Studie von BNP Paribas: Anpassungsprozesse statt Abwärtstrend

Deutschland bleibt einer der wichtigsten europäischen Ziel- und Expansionsmärkte im stationären Handel. Symbolbild: Pixabay / jarmoluk

Die positiven Rahmenbedingungen des deutschen Einzelhandels kommen zwar auch dem E-Commerce zugute, sorgen jedoch gleichzeitig dafür, dass Deutschland für in- und ausländische Labels einer der wichtigsten europäischen Ziel- und Expansionsmärkte im stationären Handel bleibt. Dies ergibt eine Analyse von BNP Paribas Real Estate.

Indizien für die gute Grundstimmung sind unter anderem das rekordverdächtige GfK-Konsumklima zum Jahresstart (10,8 Punkte) sowie der für 2018 prognostizierte überdurchschnittliche GfK-Einzelhandelsumsatz (419,7 Milliarden Euro). „Insgesamt liegt das Ergebnis des Flächenumsatzes in deutschen Cities 2017 mit rund 660.000 Quadratmetern zwar elf Prozent unter dem Vorjahreswert, die Zahl der Vermietungen und Eröffnungen ist mit über 1300, das entspricht minus vier Prozent, jedoch nur leicht zurückgegangen und spricht für eine nach wie vor hohe Dynamik in Citylagen“, erläutert Christoph Scharf, Geschäftsführer von BNP Paribas Real Estate Deutschland und Head of Retail Services. „Zurückzuführen ist die auch im langjährigen Vergleich moderate Umsatzbilanz in erster Linie auf die durchschnittliche Größe pro Vermietung, die seit 2014 um ein Drittel auf 500 Quadratmeter gesunken ist. Gut 44  Prozent der Abschlüsse haben sogar eine Gesamtfläche von höchstens 200 Quadratmetern.“

Drei Viertel Umsatz außerhalb der Metropolen

Gemessen am fünfjährigen Durchschnittswert sowie auch aktuell wird jeder vierte Quadratmeter des Flächenumsatzes an den Top-Ten-Standorten generiert. Spitze sind die größten Retailmärkte insbesondere beim Anteil ausländischer Labels: Gerade in diesen Städten fassen internationale Retailer bevorzugt in Deutschland Fuß oder nutzen sie, um auf sich aufmerksam zu machen. Somit sind sie für nennenswerte 41 Prozent der Abschlüsse in dieser Kategorie verantwortlich. Einen Anteil von 16 Prozent des Volumens tragen B-Städte bei, zu denen die 17 weiteren regelmäßig von BNPPRE analysierten Märkte gehören. Das Gros des Umsatzes machen mit 58 Prozent allerdings die sonstigen Städte aus: Bielefeld zum Beispiel, wo mit dem ECE-Center LOOM eine der wenigen 2017 eröffneten innerstädtischen Malls an den Start ging.

Viel Dynamik in Köln, Düsseldorf und München

Dass die hohe Mietbelastung in den großen Shopping-Destinationen für viele Retailer nur schwer darstellbar ist und zunehmend zu Flächenoptimierungen führt, wird in der Analyse der Top-Ten-Standorte deutlich. Als Konsequenz ist der Flächenumsatz in den wichtigsten Metropolen wesentlich stärker zurückgegangen (-24  Prozent) als die Anzahl der Vermietungen (-13 Prozent). Nichtsdestotrotz konnten vier Städte Umsatzsteigerungen verzeichnen: Hierzu zählen München (+69 Prozent), die NRW-Standorte Düsseldorf (+28 Prozent) und Köln (+26  Prozent) sowie Nürnberg (+17 Prozent). Die mit Abstand meisten Abschlüsse – nämlich rund 100 - entfallen wie in den vergangenen Jahren auf Berlin, und auch Hamburg erzielt mit mehr als 60 Deals ein bemerkenswertes Resultat.

 

Gastronomiekonzepte auf dem Vormarsch

Der strukturelle Wandel des Einzelhandels in Deutschland schlägt sich insbesondere in der Branchenstruktur der Vermietungen und Eröffnungen nieder. Während Gastronomiekonzepte zwischen 2013 und 2016 gut 13 Prozent der registrierten Abschlüsse auf sich vereinten, steuerten sie 2017 knapp 18  Prozent und damit fast fünf Prozentpunkte mehr bei. In Erscheinung getreten sind unter anderem die Konzepte der Enchilada-Gruppe Wilma Wunder oder dean&david sowie coa Asian Food & Drinks und L‘Osteria. Darüber hinaus feierte das US-Burgerkonzept Five Guys 2017 auf der Frankfurter Zeil seine Deutschlandpremiere und sieht hierzulande Potenzial für viele weitere Filialen.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen verwundert es nicht, dass Gastronomiekonzepte vermehrt auch in Shops anderer Branchen integriert werden. Ein prominentes Beispiel ist die neue H&M-Schiene Arket, die seit dem vierten Quartal 2017 mit ihrem weltweit zweiten Store an der Münchener Weinstraße vertreten ist. Trotz alledem sichern sich Textiler erneut den Löwenanteil der Vermietungen und Eröffnungen, liegen mit gut 26 Prozent der Abschlüsse jedoch sieben Prozentpunkte unter dem Durchschnittswert der vergangenen Jahre. Das Führungsduo wird ergänzt durch das Marktsegment Körperpflege und Gesundheit, zu dem mit knapp zehn Prozent unter anderem Drogerien, Parfümerien und Augenoptiker gehören.

Fashion: Internationale Brands sehr aktiv

„Insgesamt ist festzuhalten, dass die kontinuierliche Steigerung der Onlineumsätze auf kaum eine andere Branche so großen Einfluss nimmt wie auf die Modebranche. Infolgedessen sind insbesondere in diesem Segment Kreativität und eine erfolgreiche Inszenierung der eigenen Marke gefragt, um im stationären Geschäft konkurrenzfähig zu bleiben“, so Christoph Scharf. „Umso erfreulicher ist, dass internationale Fashionlabels mit anteilig 47 Prozent und deutlich mehr als 150 Vermietungen noch entscheidender am Marktgeschehen partizipieren als in den vergangenen Jahren. Besonders aktiv waren hierbei niederländische und amerikanische Brands, die zusammen für etwas weniger als jede dritte Vermietung beziehungsweise Eröffnung verantwortlich sind.“

Zurückzuführen ist das Ergebnis dieser beiden Länder nicht zuletzt auf die bereits etablierten, aber nach wie vor expansiven Marken Hunkemöller und TK Maxx. Beachtlich ist auch, dass neben den bekannten Retailern mehr als zehn Bekleidungslabels den ersten Schritt in deutsche Citylagen gewagt haben, wobei sie sich vor allem auf die Big Six konzentrierten.