Studie von adelphi zur Lösung des Mieter-Vermieter-Dilemmas

Um den Klimaschutz im Einzelhandel noch fester zu verankern, sind wohl einige Anreize nötig. Symbolbild: Pixabay / Miles D. Miller

Beim Klimaschutz hat der Einzelhandel in den vergangenen Jahren bereits viel erreicht. Doch laut adelphi lassen sich noch mehr Energie und Kosten einsparen. In einer neuen Studie zu Energieeffizienzmaßnahmen in Mietgebäuden des Einzelhandels untersucht das Berliner Forschungs- und Beratungsinstitut für Klima, Umwelt und Entwicklung, wie das konkret gelingen kann.

Dafür hat adelphi zahlreiche Mieter und Vermieter von Einzelhandelsimmobilien ausführlich zu diesem Thema befragt. Prinzipiell würden beide Seiten etwaige Vorhaben zur Steigerung der Energieeffizienz unterstützen. Wenn es allerdings um Maßnahmen geht, bei denen das gesamte Gebäude energetisch optimiert werden soll, tritt häufig das sogenannte Mieter-Vermieter-Dilemma zutage. Denn für solch umfangreiche Unterfangen sind die Vermieter verantwortlich. Sie profitieren aber nicht unmittelbar von den möglichen gesunkenen Energiekosten innerhalb der Immobilie. In der Folge erscheinen ihnen diese Maßnahmen oft unwirtschaftlich, weshalb sie nicht umgesetzt werden. Die im Rahmen der Klimaschutzoffensive des Handels erarbeitete Studie zeigt jedoch, dass dieses Dilemma mit den richtigen Instrumenten durchaus überwindbar ist.

Finanzielle Hürden abbauen

Vor allem Vermieter befürworteten viele Instrumente, insbesondere wenn diese finanzielle Anreize bieten. Angepasste Förderprogramme mit höheren Sätzen und Steuererleichterungen fallen beispielsweise hierunter. Auch einfachere und schnellere Antragsverfahren würden die Hemmschwelle senken, überhaupt Förderprogramme zu beanspruchen. Als ergänzendes Instrument zum Abbau finanzieller Hürden haben die Autoren zudem das so genannte Energiespar-Contracting identifiziert. Dabei setzt ein Energiedienstleister die Effizienzmaßnahmen am Gebäude um.

„Grundsätzlich sollten die Instrumente in erster Linie Vermietende adressieren und für Mietparteien mit möglichst wenig Komplexität verbunden sein“, erläutert Jasmin Paulus, Managerin bei adelphi und Co-Autorin der Studie. „Wir haben festgestellt, dass nur wenige der untersuchten Instrumente von allen befragten Akteuren befürwortet werden. Generell wurde deutlich, dass das Interesse an gebäudebezogenen Energieeffizienzmaßnahmen bei Vermietenden größer ist als auf Seiten der mietenden Händler“, so Paulus.

 

Freiwillige Instrumente reichen nicht aus

Darüber hinaus kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass verbindliche Mindeststandards für Energieeffizienz in Bestandsgebäuden ein sinnvolles Instrument darstellen, um die breite Masse der Eigentümer zur Umsetzung zu bewegen. „Die Immobilienbranche spricht sich zwar gegen verbindliche Mindeststandards aus. Doch wir haben festgestellt, dass zahlreichen Befragten die Erreichung der Klimaschutzziele im Gebäudebereich nur auf Basis von freiwilligen Instrumenten als sehr unwahrscheinlich erscheint“, ergänzt Nadine Nitsche, Consultant bei adelphi und Co-Autorin der Studie. Dies entspreche auch den geplanten Vorgaben auf EU-Ebene, nach denen ab 2027 Mindeststandards im Bestand der Nichtwohngebäude angestrebt werden.

Auch der CO₂-Preis stellt den Autoren zufolge ein wichtiges rechtliches Instrument zur Verwirklichung von Energieeinsparpotenzialen im Einzelhandel dar. Nach mehrheitlicher Einschätzung der Befragten sollte nämlich die Aufteilung des CO₂-Preises zwischen mietender und vermietender Partei idealerweise gestaffelt nach Energieeffizienzklasse des Gebäudes erfolgen. Eine solche Regelung wird für Wohngebäude aktuell durch die Bundesregierung auf den Weg gebracht.

Potenzial in grünen Mietverträgen

Neben solchen verbindlichen rechtlichen Regelungen leiten die Autoren auch eine stärkere Kooperation zwischen Mieter- und Vermieterseite als Empfehlung ab. „Das wäre etwa im Rahmen von grünen Mietverträgen möglich. Dieses Instrument weist großes Potenzial auf, beide Parteien transparent an der Reduzierung des Energieverbrauchs einer Immobilie und ihrer nachhaltigen Nutzung und Bewirtschaftung zu beteiligen“, sagt Paulus. Da dieses Modell in der Praxis noch wenig etabliert ist, erscheint es den Autoren sinnvoll, entsprechende Best Practices zu kommunizieren und den Mehrwert für Mieter wie Vermieter klar herauszuarbeiten. In einem nächsten Schritt werden nun die vielversprechendsten der identifizierten Instrumente im Rahmen eines Pilotprojekts mit Akteuren aus der Praxis weiter konkretisiert.