HI HEUTE-Exklusivinterview mit Sebastian Schels, geschäftsführender Gesellschafter der RATISBONA Handelsimmobilien Gruppe.

Sebastian Schels, geschäftsführender Gesellschafter der RATISBONA Handelsimmobilien Gruppe

RATISBONA aus Regensburg, das einst gestartet ist, um die Handelsimmobilien für den Discounter Netto zu errichten, hat diesen Unternehmensabschnitt längst hinter sich gelassen und bedient auch die anderen großen Supermarkt- und Discounterketten. Immer häufiger kommt es bei den Planungen und Realisierungen auch zur Kombination „Handel & Wohnen“. HI HEUTE-Chefredakteur Thorsten Müller sprach unter anderem dazu mit Sebastian Schels, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens.  

 

HI HEUTE: Herr Schels, die COVID-19-Pandemie bestimmt seit Wochen unser Leben und unsere Wirtschaft. Wie geht RATISBONA Handelsimmobilien mit der Situation um?

Sebastian Schels: Was wir momentan erleben, ist beispiellos. Auch wenn die Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 in kleinen Schritten gelockert werden, wird unser Alltag noch eine ganz Weile davon bestimmt sein. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass wir trotz Unsicherheit und vieler offener Fragen einen klaren Kopf bewahren und die Herausforderungen, die sich beispielsweise für unsere Branche ergeben, gemeinsam angehen und zu lösen versuchen. Bei RATISBONA Handelsimmobilien setzen wir auch unter den aktuellen Umständen alles daran, unseren Geschäftsbetrieb so effektiv und effizient wie möglich weiterzuführen. Durch unseren Fokus auf den Lebensmitteleinzelhandel sind wir nicht so direkt von der Krise betroffen wie andere Unternehmen oder Branchen. Bislang waren weder laufende Transaktionen noch das Vermietungsgeschäft beeinträchtigt. Auch unsere Projektentwicklungen laufen weiter wie geplant. Aber natürlich haben auch wir einen Notfallplan aktiviert und Prozesse angepasst, um unter den veränderten Rahmenbedingungen weiterarbeiten zu können und zugleich unseren Beitrag zur Eindämmung von COVID-19 zu leisten. Das Wichtigste ist für uns, dass es unseren Mitarbeitern und ihren Familien gut geht. Zu ihrem Schutz arbeiten die meisten von ihnen daher seit Wochen im Home-Office. Und das funktioniert sehr gut. Ich kann hier nur ein ganz großes Lob an unser Team aussprechen.

HI HEUTE: Die Corona-Krise fordert alle Unternehmen. Für RATISBONA Handelsimmobilien war aber bereits das vergangene Jahr kein leichtes…

Sebastian Schels: Das ist richtig. 2019 war für uns ein sehr schwieriges Jahr. Ende Oktober mussten wir viel zu früh und sehr unerwartet Abschied von meinem Vater Rudolf Schels nehmen. Er hat unser Unternehmen vor mehr als 30 Jahren gegründet und wir haben es viele Jahre gemeinsam geleitet. Sein Tod war für mich persönlich, für unsere Familie und für unsere gesamte Belegschaft natürlich ein großer und sehr trauriger Einschnitt. In den Monaten danach mussten wir uns und die Dinge neu sortieren. Mit Johann Delling, der gemeinsam mit mir die Holding künftig führen wird, sind wir nun aber sehr gut aufgestellt. Jetzt geht es darum, wieder für Stetigkeit zu sorgen und sich auf die operativen Themen zu fokussieren, so gut das in der aktuellen Situation eben möglich ist. Ich bin mir aber sicher, dass wir auch die derzeitigen Herausforderungen gemeinsam mit unserem hervorragenden Team meistern werden. Wir blicken positiv in die Zukunft.

HI HEUTE: Rein wirtschaftlich betrachtet konnte RATISBONA Handelsimmobilien das vergangene Jahr erfolgreich abschließen. Welche Themen waren besonders bedeutend und welche wollen Sie in 2020 vorantreiben?

