Branchentreffen in Soest rund um Trends und Entwicklungen

Rund 200 Branchenfachleute trafen sich in Soest zum Retailer Meeting 2018. Foto: Heuer Dialog GmbH / kplus konzept studios
Spannende Fachvorträge bildeten die Grundlage für angeregte Diskussionen. Foto: Heuer Dialog GmbH / kplus konzept studios
Zwischendurch war Zeit zum Networking. Foto: Heuer Dialog GmbH / kplus konzept studios

Die Zukunft gehört jenen Händlern, die on- wie offline alle Chancen nutzen und sich rechtzeitig an Konsumtrends anpassen: These beim achten Retailer-Meeting in Soest. Fachreferenten beleuchteten das vielschichtige Thema in der alten Hansestadt am Hellweg von allen Seiten.

Rund 200 Gäste kamen auf Einladung von Heuer Dialog und der dfv conference Group in Kooperation mit Hillemeyer Immobilien ins Hochsauerland, um Chancen auszuloten. Expansionsorientierte Händler und Handelsketten trafen in der Stadthalle Soest auf Immobilienentwickler, Stadtplaner und kommunale Repräsentanten.

Wie gesellschaftliche Trends die Retail- und Immobilien-Branche beeinflussen, erläuterte Sebastian Müller, Head of Retail & Real Estate beim Marktforschungsinstitut GfK. Er benannte Shop-to-Shop-Konzepte als vorteilhaft für hybride Kunden. Food Culture sei ein Megatrend, der den Handel belebe. „Positionierung und Differenzierung zugleich, der Handel ist gefordert, pro-aktiv zu denken und Neues auszuprobieren“, forderte Müller in seinem Vortrag.

Nahversorgung auf dem Vormarsch

Manual Jahn, Head of Business bei Habona Invest, machte die wohnortnahe Versorgung als „Revolution im Einzelhandel“ aus. „Wir erleben eine nie dagewesene Umsatzverschiebung von Nonfood zu Food“, lautet eine Erkenntnis aus dem Habona-Report 2018. Während Ketten wie H&M Filialen schließen und Shopping-Center Umsatzeinbußen zu beklagen haben, freuen sich Food-Formate wie Rewe und Edeka über Rekordumsätze. Auf Nahversorgung entfalle 50 bis 60 Prozent der Kaufkraft und zwei bis drei Prozent Wachstum pro Jahr, so Manuel Jahn. Nahversorger seien Teil der Daseinsvorsorge sowie Treff- und Mittelpunkte von Nachbarschaften. In diesem Segment gäbe es zudem kaum Abflüsse in den Onlinehandel. Als Trends und Treiber benannte er Connectivity, explizit das Smartphone, Foodtrends wie Proteine oder Veggie sowie Bedientheken.

 

Future City Langenfeld

Am Beispiel der „Future City“ Langenfeld zeigten Frank Rehme und Jan Christoph Zimmermann auf, wie sich Innenstädte gut aufstellen können. Um der Abwärtsspirale von sinkender Attraktivität, Vernichtung von Immobilienwerten, ausbleibender Investoren und sich reduzierender Bevölkerung zu entgehen, hat die „Heimat der Innovationen“ einen gesunden Mix von Handel und Dienstleistung, Gastronomie, Wohnen sowie Kultur und Sport entwickelt. Zu den ersten Projekten zählen Sichtbarkeit im digitalen Raum sowie Lösungen bei Öffnungszeiten und Parken. So fahren Kunden mittels Stadtschlüsseln ohne Knopfdruck und bargeldlos ins Parkhaus, sammeln bei Geschäften Punkte und genießen weitere Vergünstigungen. Das System fördert die Kundenbindung und rekrutiert gleichzeitig Daten.

Neue Generation Lidl-Märkte

Wie sich eine Handelskette vom Point of Sale zum Point of Experience entwickeln kann, erläuterte Stephan Zwierzynski, Bereichsleiter Immobilien bei Lidl. Die neue Filialgeneration setzt auf attraktive Architektur, städtebauliche Aufwertung, nachhaltige Gebäudetechnik und Tageslicht durch große Glasflächen. Hohe Räume vermitteln Markthallencharakter, breite Gänge Großzügigkeit, und angenehme Regalhöhen erleichtern den Einkauf. Maßgeschneiderte Konzepte, so wie in einem denkmalgeschützten Objekt wie in Bad Ems, oder mit einer Kita auf dem Dach wie in Stuttgart-Nord, etablieren Lidl-Filialen als Lebensmittelpunkte.

Die Firma dennree möchte in den nächsten zehn Jahren 600 weitere Märkte eröffnen. Thomas Hennig, Leiter des Expansionsinnendienstes des Biomarktunternehmens, warb dafür, dass das Unternehmen einen Mehrwert für den Standort schaffe. Die Kundenklientel sei  gut gebildet, weiblich und verfüge über ein hohes Einkommen.

Mut machte Ralf-Peter Koschny von der bulwiengesa AG im Rahmen der Projektentwicklerstudie Handel in Deutschland, frei nach dem Motto „Totgesagte leben länger“. Nach einem Tiefpunkt im Jahr 2017 sei fürs laufende und das kommende Jahr wieder steigendes Projektvolumen in der Pipeline. Shopping-Center könnten verloren gegangene Anteile teilweise zurückgewinnen.