Diese Webseite verwendet Cookies, um die Bedienfreundlichkeit zu erhöhen.
Künstliche Intelligenz (KI) hat das Potenzial, den globalen Handel in den kommenden 15 Jahren massiv anzukurbeln. Laut dem aktuellen World Trade Report 2025 der Welthandelsorganisation (WTO) könnte der Welthandel bis 2040 um nahezu 40 Prozent wachsen – vorausgesetzt, Regierungen und Unternehmen schaffen die nötigen politischen und technologischen Grundlagen.
Die WTO sieht in KI einen entscheidenden Treiber für sinkende Handelskosten, gesteigerte Produktivität und die rasante Ausbreitung digitaler Dienstleistungen. Schon heute berichten neun von zehn befragten Unternehmen, dass sie durch KI konkrete Vorteile in handelsbezogenen Prozessen erzielen – etwa durch automatisierte Zollabwicklungen, präzisere Marktanalysen und optimierte Lieferketten. Besonders Dienstleistungen, die digital über Grenzen hinweg erbracht werden können, dürften überdurchschnittlich profitieren.
Doch die Chancen sind ungleich verteilt. Während Industrienationen massiv in Rechenzentren, Netze und KI-Strategien investieren, fehlen in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern noch immer grundlegende Voraussetzungen. Laut WTO-Simulationen könnten ärmere Staaten ihre Einkommen um bis zu 15 Prozent steigern, wenn sie digitale Infrastrukturen ausbauen und KI breiter einsetzen. Ohne gezielte Investitionen drohe jedoch eine Verschärfung der globalen Ungleichheiten.
Eine weitere Herausforderung sind zunehmende handelspolitische Beschränkungen. Die Zahl regulierender Maßnahmen für KI-relevante Produkte – etwa Halbleiter, Softwarelösungen oder Cloud-Dienste – ist in den vergangenen zwölf Jahren von 130 auf fast 500 gestiegen. In einigen Niedrigeinkommensländern liegen die Zölle auf solche Produkte bei bis zu 45 Prozent. Damit droht der freie Zugang zu Schlüsseltechnologien blockiert zu werden.
Gleichzeitig verweist die WTO auf die zentrale Rolle des Handels für die Verbreitung von KI-Technologien. Länder mit geringeren Einkommen könnten durch ihre Einbindung in globale Wertschöpfungsketten profitieren – etwa bei Datenannotation oder Softwaretests. Damit dies gelingt, seien flankierende Maßnahmen wie Investitionen in Bildung, Arbeitsmarktreformen und eine engere internationale Zusammenarbeit notwendig.
Bisher tauchen KI-Regelungen in regionalen Handelsabkommen nur vereinzelt auf, meist in Form ethischer Leitlinien. Die WTO sieht sich deshalb in der Pflicht, globale Standards voranzutreiben und Markttransparenz zu fördern. Dabei sollen bestehende Vereinbarungen wie das Übereinkommen über technische Handelshemmnisse (TBT) oder das TRIPS-Abkommen zum Schutz geistigen Eigentums stärker genutzt werden. Der Bericht versteht sich als deutlicher Weckruf: Nur mit offenen Märkten, klaren Regeln und gezielten Investitionen kann KI zu einem Motor für inklusives Wachstum werden. Andernfalls droht, dass die Vorteile einer der bedeutendsten Technologien unserer Zeit bei wenigen Ländern und Unternehmen konzentriert bleiben.
Impressum Datenschutz Cookie-Einstellungen Über uns
HANDELSIMMOBILIEN HEUTE (HIH) ist ein Nachrichten- und Serviceportal für die gesamte Handelsimmobilienbranche in Zusammenarbeit mit renommierten Verbänden und Instituten.