Das EHI Retail Institute hat die Inventur­differenzen im Einzelhandel 2015 untersucht. Die Ergebnisse im Überblick.

Ladendiebstahl ist für den Einzelhandel ein Problem. Foto: pixabay
Während leichter Ladendiebstahl über den Zeitverlauf seit 1996 eher abgenommen hat, stiegen die Zahlen bei schweren Delikten leicht an. Grafik: EHI
Überwachungstechnik steht bei den Unternehmen hoch im Kurs. Grafik: EHI
Ladendiebstahl: Kunden klauen Waren im Wert von mehr als zwei Milliarden Euro. Grafik: EHI

Wenn die Kasse nicht stimmt, ärgert sich der Betreiber des kleinen Krämer-Ladens genau so wie der Verantwortliche der großen Warenhauskette. Eine neue Studie des Kölner Retail Institutes EHI zeigt nun, dass dem Einzelhandel durch Inventurdifferenzen und Investitionen zu deren Vermeidung im vergangenen Jahr rund 1,3 Prozent des Umsatzes verloren gingen – das entspreche etwa einem Wert von 5,3 Milliarden Euro.

Das EHI Retail Institute hat in dieser Woche bei der Inventur- und Sicherheitskonferenz in Köln seine neue Studie „Inventurdifferenzen 2016“ vorgestellt. An der aktuellen Untersuchung beteiligten sich 118 Unternehmen mit insgesamt 20.097 Verkaufsstellen, die einen Gesamtumsatz von 72,8 Milliarden Euro erwirtschaftet haben. Die durchschnittliche Verkaufsfläche der beteiligten Geschäfte beträgt 1150 Quadratmeter.

Aus der Untersuchung geht hervor, dass die Inventurdifferenzen im Jahr 2015 auf vier Milliarden Euro gestiegen sind. Als Hauptursache (55 Prozent) werden Diebstähle genannt. „Im vergangenen Jahr sind Ladendiebstähle um rund 100 Millionen gestiegen – einen Löwenanteil daran muss man wohl dem gewerbsmäßig organisierten Diebstahl zuordnen, insbesondere den organisierten Bandendiebstählen“, sagt Frank Horst, Leiter des Forschungsbereichs „Inventurdifferenzen und Sicherheit“ beim EHI und Verfasser der Studie.

Laut EHI sind es besonders häufig Kunden, die unbezahlte Ware aus den Geschäften schmuggeln. Sie verursachen so einen Schaden von rund 2,24 Milliarden Euro. Eigene Mitarbeiter stecken heimlich Waren im Wert von 810 Millionen Euro ein. Lieferanten und Servicekräfte verursachen Warenverluste von mehr als 340 Millionen Euro. Die restlichen 640 Millionen Euro entfielen auf „organisatorische Mängel“, heißt es. 

Investitionen in die Prävention 

Um sich gegen Langfinger zu wehren, hat der Einzelhandel im vergangenen Jahr laut der Studie rund 1,3 Milliarden Euro in Technik und Personal investiert. Als größten Trend nennt die Studie dabei die Verschärfung der offenen Kamera-Überwachung. Nach wie vor habe aber auch die Schulung und Sensibilisierung von Personal eine Schlüsselrolle.

Das EHI verweist zudem auf statistische Daten der Polizei, nach denen die Zahl der angezeigten Ladendiebstähle 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 7,1 Prozent auf 391.401 Fälle gestiegen sei. „Berücksichtigt man die hohe Dunkelziffer mit gut 98 Prozent bleiben nach Expertenschätzung zudem jährlich mehr als 26 Millionen Ladendiebstähle je im Wert von rund 86 Euro unentdeckt“, so das EHI.

 

Besonders beliebt bei Ladendieben

 

Im Lebensmittelhandel werden vor allem Parfüm, Kosmetik, Rasierklingen, Tabak, Spirituosen, Wein und Sekt, Zeitschriften, Kaffee und Babynahrung geklaut. Im Bekleidungshandel sind aktuell neben Accessoires vor allem hochwertige Damenmarken sowie Funktionsbekleidung bei Dieben beliebt. Im Elektronik-Bereich zeigt sich hoher Schwund bei Tonträgern, Smartphones samt Zubehör, Speicherkarten, Druckerpatronen und Elektrokleingeräten. Baumärkte nennen unter anderem Akku-Schrauber, Werkzeuge und LED-Leuchtmittel als Diebstahlrenner.