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Die Berliner Friedrichstraße erlebt zwei Jahre nach der Wiederöffnung für den Autoverkehr eine spürbare Erholung. Darauf weist Chiara Aengevelt, geschäftsführende Gesellschafterin von Aengevelt Immobilien, in einer aktuellen Einschätzung hin. Laut ihr zeigen sowohl Passantenfrequenzen als auch Vermietungssituation und Branchenmix eine klare Trendwende.
„Die Friedrichstraße erreichte im Oktober an den Werktagen wieder Frequenzen von rund 17.000 Passanten pro Tag“, erklärt Chiara Aengevelt. „Als sie autofrei war, lagen die durchschnittlichen Tageswerte unter 10.000.“ Eine Umfrage unter Einzelhändlern habe zudem ergeben, dass 74 Prozent negative Auswirkungen durch die Sperrung registrierten, während lediglich vier Prozent die Maßnahme positiv bewertet hätten. Auch die Berliner Bevölkerung sei mehrheitlich kritisch gewesen: „Von der gesamten Berliner Bürgerschaft befürworteten in einer repräsentativen Befragung nur 37 Prozent die Sperrung, während sie von einer Mehrheit abgelehnt wurde.“
Heute zeige sich ein anderes Bild. „Zwei Jahre nach Beendigung der Sperrung hat sich die Friedrichstraße sichtbar erholt und belebt“, so Aengevelt. Besonders deutlich sei die Zunahme von gastronomischen Konzepten: „Wir beobachten nicht nur Neuanmietungen, sondern vor allem auch einen deutlichen Wandel hin zur Systemgastronomie.“ Auch beim Leerstand gebe es einen klaren Fortschritt. „Hinsichtlich der Leerstandsentwicklung ist eine Trendwende erfolgt: Der Leerstand steigt nicht mehr, sondern reduzierte sich in zwei Jahren um rund 16 Prozent der Einheiten auf nunmehr rund zehn Prozent.“
Ein wesentlicher Impuls sei zudem die geplante Umwandlung der Galeries Lafayette in das Mixed-Use-Projekt „Lumina“. „Das stellt eine absolute Premiumentwicklung in der Stadt dar, die zur weiteren Aufwertung der Friedrichstraße beitragen wird“, betont Aengevelt. Positive Effekte seien ebenso von der Fertigstellung des Gendarmenmarkts zu erwarten. Allerdings blieben einige Punkte ungeklärt: „Die Vermietungssituation im Q206 ist weiterhin unklar und auch die Zukunft des Russischen Hauses ungewiss.“
Insgesamt zieht Aengevelt ein klares Fazit: „In Summe ist der Aufwärtstrend der Friedrichstraße seit der Wiedereröffnung für den Autoverkehr eindeutig. Das Experiment der Sperrung ist gescheitert. Von reiner Ideologie getriebene Maßnahmen haben negative Auswirkungen gehabt, weil sie an dieser Stelle keinen Sinn ergeben.“ Aus immobilienwirtschaftlicher Sicht sei das nachvollziehbar. „Die zentrale Frage lautet: Was bringt Menschen wirklich in eine Einkaufsstraße? Es sind Ankerpunkte, ein standortbezogener relevanter Nutzungsmix, gute Erreichbarkeit, Parkmöglichkeiten und echte Aufenthaltsqualität.“
Mit Blick auf das vom Senat am 17. November vorgestellte neue Konzept (wir berichteten) – unter anderem breitere Gehwege, zusätzliche Bäume und der Wegfall von Stellplätzen – mahnt sie jedoch zur Vorsicht. „Ob das zu einer weiteren positiven Entwicklung führen wird, bleibt abzuwarten.“ Entscheidend sei nun der Umgang mit den Betroffenen: „Wichtig wird sein, Anwohner und Gewerbetreibende wie angekündigt aktiv in die Transformation der Friedrichstraße einzubinden und ihre Anforderungen und Bedürfnisse auch wirklich zu berücksichtigen“, so Aengevelt. „Denn nur so kann man erneute Fehlentwicklungen vermeiden.“
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