Sebastian Schels: Die wirtschaftlichen Ziele, die wir uns für das vergangene Jahr gesetzt hatten, haben wir trotz der geschilderten Veränderungen erreicht. Für uns zählt aber nicht nur, dass wir kontinuierlich ein hohes Projektvolumen umsetzen. Gemeinsam mit den führenden Lebensmittelhändlern hinterfragen wir auch immer wieder Standards in der Entwicklung von Handelsimmobilien und versuchen, neue Maßstäbe in Hinblick etwa auf Nachhaltigkeit zu setzen. 2019 haben wir in dieser Hinsicht mehrere besondere Projekte realisiert, beispielsweise in der Nähe von Regensburg den ersten Netto-Markt in Holzbauweise. Daran knüpfen wir dieses Jahr an. In Furth im Wald in Bayern bauen wir derzeit bereits ein zweites Projekt in Holzbauweise. Ein weiterer Schwerpunkt in diesem Jahr ist die Digitalisierung speziell in der Bauplanung und -ausführung. Wir setzen unsere BIM-Strategie konsequent fort und planen aktuell ein großes Projekt unter realen Bedingungen mit externen Partnern aus den Bereichen Tragwerksplanung, Technische Gebäudeausstattung und dem General­unternehmer. Kern dieser Arbeit ist dabei ein digitaler Zwilling, ein 5D-Gebäudemodell, in das alle Informationen einfließen und das die Planung von Bauvorhaben künftig sehr viel transparenter und nachhaltiger macht. Bei allen Projekten, die wir realisieren, liegt unser Fokus in Deutschland weiter vor allem auf lebensmittelgeankertem Einzelhandel – nicht nur als alleinstehende Entwicklungen, sondern vor allem in Großstädten zunehmend auch als Bestandteil von Mixed-Use-Konzepten.

HI HEUTE: Sie bauen seit mehr als 30 Jahren Supermärkte. Wie verändert sich der Supermarkt in den nächsten zwei bis drei Jahren?

Sebastian Schels: Die Regale werden flacher, die Gänge breiter und der Tageslichtanteil durch große Glasfronten höher. Weil die neuen Konzepte mehr Platz erfordern, werden auch die Immobilien größer und weitläufiger konzipiert. Gebäudeleittechnik ist ein Thema, in das schon heute sehr große Beträge investiert werden und das weiter an Bedeutung gewinnt. Auch offene Decken werden wir in Supermärkten immer häufiger sehen. Durch entsprechende Deckenkonstruktionen, bei denen die Gebäudetechnik sichtbar ist, entsteht für die Kunden ein anderes, neues Raumgefühl. Meiner Meinung nach sind das sehr positive Entwicklungen.

HI HEUTE: Und welcher Bedeutung kommt der Kombination „Supermarkt mit Wohnen“ künftig zu?

Sebastian Schels: Die Kombination aus Einzelhandel und Wohnen gewinnt aufgrund der allseits bekannten Entwicklungen in den Großstädten und der großen Nachfrage nach Wohnraum weiter an Bedeutung. Wir arbeiten derzeit an einer Reihe solcher Mixed-Use-Projekte unter anderem in Hamburg, Leipzig, Dresden, Berlin und in weiteren Städten in Ballungszentren. Der Vorteil bei solchen Mischnutzungen ist, dass wir dadurch, dass wir Wohnraumfläche schaffen, auch größere Verkaufsflächen für den Einzelhandel im Erdgeschoss erwirken können. Ohne die Wohnraumentwicklung in den Obergeschossen funktioniert das in der Regel nicht.

 

HI HEUTE: Wie viele Projekte haben Sie sich für dieses Jahr insgesamt vorgenommen und wie stellen Sie sicher, dass Sie diese auch umsetzen können?

Sebastian Schels: Im vergangenen Jahr haben wir 49 Mieteinheiten mit einer Gesamtfläche von rund 47.000 qm fertig gestellt. Ein ähnliches Volumen haben wir uns auch in diesem Jahr vorgenommen und wir sind zum jetzigen Zeitpunkt zuversichtlich, dass wir es auch umsetzen können. Derzeit haben wir 14 laufende Baustellen in Deutschland. Wir haben die regelmäßigen Kontrollen intensiviert, um die Einhaltung der notwendigen Sicherheits- und Hygienemaßnahmen sicherzustellen. Dadurch ergibt sich zwar insgesamt ein erhöhter Abstimmungsaufwand. Aber bislang konnten wir den Betrieb auf unseren Baustellen ohne Unterbrechung fortführen. Parallel kaufen wir auch laufend bestehende Lebensmittelmärkte und Fachmarktzentren zur Revitalisierung und Neupositionierung an, um die Projektpipeline für die nächsten Jahre sicherzustellen.

Erstellt von Thorsten Müller