Beim Deutschen Shopping-Center Forum (DSCF) stellte das EHI seinen „Shopping-Center-Report 2016“ vor: Nur vier Malls eröffnen dieses Jahr.

Marco Atzberger präsentierte auf dem Deutschen Shopping-Center Forum in Bonn den aktuellen "Shopping-Center Report" des EHI. Foto: EHI / Steffen Hauser
In Deutschland gibt es aktuell 476 Center. Das geht aus dem "Shopping-Center Report 2016" hervor. Grafik: EHI
Ein Schwerpunkt in der Handelsimmobilien-Branche liegt nach den Zahlen des "Shopping-Center Reports 2016" auf Revitalisierung. Grafik: EHI

Neueröffnungen sind aktuell selten zu beobachten auf dem deutschen Shopping Center-Markt. Das hat die EHI-Untersuchung „Shopping-Center-Report 2016“ ergeben. Im laufenden Jahr sollen nur vier Malls in Deutschland neu eröffnen. Aktuell gibt es 476 Shopping Center mit einer Gesamtfläche von 15,3 Millionen Quadratmetern. Dass der Markt damit beinahe flächendeckend versorgt ist, sei der Grund für das verlangsamte Wachstum.

Der hohe Reifegrad, den der Markt erreicht, spiegelt sich auch in den Flächen wieder. Die Shopping Center, die 2015 eröffnet haben, hatten im Durchschnitt 28.800 Quadratmeter. Zum Vergleich: 2014 waren es noch 40.800 Quadratmeter. Mit den Mercaden Dorsten, der Ems-Galerie in Rheine, dem „Q 6 Q 7“ in Mannheim und dem Dorotheen-Quartier in Stuttgart setzt sich dieser Trend auch bei den Neueröffnungen 2016 fort. Auffällig war 2015 auch, dass von 13 neu eröffneten Malls neun von den Centerbetreibern ECE, IPH und HBB realisiert wurden.

Dynamischer Markt für Shopping Center

Aber auch wenn das EHI in seinem „Shopping-Center-Report 2016“ zu dem Schluss kommt, dass „der große Boom der Shopping-Center-Neueröffnungen“ vorbei ist, zeigte sich der Markt in den vergangenen Jahren außerordentlich dynamisch. Nach den Zahlen des Kölner Forschungs- und Beratungsinstituts für den Handel sind 2015 insgesamt 13 neue Malls entstanden und 2014 neun. Und für das Jahr 2017 sind 26 Shopping Center in Planung.

Statt neue Projekte zu realisieren, setzen die Investoren aktuell aber verstärkt auf die Revitalisierung bestehender Objekte, die Entwickler in den 1990er- und 2000er-Jahren realisiert haben. Aktuell sind es laut dem „Shopping-Center-Report 2016“ des EHI 28 Objekte, die eine Frischzellenkur erhalten. Bei mehr als der Hälfte geht es darum, die in die Jahre gekommenen Objekte umzustrukturieren, zu modernisieren oder zu erweitern.

 

Andere Konzepte sind gefragt

„An dieser Entwicklung lässt sich deutlich die hohe Dynamik des Markts erkennen: Shopping Center werden in einem Zyklus von zirka zehn Jahren modernisiert. Darüber hinaus zeigt sich, dass sich die Planung der damals realisierten Center zu stark am Bedarf der Zeit orientiert hat“, so Marco Atzberger, EHI-Geschäftsleitung und mitverantwortlich für den „Shopping-Center-Report 2016“. Heute müssen andere Konzepte her, um den Kunden an sich zu binden. Durch die wachsende Online-Konkurrenz muss sich der stationäre Handel und damit die Handelsimmobilienbranche auf ihre Stärken fokussieren. Es geht darum, dass sich Shopping Center als eigenständige Marke beim Kunden etablieren, und dass Betreiber sowie Eigentümer eine Atmosphäre schaffen, in der sich die Kunden wohlfühlen. Das gelinge unter anderem mit guter Gastronomie und exklusiven Mietern.

 

Shopping Center wandeln sich zu Quartieren

Diese Entwicklung unterstreicht, dass die Planung neuer Shopping Center über das reine Einkaufen in ihren Konzepten hinausgeht. Stattdessen entstehen lebendige Stadtquartiere wie etwa in Hanau, das auch auf dem Titel des „Shopping-Center-Reports 2016“ des EHI abgebildet ist. Diese Shopping Center vereinen Einkaufen, Wohnen, Kultur und Arbeiten unter einem Dach und integrieren sich in bestehende urbane Strukturen. Hotels, Kinos, Restaurants oder Wohnungen beleben diese Quartiere, wenn der Einzelhandel längst geschlossen hat.

„Das alte Paradigma ‚Center gegen Innenstadt‘ beobachten wir nicht mehr“, so Marco Atzberger. So sind zwischen 2010 und 2015 etwa 83 Prozent der neuen Malls in Innenstädten entstanden, elf Prozent in den Stadtteilen und nur noch sechs Prozent auf der grünen Wiese. Marco Atzberger stellt aber fest, dass das Vorurteil, Shopping Center schaden dem stationären Handel auf den Einkaufsstraßen, in der Öffentlichkeit nach wie vor sehr präsent sei.

Erstellt von David Huth