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08. August 2025

Mehrheit lehnt häufigere Sonntagsöffnungen ab

SMART STORES ALS MÖGLICHER KOMPROMISS
Laut einer aktuellen Umfrage spricht sich eine Mehrheit der Deutschen gegen sonntägliche Ladenöffnungen aus.
Foto: AdobeStock / Gina Sanders

Die Mehrheit der Deutschen möchte weiterhin keine regelmäßigen Ladenöffnungen am Sonntag. Das geht aus einer aktuellen YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hervor. 59 Prozent der Befragten sprachen sich demnach gegen eine generelle Sonntagsöffnung aus, lediglich 34 Prozent befürworteten sie. Für viele bleibt der Sonntag – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne – ein Ruhetag.

Während ein Drittel der Befragten (35 Prozent) überzeugt ist, dass mehr verkaufsoffene Sonntage dem Einzelhandel wirtschaftlich helfen könnten, sehen Experten in Smart Stores einen möglichen Ausweg aus dem Dilemma. Diese vollautomatisierten Minimärkte ermöglichen Einkäufe ohne Kassenpersonal – auch sonntags. „Einerseits besteht ein gesellschaftlicher Konsens, dass wir keine generelle Sonntagsöffnung wollen“, sagt Professor Stephan Rüschen von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Heilbronn. „Andererseits verbessert die Nahversorgung – vor allem im ländlichen Raum – die Lebensqualität vor Ort.“

Positive Erfahrungen in der Praxis

In einer eigenen DHBW-Erhebung gaben mehr als 80, teils über 90 Prozent der befragten Smart-Store-Kundinnen und -Kunden an, dass solche Märkte ihren Alltag erleichtern und den Ort aufwerten. Bequemlichkeit spiele dabei eine größere Rolle als Preis oder Sortiment. Besonders geschätzt werde die Möglichkeit des Sonntagseinkaufs. „Rund 30 Prozent des Umsatzes werden an diesem Tag erzielt“, so Rüschen. Auch der Handelsverband Deutschland (HDE) sieht Chancen: Smart Stores kämen sonntags ohne Personal aus und verletzten damit nicht die Sonn- und Feiertagsruhe. „Das müssen auch Gewerkschaften und Kirchen zur Kenntnis nehmen“, betont HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Zudem werde die Digitalisierung angesichts von Personalmangel und steigenden Lohnnebenkosten immer wichtiger.

Kritik von Kirchen und Gewerkschaften

Das Bündnis „Allianz für den freien Sonntag“ – getragen von kirchlichen Organisationen und der Gewerkschaft Verdi – lehnt Sonntagsöffnungen jedoch strikt ab. Auch automatisierte Märkte bräuchten Personal für das Einräumen von Ware, Reinigung und Überwachung. Zudem drohe eine Wettbewerbsverzerrung zulasten kleinerer, inhabergeführter Betriebe. Rüschen hält diese Einwände für schwach, verweist jedoch auf die rechtliche Lage: Die im Grundgesetz verankerte Sonntagsruhe schütze den Tag der Arbeitsruhe und „seelischen Erhebung“. Änderungen erforderten eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag.

Rasant wachsender Markt

Vier Bundesländer – Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Sachsen-Anhalt und Bayern – haben ihre Ladenöffnungsgesetze bereits angepasst, um 24/7-Öffnungen für vollautomatisierte Verkaufsstellen zu ermöglichen. In anderen Ländern wird die Sonntagsöffnung derzeit oft nur geduldet. Der bayerische Ableger der „Allianz für den freien Sonntag“ hat bereits eine Klage gegen das neue Landesgesetz angekündigt. Trotz dieser juristischen Unsicherheiten wächst der Markt rasant: Seit der Eröffnung des ersten Smart Stores im Juli 2019 im schwäbischen Grafenberg verzeichnete die DHBW Ende Juni 2025 bereits 723 Märkte verschiedener Anbieter – Tendenz steigend. „Momentan gibt es fast täglich eine Neueröffnung“, sagt Rüschen. „Das wird vorerst so bleiben.“

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