11. Münchner Handelsimmobilientag fand erstmals rein digital statt

Multi Use-Immobilien und gemischt genutzte Quartiere (wie hier das Projekt Freiham) bildeten einen großen Diskussionsschwerpunkt beim 11. Münchner Handelsimmobilientag.

Der stationäre Handel bleibt das Gesicht der Stadt. Zumindest, wenn es nach Ansicht von Wolfgang Puff vom Handelsverband Bayern geht. Beim 11. erstmals rein digital abgelaufenen Münchner Handelsimmobilientag, veranstaltet vom Hochschulbund Nürtingen-Geislingen mit traditionell organisatorischer und inhaltlicher Unterstützung der BBE Handelsforschung, ging es um die Zukunft der Innenstädte und primär um die Renaissance von Multi-Use-Immobilien.

 

 

Übereinstimmend äußerten sich die Referenten dahingehend, dass mehrgeschossiger Handel gewaltige Probleme bekommen wird, bzw. schon hat, was man vor allem bei den Warenhäusern und diversen Shopping Centern aktuell festmachen kann. Die Erdgeschosse hingegen werden auch weiterhin zu einem Großteil den attraktiven Einzelhandelsanbietern vorbehalten bleiben. Allerdings werden sie schwerpunktmäßig von Gastronomie, Dienstleistern, aber auch zunehmend kulturellen Angeboten flankiert werden.  

In den Etagen darüber wird es wohl zukünftig neue Nutzungen geben. Büros, Wohnen, Arztpraxen, Hotel und diverse Freizeitangebote, wie z.B. Fitnessstudios, bringen Arbeits- Wohn- und Freizeitwelt in zum Beispiel umstrukturierten ehemaligen Einkaufszentren noch näher zusammen.

Wenn’s nach den Mietern geht, sind besonders Büros als direktes Umfeld von Retail gefragt. Am wenigsten (aber auch noch) in Relation dazu Arztpraxen, wie es die jüngste Ausgabe von „Der Mieter im Fokus“, der jährlich erscheinenden Studie von ILG und HBB (unterstützt von BBE und dem German Council of Shopping Places) darstellt und Referent Florian Lauerbach angab. Investoren hingegen sehen es anders, wie Stephan Wollersheim (Hahn Gruppe) deutlich machte. Genau jene Arztpraxen werden von ihnen besonders als unmittelbare Nachbarn von Einzelhandel in den Mixed-Use-Immobilien geschätzt.

„Die Innenstadt steht künftig nicht mehr nur für Shopping-Vergnügen. Hier werden die Grundbedürfnisse der Menschen vereint,“ wie es Iris Schöberl (BMO Real Estate) in ihrem Vortrag formulierte. Im besten Fall mutiert sie von der reinen Einkaufs- zur Erlebnisstadt. Corona, grundsätzlich veränderte Kundenbedürfnisse und eine neue Erwartungshaltung an Verkehr und Mobilität lassen das bisher gewohnte Bild einer Innenstadt in weite Ferne rücken.

 

Die fachliche Leitung der Veranstaltung hatte diesmal neben Joachim Stumpf und Markus Wotruba von BBE erstmals Prof. Dr. Dieter Rebitzer, Studiendekan der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, übernommen. Das Programm war umfangreich wie in früheren Jahren. Unter dem Obertitel „Die Zukunft ist Mixed-use!“ wurde mit zahlreichen Experten über neue Immobilienkonzepte im urbanen Raum diskutiert. Zudem wurde, wie gerade schon beschrieben, ein Blick in die Zukunft der Innenstadt geworfen, die nicht zuletzt aufgrund der Covid-19-Pandemie stark unter Druck steht. Wie man es aus früheren Veranstaltungen gewohnt war, wurden die Gespräche in mehreren Themenblöcken weiter konkretisiert: So gab es einen Trend-Block mit den wichtigsten Neuerungen am Retail-Markt, einen Block zu „Recht und Transaktionen“, einen „Digitalblock“ und natürlich über die zukünftige Entwicklung in den Fußgängerzonen größerer und kleinerer Städte.

Erstellt von Thorsten Müller