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Innenstädte verändern sich selten abrupt. Meist geschieht der Wandel schleichend und über Jahre hinweg. Bevor Geschäfte schließen und Leerstände sichtbar werden, haben sich die Bewegungsmuster der Menschen bereits verändert. Genau in diesem frühen Stadium entfalten Passantendaten ihre größte Wirkung. Sie sind nicht nur ein rückblickender Bericht, sondern ein Indikator für urbane Vitalität – besonders, wenn sie über einen längeren Zeitraum betrachtet werden.
„Entgegen allen Unkenrufen zeigt sich die deutsche Innenstadt durchschnittlich weiterhin sehr lebendig – in den gemessenen Städten blieb die Passantenfrequenz seit 2023 im Jahresvergleich bei plus / minus zwei Prozent. Damit das auch so bleibt, sollten Städte ihre Zahlen im Auge behalten und, wenn notwendig, Maßnahmen ergreifen“, erläutert Julian Aengenvoort, Geschäftsführer der hystreet.com GmbH.
Menschen kommen, gehen, bleiben stehen, drehen um und entdecken eine Stadt. Diese Dynamik ist Ausdruck davon, ob ein Stadtraum funktioniert. Während Umsatzstatistiken, Mietpreise oder Passantenbefragungen oft zeitverzögert reagieren, zeigt die Fußgängerfrequenz nahezu in Echtzeit, wie stark ein Ort genutzt wird. Moderne Passantenzählungen auf Basis von Lasersensoren erfassen diese Veränderungen präzise und anonym. Sie machen Entwicklungen sichtbar, die sich im Alltag kaum erkennen lassen: Verschiebungen in Tagesmustern, veränderte Bewegungsrichtungen oder das Ausweichen auf Alternativrouten. „Wer diese Signale früh erkennt, gewinnt Zeit, um auf Veränderungen zu reagieren, bevor strukturelle Probleme entstehen“, fasst Aengenvoort zusammen.
Veränderungen in Frequenzmustern treten oft Monate oder Jahre vor klassischen Indikatoren wie Umsatzrückgängen auf. Diese Erkenntnisse können in das Leerstands- und Ansiedlungsmanagement einfließen. Flächen mit sinkender Attraktivität lassen sich so früh identifizieren, und mögliche neue Nutzungen können rechtzeitig geprüft werden. Ein Beispiel sind Städte, die sich unter der Plattform LeAn Leerstand und Ansiedlung zusammengeschlossen haben, um gemeinsame Strategien für den Umgang mit Leerstand und Ansiedlungen zu entwickeln.
In Kombination mit digitalen Zwillingen lassen sich Passantendaten weiter auswerten. „Bewegungsmuster können nicht nur rückblickend analysiert, sondern auch in simulierte Stadträume übertragen werden. So lässt sich abschätzen, wie sich geplante Maßnahmen auf Frequenzen und Bewegungsrichtungen auswirken könnten“, erklärt der Experte. Das kann helfen, Entwicklungen zu verstehen, bevor sie eintreten. Digitale Zwillinge ermöglichen beispielsweise Fragen wie: Was passiert mit den Bewegungsströmen, wenn eine Straße umgestaltet wird? Welche Effekte hat eine neue Nutzung im Erdgeschoss? Wie verändern Baustellen oder Verkehrsberuhigungen langfristig die Wegeführung?
Wer Fußgängerfrequenzen als Hinweis auf zukünftige Entwicklungen betrachtet, verändert den Blick auf Innenstadtentwicklung. Sie verbinden kurzfristige Beobachtung mit einer langfristigen Perspektive und helfen, Innenstädte als dynamische Systeme zu verstehen. Die Fußgängerfrequenz ist damit nicht nur eine Kennzahl für Handel oder Stadtmarketing, sondern ein möglicher Indikator für Entwicklungen in der Innenstadt. „Die Zukunft der Innenstadt hängt auch davon ab, wie gut wir ihre Bewegungsmuster verstehen und in Planungsprozesse einbeziehen“, so Aengenvoort.
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