Studie von Colliers International: Es gibt große Unterschiede weltweit bei den Einkaufsgewohnheiten. Briten kaufen mehr als alle anderen Europäer online ein

Die Deutschen lieben Bargeld und bezahlen am liebsten mit harter Währung. Das haben sie etwa mit den Italienern gemein, die dazu selten online shoppen. Foto: martaposemuckel / pixabay

Laut einer Studie von Colliers International gewinnt der Online-Einkauf weltweit weiterhin schnell an Attraktivität. Allerdings weichen das Kaufverhalten und die Art der Bezahlung global weit voneinander ab.

Großbritannien ist in Europa der bedeutendste Markt für E-Commerce. Der Online-Umsatz beläuft sich dort derzeit auf rund 160 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Die britischen Senioren gehören weltweit zu den größten „Tech-Freaks“. 78 Prozent der Internetnutzer über 65 kaufen online ein.

 

Italiener kaufen wenig online

Während die Briten dem Online-Handel gegenüber offen sind, verläuft in anderen Ländern die Entwicklung etwas langsamer. Die Italiener sind unter den Westeuropäern diejenigen, die diese Art des Einkaufs am seltensten nutzen. Nur 68 Prozent haben hier Zugang zum Internet und lediglich 26 Prozent machen Gebrauch von der Möglichkeit, online einzukaufen.

Sabine Schulz, Head of Retail Letting bei Colliers International in Deutschland: „Eigentlich könnte man davon ausgehen, dass das Einkaufsverhalten in einer globalisierten Welt immer einheitlicher wird. Allerdings zeigt unsere Studie, dass die Art, wie Menschen einkaufen und für die erstandenen Produkte bezahlen, sehr unterschiedlich bleibt." Diese Verhaltensmuster seien für Einzelhändler und auch für die Entwickler und Eigentümer von Einzelhandelsflächen von hoher Bedeutung.

Expansionsstrategie gebremst

"Auf der einen Seite hat die Ausbreitung des Online-Handels zweifelsohne einige Einzelhändler in ihrer Expansionsstrategie gebremst", sagt  Sabine Schulz und fährt fort: "Aber auf der anderen Seite ist eine wachsende Nachfrage nach Immobilien zu verzeichnen, da reine Online-Marken oft auch stationäre Läden eröffnen und Lagerflächen benötigt werden, um die Abwicklung von Online-Aufträgen zu unterstützen.”

Der Colliers-Report zeigt zudem auf, wie Kunden weltweit für ihre Einkäufe bezahlen. Demnach ist Bargeld immer noch die beliebteste Bezahlart. Dies trifft insbesondere für China, Russland, Spanien, Deutschland, Polen und Italien zu.

Franzosen zahlen gerne mit Schecks

Französische Kunden zahlen im Vergleich zu anderen europäischen Verbrauchern am häufigsten mit einem Scheck, während Konsumenten in den Niederlanden und Schweden sich langsam zu einer bargeldfreien Gesellschaft entwickeln. Diese nutzen zudem Plattformen wie zum Beispiel den Online-Servicev on iDEAL und Swish, eine schwedische App, die ursprünglich entwickelt wurde, damit Freunde sich die Restaurantrechnung teilen können.

Aktuell wird sie von mehr als der Hälfte der Schweden genutzt. Der Anteil der grenzübergreifenden Transaktionen steigt im Online-Handel schnell an, da Konsumenten ein immer größeres Vertrauen in den Einkauf aufausländischen Webseiten entwickeln. Die Händler bieten demnach mehrere Bezahlmethoden, um ihren Umsatz zu steigern, und sie liefern Ware in fast alle Regionen der Welt.

 

Die bedeutendsten Online-Exporteure

Großbritannien, die USA, China und Deutschland sind weltweit die bedeutendsten Online-Exporteure. Bis 2020 werden 45 Prozent der Online-Käufe im Ausland getätigt. Die Höhe der grenzübergreifenden Käufe wird voraussichtlich von 230 Milliarden US-Dollar im Jahr 2014 auf eine Billion US-Dollar im Jahr 2020 ansteigen.

