Unternehmer-Legende Ludwig Görtz Talkgast beim Regionaldinner des German Council of Shopping Centers in Hamburg

Sorgten für einen unterhaltsamen Bühnen-Talk beim Regional-Dinner in Hamburg: Ludwig Görtz und Interviewer Dr. Kersten Rosenau in seiner Funktion als GCSC-Regionalbotschafter Norddeutschland. Foto: Anna-Lena Ehlers, Hamburg
Beeindruckte das Auditorium mit seinen Ansichten und Ausführungen: Schuh-König Ludwig Görtz: Foto: Anna-Lena Ehlers, Hamburg
Führte durch die Veranstaltung: Rüdiger Pleus, Vorstandsbeauftragter des German Councils. Foto: Anna-Lena Ehlers, Hamburg

Der Mann steuert auf Mitte 80 zu … und zielstrebig auf seinen Platz auf der Bühne. Rampenlicht, viel Menschen, Mikrofone – das alles kennt er und scheut er heute genauso wenig wie früher, als er das von seinem Urgroßvater gegründete Unternehmen übernahm. Der Hamburger Ludwig Görtz, dessen Name untrennbar mit dem Schuhhandel verbunden ist, kann auf 59 Jahre Erfahrung in diesem Geschäft zurückblicken. Und das tat er auch in der Hanse Lounge, in die der German Council of Shopping Centers (GCSC) zu seinem ersten Regional-Dinner des Jahres geladen hatte.

 

Vor dem geladenen Publikum stellt sich der einst mit dem Titel „Schuhkönig von Hamburg“ bedachte Unternehmer gut gelaunt und schlagfertig den Fragen von GCSC-Regionalbotschafter Dr. Kersten Rosenau. Was unterscheidet die Geschäftswelt von heute von der von gestern und vorgestern? „In den 60er, 70er- und 80er Jahren konnte man als Unternehmer tatsächlich noch etwas unternehmen“, sagt Ludwig Görtz. „Wir konnten Dinge ausprobieren und auch mal Fehler machen. Ging etwas daneben, war das nicht so schlimm. Das wurde durch das allgemeine Wirtschaftswachstum wieder ausgeglichen.“ Heutzutage hingegen wisse man  ja nicht mal mehr, wie das kommende Jahr werde. Dennoch ist der Mann, der im Alter von 26 Jahren bei Görtz einstieg, sicher, dass der Einzelhandel überleben wird, wenn er „auch anders aussehen wird als heute“.

Untergangsgetöse kennt Görtz zur Genüge. Schon vor 35 Jahren gründete er deshalb mit anderen Unternehmern den Trägerverbund Projekt Innenstadt, dessen Vorsitzender er bis heute ist. Zweck des Vereins: Die Förderung der Attraktivität der Hamburger City. Geht es um Neugestaltung und Umbau von Innenstadt und Hafencity, mischt der rüstige Senior immer noch mit und spart auch nicht mit Kritik an den politisch Verantwortlichen: „Es dauert alles viel zu lange! Die Politiker-Perspektive reicht immer nur für eine Wahlperiode. Wenn wir auf Politiker warten würden, wäre in der Stadt nichts so, wie es heute ist.“

 

Vom Bau des 80.000 qm großen Shopping Centers im Überseequartier hält Görtz erwartungsgemäß genauso wenig wie vom öden Hamburger Rathausplatz, den er am liebsten mit längst vergessenen, aber immer noch vorhandenen, Denkmälern schmücken möchte: Kaiser Wilhelm etwa, „der Erste“, versteht sich und allegorische Figuren „mit aktuellem Bezug“. Denn ein Gestriger ist Görtz keineswegs. Unter seiner Führung avancierte die Firma schon Mitte der 70er Jahre durch den Einsatz von IBM-Rechenmaschinen zu den Pionieren des Computerzeitalters. Wen wundert es da, dass er auch beim Thema „Online-Handel“ voll auf der Höhe der Zeit ist: „Der Anteil am Online-Handel liegt bei uns bei zwölf Prozent“, weiß der Mann, der immer noch morgens um sieben Uhr der Erste im Laden ist. Und das, obwohl er das operative Geschäft längst aufgegeben hat. Retouren sind für ihn ein „Ärgernis“, aber nicht zu ändern. Görtz verschickt die Ware kostenlos; die Retouren kosten den Kunden ebenfalls nichts. „Und trotzdem rechnet es sich“, so Görtz. „Mit weniger Retouren wäre es natürlich besser.“