Viel diskutierte Ecostra-Studie eines von vielen spannenden Themen bei der BIIS-Retail-Konferenz in Frankfurt

Wieder einmal gut besucht war die BIIS-Retail-Konferenz in Frankfurt. Foto: HI HEUTE

Der Bundesverband der Immobilien-Investment-Sachverständigen (BIIS) lud zu seiner traditionellen Retail Real Estate-Konferenz ins Frankfurter Maritim-Hotel ein. Knapp 200 Teilnehmer verfolgten den hochspannenden Branchentreff, bei dem neben Digitalisierungsfolgen und immer wieder neuen Kundenbedürfnissen auch der zuletzt mehrfach kritisierte Shopping Center Performance Report von Ecostra eines der Themen war. 

 

Schon im Titel seines Vortrags wurde deutlich, was eigentlich Sache ist beim sogenannten „Shopping Center-Performance-Report“. Der lautete „Shoppingcenter aus Händlersicht“. Ecostra-Chef Dr. Joachim Will machte nach einigen Zwischenkommentaren aus dem Publikum deutlich, dass die Ergebnisse das Feedback von Händlern bzw. Center-Mietern widerspiegeln und der Name „Shopping Center-Performance Report“ ein bisschen dem Verkaufsmarketing geschuldet ist. 

Kritisiert wurde in den letzten Jahren vor allem immer wieder die zu schwache Aussagekraft der Untersuchung, weil nur ein relativ geringer Händler/Mieter-Kreis aus den jeweiligen Centern an der Befragung mitmacht – auch weil viele gar nicht teilnahmeberechtigt waren bzw. sind. So käme es zu falschen Eindrücken bei Eigentümern, Investoren und anderen Branchenakteuren, weil die eigentliche „Performance“ nicht ausreichend berücksichtigt wird. Dies wurde zwar von Dr. Joachim Will massiv bestritten, indem er meinte, dass die, welche in seiner Liste oben und unten stehen auch da wirklich hingehören, aber ein Betroffener im Publikum machte ihm deutlich, dass es in seinem Center-Fall überhaupt nicht zutreffen würde und belegte dies mit eindrucksvollen Zahlen.

Weniger um den Mieter, sondern mehr um den Kunden ging es in einer späteren Podiumsdiskussion unter dem Titel „Konzept Shoppingcenter in der Kritik – was ist dran?“ Hier diskutierten Klaus Striebich (RaRE, ehemals ECE-Vermietungschef und Vorsitzender des GCSC), Olaf Ley (Unibail-Rodamco-Westfield), Ingo Wilz (DEKA) und Manuel Jahn (Habona, ehemals GfK) vor allem über die neuen Kundenwünsche und -bedürfnisse. Striebich: „Der Kunde ist nicht mehr nur König, er hat sich zum Diktator entwickelt!“ Und in seinem vorangegangenen Vortrag ergänzt er: „Es gibt Pendler zwischen Luxus und Askese“. 

 

Die Diskutanten stellten übereinstimmend fest, dass sich viele Shoppingcenter zukünftig mit anderen Nutzungen neben dem Einzelhandel beschäftigen müssen. Eine Kombination mit Wohnen, mit Büros oder Logistik oder mit allem zusammen soll die drohende Leerstandgefahr in den Retailbereichen reduzieren und die Mieteinnahmen sowie dadurch auch die Renditen sichern. Zwar gebe es mit Fachmarktzentren und modernen Lebensmittel-Märkten inzwischen reichlich Konkurrenz im Kampf um die Investorengunst, doch liefern Shopping Center in guter Lage, mit richtigem Zuschnitt und attraktivem Warenmix Eigentümern und Kaufinteressierten immer noch hervorragende Argumente.

Außerdem ging es bei der Konferenz unter anderem noch um neue Ansätze im Zeichen des Omni-Channel-Retailings (Ralf-Peter Koschny, bulwiengesa), die Mietenentwicklung in der High Street (Jürgen Kreutz, Comfort), aktuelle Expansionskonzepte bei Verbrauchermärkten (Stefan Kimmel, ALDI-Süd) und welche Nahversorger als neues Core taugen bzw. welche nicht (Manuel Jahn, Habona Invest). 

Alles in allem eine gelungene Veranstaltung, die natürlich auch im kommenden Jahr eine Fortsetzung finden wird.  

Erstellt von Thorsten Müller