Weitere Ergebnisse des Colliers-Reports: In Deutschland, Spanien und Polen wächst die Anzahl der Online-Käufer in Europa am schnellsten. Deshalb wird dort die Entwicklung von entsprechenden Logistikstandorten beschleunigt.

Ausgaben für Unterhaltung und mobiler Einkauf

Briten, Japaner und Spanier geben am meisten Geld für Unterhaltung aus, während die Russen und Chinesen in dieser Kategorie die Schlusslichter sind. In Großbritannien wurden 29 Prozent der Online-Käufe 2015 über ein Mobilgerät getätigt.

Verbraucher in Polen, Russland und Italien hingegen sind weniger geneigt, ihre Mobilgeräte für Online-Transaktionen zu nutzen, obwohl die Anzahl der Nutzer von Mobilgeräten dort höher ist. Die E-Käufer in Großbritannien kaufen gern in internationalen Online-Shops. 56 Prozent haben bereits Güter über Webseiten aus dem Ausland, wie zum Beispiel China oder den USA bezogen.Ein Viertel des russischen Online-Handels wird grenzübergreifend getätigt. Dabei handelt es sich bei 80 Prozent um chinesische Webseiten.

Grenzübergreifender Einzelhandel

"Die veränderte Kaufkraft der Verbraucher, die Auswahl, die sie treffen, der Trend zur Verstädterung und die schnelle Entwicklung der technischen Voraussetzungen führen zu einem tiefgreifenden Wandel im Verhalten der Konsumenten", sagt Schulz. Wo Menschen einkaufen, was sie kaufen, wie sie kaufen und selbst wie sie diese Güter bezahlen werde von der fortschreitenden Technik und dem Internet beeinflusst. "Deswegen ist es für Handel und Marken, die grenzübergreifend aktiv sind, wichtig zu verstehen, wie Verbraucher in unterschiedlichen Märkten einkaufen", erklärt Sabine Schulz.

Der deutsche Konsument bevorzugt bares Geld. Er macht ungern Schulden und nutzt selten Kreditkarten – nur sechs Prozent aller Deutschen verfügen über eine solche. Im Vergleich nennt der amerikanische Konsument im Durchschnitt 2,96 Kreditkarten pro Kopf sein eigen. Deutschland ist eine hochgradig digitale Gesellschaft – 86 Prozent nutzen das Internet und 73 Prozent kaufen online ein. Beim so genannten M-Commerce stehen sie den Briten kaum nach, denn fast 28 Prozent der deutschen E-Commerce-Transaktionen wurden über mobile Geräte abgewickelt.

Deutsche mögen alternative Zahlungsmethoden

Deutsche mögen alternative Zahlungsmethoden, wenn sie online einkaufen - Sofort, PayPal oder Giropay sind einige der populärsten Bezahlarten, da Kreditkarten wenig verbreitet sind. Mehr als die Hälfte der deutschen E-Konsumenten kaufen in ausländischen Stores, hauptsächlich aus Großbritannien, den USA und China.

Die Deutschen sind zudem kritische E-Konsumenten, denn mehr als 40 Prozent der Kunden schickten die bestellte Ware im Jahr 2015 zurück. Bekleidung und Schuhe sind die populärsten Artikel beim Online-Kauf, und da Deutsche gern lesen, sind Bücher die zweitbeliebteste Warenkategorie, die online bestellt wird. Obwohl die Deutschen über eine sehr hohe Kaufkraft verfügen, gehen sie gern auf Schnäppchenjagd und kaufen Nahrungsmittel häufig bei Discountern. Der Kauf von Nahrungsmitteln online wird ebenfalls immer populärer – 13 Prozent der Deutschen bestellen bereits online Lebensmittel. Deutsche reisen gern innerhalb Europas – Frankreich, Österreich, Italien, Spanien, Polen und die Türkei sind dabei die beliebtesten Reiseländer. Zudem geben sie in Polen von allen Nationalitäten das meiste Geld aus.