Wealthcap-Studie widmet den Erfolgsfaktoren für Investment

Wealthcap und BBE Handelsberatung haben sich in einer Studie mit Handelsimmobilien von morgen beschäftigt. Symbolbild: Pixabay / Photo Mix

Wealthcap hat zusammen mit der BBE Handelsberatung die Studie „Future Retail – DNA des Erfolges“ veröffentlicht. Darin wird die Zukunftsperspektive des stationären Handels bestätigt. Aus Sicht von Investoren wird es jedoch immer schwerer vorherzusagen, welche Standortkriterien den langfristigen Erfolg ihrer Handelsimmobilien sichern.

Grund hierfür sind tiefgreifende gesellschaftliche Trends wie die Digitalisierung, der demografische Wandel oder die Tendenz zu nachhaltigerem und ethischem Konsum, mit denen sich die Spielregeln des Handels und die Erwartungshaltung der Kunden grundlegend verändern.

Das Studiendesign beinhaltet sowohl einen quantitativen als auch qualitativen Ansatz. Im quantitativen Teil werden fünf Praxisbeispiele anhand des eigens entwickelten Wealthcap Scorings analysiert. Im qualitativen Teil wurden Experten aus Einzelhandel, Stadtplanung, Wissenschaft sowie Markt und Investment anhand von Tiefeninterviews nach ihren Erwartungen für die Zukunft des Handels befragt. Abschließend wurden die Erfolgsfaktoren aus Investorenperspektive herausgestellt. Zu den Befragten gehören der Handelsverband Deutschland, die stattbau München GmbH, das Zukunftsinstitut, die Hochschule Nürtingen-Geislingen sowie die Handelsketten Kaufland und denn‘s Biomarkt.

Branche muss innovativ bleiben

„Der Handel ist eine sehr wettbewerbsorientierte Branche, die innovativ bleiben muss. Unsere Konsumgewohnheiten und Erwartungen an den Einzelhandel unterliegen einem rasanten Wandel. Insbesondere stationäre Konzepte müssen flexibel reagieren, wenn sie eine echte Zukunftsperspektive haben wollen“, sagt Gabriele Volz, Geschäftsführerin von Wealthcap. „Unsere Studie zielt dabei weniger auf abstrakte Investmentzahlen ab, sondern vielmehr auf eine standortbezogene Bestimmung der Zukunftschancen von Handelslagen. Hier gilt es je Betriebsform klar zu differenzieren. Denn nicht jedes Handelskonzept funktioniert an jedem Standort. Das hat unsere Untersuchung klar herausgearbeitet.“

„Die Anforderungen der Kunden und der Händler selbst variieren je nach Standort, Betriebstyp, Sortiment und sozio-ökonomischer Struktur erheblich. Dieser Vielfalt haben wir mit unserem Forschungsdesign Rechnung getragen“, erläutert Joachim Stumpf, Geschäftsführer der BBE Handelsberatung.

 

Online und offline wachsen zusammen

Die Erkenntnisse der Untersuchungen sind vielfältig und häufig von Mikrolage und Nutzungsart abhängig. Es konnten jedoch übergreifende Erkenntnisse abgeleitet werden, die übergreifend die Zukunft des Handels prägen werden.

E-Commerce und stationärer Handel wachsen zunehmend zusammen. Auf der einen Seite experimentiert der stationäre Handel immer mehr mit Möglichkeiten, um sich mithilfe digitaler Technologien kundenfreundlicher und effizienter aufzustellen. Andererseits eröffnen vormals reine Onlineanbieter verstärkt stationäre Geschäfte, um ihre Marke zu pflegen und persönlichen Kundenservice anzubieten. So verschwimmen die Grenzen zwischen klassischem stationären Handel und E-Commerce.

Individuelle Einkaufserlebnisse gefragt

Neben dem klassischen Investmentkriterium Lage entscheidet in Zukunft vor allem die schnelle Erreichbarkeit. Mit neuen Mobilitätskonzepten betrifft diese Erreichbarkeit immer weniger nur das Automobil. Ein guter Zugang mit dem Fahrrad, zu Fuß oder anderen Fortbewegungsmitteln bis direkt für das Geschäft gewinnt gerade in urbanen Zentren enorm an Bedeutung.

Um dem reinen Online-Handel etwas entgegenzusetzen, wird es zunehmend darauf ankommen, den Kunden ein erfüllendes Einkaufserlebnis zu bieten. Wer Individualität und Individualisierbarkeit in sein Konzept integriert und den Konsumenten auf einer persönlichen Ebene erreicht, kann auf einen stärkeren Zulauf und höhere Margen hoffen.

Mut zur Nische kann sich für den Einzelhändler lohnen, wenn die Qualität des Produkts stimmt und eine echte Abgrenzung vom Wettbewerb gelingt. Spezialisierung geht vor einer immer größeren Ausdehnung der Produktpalette, die die Kunden zunehmend verwirrt.

Flexible Flächennutzung ist angesagt

Darüber hinaus sollten nachhaltig erfolgreiche Handelsimmobilien auf flexible Flächennutzungskonzepte setzen, die im besten Fall auch Lösungen für größere gesellschaftliche Anforderungen bieten. Handelslagen, die als intermodaler Knotenpunkt mit E-Ladestationen oder Last-Mile-Logistikhubs positioniert werden, könnten einen bedeutenden Beitrag zur Verkehrswende in den Städten leisten.

Die monolithische Einzelhandelsimmobilie wird es immer weniger geben. Die Einbindung von Handelslösungen in Quartiersstrukturen zählt schon heute zum Erscheinungsbild deutscher Städte. Aber auch flexible Umnutzungsmöglichkeiten stärken die Zukunftsperspektive: Beispielsweise kann die Handelsimmobilie, die heute den Einzelhändler beheimatet, morgen vier Showrooms beherbergen, um danach einem Logistikunternehmen Raum zu bieten.

Denkbar wäre zum einen der volldigitalisierte Einkauf, wobei E-Commerce und stationärer Einzelhandel vollständig verschmelzen und das gesamte Warenangebot der Händler zu jeder Zeit über die virtuelle Realität zugänglich wird. Ein weiteres Szenario beschreibt die umfassende Fokussierung auf grünes Einkaufen. Handelsimmobilien werden zu Orten der sozialen Interaktion, nachhaltige Märkte mit regionalen Produkten sind in fußläufigen Stadteilzentren schnell erreichbar.