Diese Webseite verwendet Cookies, um die Bedienfreundlichkeit zu erhöhen.
Der deutsche Einzelhandel befindet sich nach Einschätzung zahlreicher Marktexperten in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Die Nachfrage verschiebt sich zunehmend zu den beiden Enden des Marktspektrums. Während Luxus- und Discountformate an Relevanz gewinnen, verliert das mittlere Preissegment spürbar an Boden. Was lange Zeit das stabile Rückgrat des stationären Handels war, droht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.
Der 1. Retailreport der Peter & Betov Retail Analytics GmbH aus Dinslaken beschäftigt sich damit, ob sich diese Entwicklung nicht nur in der Präsenz von Ladenketten oder in Mietentscheidungen widerspiegelt, sondern auch im tatsächlichen Verbraucherinteresse. Mithilfe von Google-Suchdaten für führende Marken der verschiedenen Preiskategorien zwischen 2023 und 2025 analysiert die Studie, wie sich die Aufmerksamkeit in den zehn größten Städten Deutschlands verschiebt. Kombiniert wurden diese digitalen Nachfragesignale des Anbieters Yourban.ai mit sozioökonomischen Indikatoren wie Kaufkraft, Bevölkerungsentwicklung und Einzelhandelszentralität. Das Ergebnis liefert eine neuartige Perspektive auf Konsumtrends und ihre räumlichen Auswirkungen – besonders relevant für Akteure aus Einzelhandel und Gewerbeimmobilien.
Kern des Untersuchungsdesigns ist eine vierstufige Strukturierung des Einzelhandelsangebots, die marktübliche Segmentierungen aufgreift: erstens das Discount-Segment, geprägt durch deutliche Preisorientierung und standardisierte Sortimente. Zweitens der Massenmarkt, der breite Konsumentenschichten mit einem ausgewogenen Verhältnis von Preis und Qualität bedient. Drittens das Premium- oder Designer-Segment, das vor allem durch Markenprofilierung und erhöhte Qualitätsansprüche auffällt. Und viertens das Luxussegment, das Exklusivität, hohe Preise sowie symbolische und statusbezogene Kaufmotive vereint.
Die Ergebnisse zeigen eine klare Tendenz: Zwischen 2023/24 und 2024/25 gewinnen Discount- und Massenmarktmarken in nahezu allen betrachteten Städten an Sichtbarkeit. Gleichzeitig gehen die Suchanfragen nach Luxusmarken bundesweit zurück. Premium- und Designermarken behaupten sich zwar, verzeichnen aber ebenfalls kaum Wachstumsimpulse. Es entsteht ein Bild, das die These einer schrumpfenden Mitte im Einzelhandel deutlich stützt.
Verstärkt wird diese Entwicklung durch die sozioökonomischen Fundamentaldaten: Trotz teilweise steigender Bevölkerungszahlen zeigen viele Städte rückläufige Kaufkraftwerte sowie eine sinkende Einzelhandelszentralität. Diese Diskrepanz zwischen stabiler Demografie und schwächerer wirtschaftlicher Basis erklärt, warum sich das Konsumverhalten stärker zu erschwinglichen Formaten verlagert. Die Studie spricht daher von einer strukturellen Polarisierung des Marktes: Aufstiegsbewegungen bei Discount und Massenmarkt durch modernisierte Markenauftritte und praktische Convenience, Rückgänge im Luxussegment durch selektivere Ausgaben und Marktsättigung – und zunehmender Druck auf das mittlere Segment.
Im Vorwort zur Studie hebt Olaf Ley, CEO Retail Germany bei Eurofund, die Bedeutung dieses analytischen Ansatzes hervor. Die Untersuchung zeige neue Wege auf, Polarisierungen im stationären Handel nicht nur qualitativ zu beschreiben, sondern datenbasiert und systematisch zu erfassen. In einem fragmentierten Marktumfeld sei eine solche Herangehensweise essenziell für strategische Entscheidungen. Betreiber, Entwickler und Investoren stünden vor der Herausforderung, ihre Konzepte klar zu positionieren: Das Mittelmaß werde zunehmend zur Schwachstelle. Erfolgreiche Formate setzten entweder auf funktionale Frequenzanker oder auf emotional aufgeladene Erlebnisräume, während hybride Modelle ohne klare Identität an Attraktivität verlören. Ley betont, dass die Polarisierung nicht allein eine Frage des Mietermixes sei, sondern ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen: veränderte Konsummuster, soziale Spannungen und neue Erwartungen an den stationären Handel. Daher sei es umso wichtiger, diese Dynamiken nicht nur zu beobachten, sondern aktiv zu verstehen und mitzugestalten.
Der Report kann hier heruntergeladen werden.
Peter & Betov Retail Analytics ist ein datengestütztes Beratungsunternehmen, das sich auf die Anwendung von Datenwissenschaft und künstlicher Intelligenz (KI) zur Analyse von Besucherbewegungen, Standortpotenzialen und Zielgruppenverhalten spezialisiert hat. Es bietet Einzelhändlern, Betreibern von Gewerbeplattformen, Eigentümern von Gewerbeimmobilien, Vermögensverwaltungsgesellschaften und Kommunen intelligente, KI-gestützte Standort- und Zielgruppenanalysen, die datenbasierte Entscheidungen und präzise Prognosen ermöglichen. Die Modelle basieren auf empirischen Daten, statistischen Methoden und machine learning – und liefern zuverlässige Handlungsempfehlungen, die über Intuition oder subjektive Einschätzungen hinausgehen.
Impressum Datenschutz Cookie-Einstellungen Über uns
HANDELSIMMOBILIEN HEUTE (HIH) ist ein Nachrichten- und Serviceportal für die gesamte Handelsimmobilienbranche in Zusammenarbeit mit renommierten Verbänden und Instituten.