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Die deutschen Innenstädte stehen vor einem tiefgreifenden Wandel. Eine aktuelle Analyse von Creditreform und dem Handelsblatt Research Institute zeigt, dass steigende Insolvenzen, der boomende Onlinehandel und strukturelle Veränderungen den stationären Einzelhandel massiv unter Druck setzen.
Zwischen 2010 und 2025 sank die Zahl der Einzelhandelsbetriebe in Deutschland um rund 16 Prozent auf 316.310 Unternehmen. Besonders betroffen sind kleine Geschäfte: Die Zahl der Betriebe mit Jahresumsätzen unter 250.000 Euro ging in diesem Zeitraum von 236.143 auf 170.770 zurück – ein Rückgang von 28 Prozent. Gleichzeitig zeigt sich eine zunehmende Marktkonzentration: Die Zahl der Händler mit Jahresumsätzen von mehr als 25 Millionen Euro hat sich innerhalb von 15 Jahren verdoppelt.
Parallel dazu verlagert sich der Handel immer stärker ins Internet. Besonders deutlich wird dies im Bekleidungsmarkt. Dort stieg der Online-Anteil von 21,4 Prozent im Jahr 2019 auf 28,3 Prozent im Jahr 2024. Für viele stationäre Händler bedeutet diese Entwicklung sinkende Umsätze und weniger Kundenfrequenz in den Innenstädten. Die wirtschaftliche Lage spiegelt sich auch in den Insolvenzzahlen wider. Im Jahr 2025 wurden im deutschen Einzelhandel rund 2440 Insolvenzen registriert – etwa neun Prozent mehr als im Vorjahr. Bereits 2024 war die Zahl der Firmenpleiten um fast 20 Prozent gestiegen. Besonders betroffen waren unter anderem der Buchhandel, der Einzelhandel mit Back- und Süßwaren sowie der Textileinzelhandel, der ein Zehnjahreshoch bei Insolvenzen erreichte.
Mit dem Strukturwandel verändert sich auch die Rolle der Innenstädte. Die klassische Einkaufsfunktion verliert zunehmend an Bedeutung, während Gastronomie, Dienstleistungen und Freizeitangebote wichtiger werden. Viele Kommunen reagieren darauf mit neuen Nutzungskonzepten, einer stärkeren Mischung aus Handel, Wohnen und Freizeit sowie der Umgestaltung öffentlicher Räume. Trotz dieser Entwicklungen bleiben große Herausforderungen bestehen. Leerstände, sinkende Besucherzahlen und der Wegfall großer Ankermieter prägen vielerorts das Bild der Innenstädte. Die Analyse macht deutlich: Der Einzelhandel allein wird künftig nicht mehr ausreichen, um Stadtzentren lebendig zu halten. Erfolgreiche Konzepte setzen stattdessen auf die intelligente Verbindung von Einkauf, Erlebnis und urbanem Leben.
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