Das Investitionsvolumen in Europa hinkt mit 23 Prozent deutlich dem Vorjahr hinterher. Das ist ein Ergebnis der Analyse von BNP Paribas Real Estate zum europäischen Retailmarkt.

Die Avenue des Champs Elysées in Paris und die New Bond Street in London sind Ausnahmen bei den Spitzenrenditen. Durch das große Luxussegment haben sie die höchsten Mieten. Foto: Delarosa1 / pixabay
Städte wie London und Paris stechen deutlich aus der Masse der europäischen Metropolen bei den Mieten pro Quadratmeter im Monat hervor. Grafik: BNP Paribas Real Estate / Europäischer Retailmarkt
In den vergangenen zwöf Monaten sind 22 Prozent der insgesamt 59 Milliarden Euro Investitionsvolumen in den deutschen Retailmarkt geflossen. Grafik: BNP Paribas Real Estate / Europäischer Retailmarkt

BNP Paribas Real Estate hat den europäischen Retailmarkt analysiert. Die Immobiliendienstleister veröffentlichte die Ergebnisse der Studie auf der 21. MAPIC in Cannes. Die Konjunktur erholt sich zwar nur schleppend in der Eurozone, aber die Experten von BNP Paribas Real Estate verzeichnen eine "dynamische Entwicklung im europäischen Einzelhandel".

BNP Paribas Real Estate rechnet mit einer stabilen konjunkturellen Entwicklung in Europa, das weltwirtschaftliche Umfeld bleibt jedoch von Unwägbarkeiten geprägt. Dennoch erwartet der Immobilienberater für 2017 eine Erholung der Weltwirtschaft (3,3 Prozent Wachstum anstatt 3,0 Prozent). Für 2016 wurde in der Eurozone ein BIP-Anstieg von 1,5 Prozent prognostiziert – die Auswirkungen des Brexit dürften jedoch erst 2017 (insbesondere in Großbritannien) spürbar sein.

Widerstandsfähige Konjunktur in Großbritannien

Insgesamt ist 2017 in der Eurozone mit einem BIP-Wachstum von knapp einem Prozent (gegenüber 1,3 Prozent vor dem Brexit-Votum) und in Großbritannien von etwa 0,7 Prozent (gegenüber 2,1 Prozent) zu rechnen. Die Prognose für Großbritannien wird wohl noch leicht nach oben korrigiert werden, da sich die britische Konjunktur im dritten Quartal widerstandsfähig gezeigt hat. Die robuste Binnennachfrage wird weiterhin durch den geringen Ölpreis und die niedrige Inflation getrieben. Das BIP entwickelt sich in den meisten europäischen Ländern weiter positiv — allen voran in Spanien, Deutschland und Frankreich.

Laut der aktuellen Prognose von BNP Paribas Real Estate ist davon auszugehen, dass sich der Einzelhandelsumsatz in der Eurozone im kommenden Jahr mit einem Wachstum von rund 1,3 Prozent stabil entwickeln wird (2016: 1,8 Prozent). BNP Paribas Real Estate rechnet daher mit zufriedenstellenden Ergebnissen auf den drei wichtigsten europäischen Märkten.

Hälfte des Investmentvolumens entfällt auf Deutschland, GB und Frankreich

In den vergangenen zwölf Monaten belief sich das Investitionsvolumen im Einzelhandel auf knapp 60 Milliarden Euro, was einem Anteil von 25 Prozent am gesamten Investmentumsatz entspricht. Auf die drei wichtigsten Märkte Deutschland, Großbritannien und Frankreich entfallen 50 Prozent der europäischen Immobilieninvestments im Einzelhandel.

 

Nach dem Rekordjahr 2015 mit einem Volumen von 70 Milliarden Euro belaufen sich die Einzelhandelsinvestments in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres auf lediglich 39 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Rückgang um 23 Prozent im Vorjahresvergleich, liegt jedoch unverändert im Entwicklungstrend der letzten fünf Jahre. In Irland und Polen konnte das Investitionsvolumen aufgrund einiger Großabschlüsse, wie zum Beispiel dem Blanchardstown Shopping Center, verdreifacht beziehungsweise verdoppelt (Echo Portfolio) werden.

Spitzenrenditen unter Druck – große Unterschiede bei Mieten 

Aufgrund der geringen Ertragschancen auf den wichtigsten europäischen Märkten sind Investoren auf der Suche nach höheren Renditen. Die Retail-Spitzenrenditen auf Europas Core-Märkten bleiben weiter unter Druck. In Großbritannien sind die Renditen seit 2014 auf unter 2,0 Prozent gesunken und bleiben weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Auch in Spanien ist nach mehreren Jahren mit hohen Renditen seit 2014 ein drastischer Rückgang zu verzeichnen.

 

Zwei Städte sind hinsichtlich der Top-Miete Sonderfälle: Die New Bond Street in London und die Avenue des Champs Elysées in Paris weisen aufgrund des starken Luxusbesatzes die höchsten Mieten auf. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Spitzenmieten in London vervierfacht und in Paris verdoppelt. Eine günstigere Alternative für Retailer stellen andere wichtige Städte wie Zürich (833 Euro pro Quadratmeter im Monat) und Berlin (315 Euro) dar.

Onliner gehen verstärkt in den stationären Handel

 „Viele Einzelhändler überdenken ihre Online-Strategie und richten den Fokus verstärkt auf das Filialgeschäft. Das klassische Ladengeschäft erlebt eine Renaissance und ist der nächste Step für Online-Einzelhändler“, betont Fiona Hamilton, Global Head of Retail for International Brands bei BNP Paribas Real Estate. „Die kürzlich in Soho eröffnete Filiale des Kosmetikanbieters Birchbox, der Produktproben im Abo verschickt, ist ein gutes Beispiel für diese Entwicklung."

Und auch der Brillen-Anbieter Warby Parker war ursprünglich ein reiner Online-Anbieter und betreibt heute 31 Filialen in den USA. "Der Wert des Unternehmens wird mittlerweile aufgrund dieser Entwicklung auf 1,2 Milliarden US-Dollar geschätzt", so Fiona Hamilton Hinzu kommen Unternehmen wie Nasty Gal, Ever Lane, Amazon und Bonobos. Sie schlagen ebenfalls diesen Weg ein. "Wir gehen davon aus, dass viele weitere ihrem Beispiel folgen werden. Auf diese Marktentwicklung fokussieren wir uns", wie Fiona Hamilton erklärt.

Umfassendes Shopping-Erlebnis mit Filialnetz

Erfolgreiche Einzelhändler kombinieren ihre Online-Strategie mit der Erweiterung des Filialnetzes, um so ihren Kunden ein umfassendes Shopping-Erlebnis zu bieten. "Reine Online-Anbieter können da nicht mithalten. Eine reine Onlinestrategie reicht also nicht mehr aus, und das ist eine gute Nachricht für den Immobilienmarkt", sagt Hamilton.