent erzielen konnte.

 

In Anbetracht der Unsicherheiten in Bezug auf die zukünftige Rolle des stationären Handels hat sich die Renditekompression im vergangenen Jahr abgeschwächt. „Insbesondere für Objekte mit Core-Plus- oder Value-Add-Charakter existiert weiterhin eine deutliche Diskrepanz zwischen den Preisvorstellungen der Eigentümer und der Zahlungsbereitschaft potenzieller Käufer“, konstatiert Krechky und blickt voraus: „Da die Zahlungsbereitschaft vieler Investoren mittlerweile weitestgehend ausgereizt ist, dürften die Renditen im Jahr 2017 nur noch leicht nachgeben.“

Verknüpfung von Offline- und Online-Handel 

Im Jahr 2017 dürften Fachmärkte, Fachmarktzentren sowie gut positionierte Shopping Center zu den gefragtesten Handelsimmobilien gehören, weshalb der Bieterwettstreit um solche Objekte weiterhin intensiv bleiben wird. „Neben den klassischen Ankaufskriterien achten Investoren immer stärker darauf, ob Standort und Objekt für eine Verknüpfung von Offline- und Online-Handel geeignet sind“, berichtet Matthias Pink, Director und Head of Research bei Savills Germany.

 

Für 2017 ist zu erwarten, dass das Transaktionsvolumen das letztjährige Ergebnis nicht überschreiten wird, da die Investoren weiterhin selektiv agieren werden und die Angebotsknappheit fortbesteht. Savills rechnet mit einem Investmentvolumen von etwa 12 Milliarden Euro.