Die Vermietungsleistung 2016 im Retailbereich verfehlt knapp das bisherige Spitzenergebnis aus 2013. In ihrer Analyse kam CBRE auf 3.191 Transaktionen.

Hotspot Berlin: Mit 19 neuen internationalen Retail-Konzepten konnte die Hauptstadt die meisten Neueintritte verbuchen. Foto: Pixbay
Vermietungen im Einzelhandel von 2010 bis 2016. Grafik: CBRE

Der deutsche Einzelhandelsvermietungsmarkt zeigte ein sehr gutes Ergebnis für das Gesamtjahr 2016. Bundesweit wurden demnach im vergangenen Jahr 3.191 Vermietungen registriert und damit das sehr gute Niveau des Vorjahres (3.195 Transaktionen) gehalten. Dies ist eines der Ergebnisse einer aktuellen Analyse des Immobilienberatungsunternehmens CBRE.

Das bisherige Spitzenergebnis aus dem Jahr 2013 mit 3.219 registrierten Transaktionen wurde erneut nur knapp verfehlt. Der Anteil internationaler Konzepte an den Anmietungen betrug 17 Prozent. Mit einem Anteil von nahezu 21 Prozent aller Vermietungen des Gesamtjahres blieb das letzte Quartal des Jahres – unter Berücksichtigung der Vermietungsleistungen der Vorjahre – hinter den Erwartungen und der überdurchschnittlichen Vermietungsaktivität im vorhergehenden Jahresverlauf zurück. 

Berlin und Hamburg aktivste Retailmärkte

„Die erneut stabil hohe Anzahl an Mietvertragsabschlüssen sowie die mit 55 Marken bisher höchste registrierte Anzahl an Neueintritten internationaler Filialkonzepte im Jahr 2016 belegen eindrücklich, dass Deutschland sowohl für nationale wie auch internationale Einzelhändler weiterhin einen begehrten Standort mit hohem Marktpotenzial darstellt. Allerdings lässt eine höhere Anzahl an Transaktionen nicht zwangsläufig auf ein steigendes Flächenvolumen schließen. Hier könnten sich unter anderem auch kürzere Mietvertragslaufzeiten vor dem Hintergrund einer Risikominimierung niederschlagen“, erläutert Frank Emmerich, Head of Retail Germany bei CBRE in Deutschland.

 

Mit 23 Prozent entfiel knapp ein Viertel aller Anmietungen auf die sieben deutschen Top-Standorte. Hier liegen Berlin (159) und Hamburg (155) deutlich vor Frankfurt (102) und Düsseldorf (100). Auf den weiteren Plätzen folgen Köln (80) vor München (73) und Stuttgart (51). „Die hohen Vermietungszahlen in den Top 7-Städten und darüber hinaus spiegeln einmal mehr die Attraktivität des deutschen Einzelhandelsmarktes mit seiner polyzentralen Struktur wider, der neben den Top-Standorten mit einer Vielzahl prosperierender Regionalzentren und B-Standorten auch attraktive Standortoptionen für die unterschiedlichsten Konzepte bietet“, erklärt Emmerich.

Standorte in den Innenstädten dominieren das Vermietungsgeschehen

Insgesamt dominierten Standorte in den Innenstädten, auch außerhalb der Top 7, das Vermietungsgeschehen. Rund 38 Prozent aller Anmietungen entfielen auf Haupt- und Nebeneinkaufslagen. „Die Anzahl der Center-Anmietungen ist 2016 gegenüber dem Vorjahr auf 18 Prozent gesunken, was im Wesentlich auf die geringe Anzahl an Neueröffnungen im Shopping-Center-Segment zurückzuführen ist“, sagt Emmerich.

Differenziert nach Branchen zeigten sich auch im vergangenen Jahr Drogeriemärkte sowie Lebensmitteleinzelhandel besonders expansiv. Rossmann war 2016 mit 119 neuen Standorten das Unternehmen mit den meisten registrierten Anmietungen. Auf Platz zwei der Neuanmietungen befindet sich Rewe (112 Neueröffnungen), gefolgt von Edeka (103), dm (94), Netto (57) und Penny (auch 57). Abseits der Lebensmittel- und Drogeriemarktfilialisten baute unter anderem die Gastronomiekette Subway ihre Präsenz in Deutschland mit 26 registrierten Neuvermietungen weiter aus und auch die Kaufhaus-Kette Woolworth trieb die Verdichtung ihres Standortnetzes durch ebenfalls 26 Neuanmietungen weiter voran. 

Einzelhandel: Deutschland im Fokus internationaler Marken

„Die nach wie vor robusten Konjunkturdaten in Deutschland, Rekordzahlen bei der Erwerbstätigkeit sowie steigende Haushaltseinkommen setzen attraktive Rahmenbedingungen in einem der größten und umsatzstärksten Einzelhandelsmärkte Europas und machen Deutschland zu einem weltweit gefragten Expansionsziel internationaler Handelsketten“, so Jan Linsin, Head of Research bei CBRE in Deutschland. Die meisten Neuanmietungen internationaler Konzepte gehen auf Unternehmen aus Frankreich und den USA zurück. So konnten 2016 insgesamt 55 internationale Einzelhandels- und Gastronomiekonzepte registriert werden, die neu in den deutschen Markt eingetreten sind, was damit der höchsten Zahl seit Aufzeichnungsbeginn entspricht. Die verstärkte Expansion internationaler Händler nach Deutschland kann in Teilen als Kompensationsstrategie von Unternehmen gesehen werden, die auf ihren Heimatmärkten unter Druck stehen.

Hotspot für neue Konzepte ist nach wie vor Berlin, wo im vergangenen Jahr mit 19 neuen internationalen Konzepten die meisten Neueintritte registriert wurden. Neben dem Hauptstadtbonus steht die Stadt als größter Einzelhandelsmarkt Deutschlands sowie gefragte Tourismusdestination im Fokus internationaler Konzepte. Aber auch die weiteren Top-Städte wurden bevorzugt für den Eintritt in den deutschen Einzelhandelsmarkt gewählt. So wurden in Düsseldorf und Hamburg jeweils neun Konzepte erstmals auf dem deutschen Markt registriert. Insgesamt vereinen die Top 7-Standorte einen Anteil von 87 Prozent aller Neueintritte auf sich.

 

Expansive Retail-Konzepte aus Frankreich und Großbritannien

Besonders expansiv zeigten sich Konzepte aus Frankreich und dem Vereinigten Königreich. Jeweils neun Unternehmen betraten im vergangenen Jahr erstmals den deutschen Markt. Neben Filialisten aus den USA mit sieben Neueintritten waren es außerdem sechs Konzepte aus Dänemark, die auf den deutschen Markt expandierten.

„Insbesondere internationale Fashionkonzepte, darunter Topshop, ba&sh, Sunspel, Brooks Brothers, Samsoe Samsoe oder Tombolini, traten 2016 in den deutschen Markt ein“, sagt Emmerich. Insgesamt wurden 22 Neueintritte im Bekleidungssegment registriert. Darüber hinaus konnten elf internationale Gastronomiekonzepte erstmals in Deutschland registriert werden wie Bareburger, choozo oder Tartufi & Friends. 

Prognose: Stabile Entwicklung auf hohem Niveau

„Für das Jahr 2017 ist mit einem ähnlich hohen Ergebnis zu rechnen wie im vergangenen Jahr, wobei sich das Gewicht der Anmietungen weiter in Richtung 1A-Lagen verschieben wird“, prognostiziert Emmerich. „Hintergrund sind fehlende Projektentwicklungen im Shopping-Center-Segment. Darüber hinaus dürften auch Fachmarktlagen weiter in den Fokus der Unternehmen rücken“, erklärt Emmerich.