Exklusiver Gastbeitrag für HI HEUTE von Christina Hoffmann, Managing Director, Head of Asset Services Germany, CBRE

Christina Hoffmann, Managing Director und Head of Asset Services Germany bei CBRE. Foto: CBRE

In Zeiten von Amazon, Zalando und Co. ist das Einkaufen viel bequemer geworden – aber auch viel weniger regional. Die Lieferketten sind globaler, der Webauftritt ist vereinheitlicht und die meisten Waren werden meist aus einem Zentrallager heraus angeliefert. Für Shopping-Center wiederum kann eine Profilschärfung im Hinblick auf das Thema Regionalität viel Potenzial schaffen. „New Local“ heißt der Trend, den immer mehr Konsumenten für sich entdecken – diese wünschen sich mehr Einkaufsmöglichkeiten in der direkten Nachbarschaft. Denn immer mehr Kunden achten auch im Sinne der ökologischen Nachhaltigkeit gezielt auf regionale Produkte, die nicht nach mehreren tausend Kilometern Wegstrecke ins Regal gelangen. Aber auch regionale Anbieter beziehungsweise Marken stellen für viele Kunden einen Pluspunkt dar.

 

Lebendige Quartiere anstatt eindimensionaler Einkaufshallen

In den vergangenen Jahren sind Shopping-Center vielfach auf der grünen Wiese entstanden. Die monofunktionalen Einkaufshallen waren abends leergefegt, denn mit Ladenschluss haben auch die letzten Kunden die Flächen verlassen. Dieses Konzept von Shopping-Centern, die damals noch abseits der urbanen Zentren gebaut wurden, hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. 

Der heutige Charakter von Shopping-Places versucht erneut in Richtung Stadtteilzentrum zu gehen. Denn in Anlehnung an die Idee des Marktplatzes können die heutigen Einzelhandelsflächen viel mehr sein als ein Ort zum Einkaufen und Essen. Das Stichwort dabei heißt Nutzungsmischung: Genau wie im urbanen Quartier können die heutigen Shopping-Center neben dem üblichen Einkaufs- und Gastronomieangebot auch Theater, Ärzte, Büchereien oder andere Bildungs- und Gesundheitsangebote beherbergen. Abgerundet wird das Angebot durch regelmäßig wechselnde Pop-up-Stores mit den eingangs erwähnten Produkten aus der Region. Manche Konzepte setzen sogar darauf, Wohnungen mit Einzelhandelsflächen zu verknüpfen. All das sind wichtige Stellschrauben, wenn es um das regionale Profil eines zukünftigen urbanen Market Places geht.

Doch nicht nur die neue Nutzungsmischung, sondern auch neue Flächenkonzepte mit Fokus auf mehr Aufenthaltsqualität können regional geprägte Shopping-Center konkurrenzfähiger machen. Dabei reagieren moderne Einzelhandelskonzepte zudem auf die jeweiligen Nachbarschaften. In Vierteln mit höherem Altersdurchschnitt gilt es, Angebote und Flächenkonzepte zugeschnitten auf die Bedürfnisse der älteren Zielgruppen zu gestalten. Über Wickeltische in den Sanitäranlagen freuen sich wiederum Jungfamilien aus kinderreichen Nachbarschaften. 

Moderne Flächenkonzepte ermöglichen es zudem, stärker nach außen hin zu wirken und die direkte Umgebung des Centers als Aufenthaltsraum zu gewinnen. In den Sommermonaten können beispielsweise die Außen- und Grünflächen genutzt werden, weshalb sich das Center letztlich organischer in seine Nachbarschaft einfügt. So kann es auch gelingen, die Natur vermehrt in das Einkaufserlebnis einzubinden – oder anders gesagt: Kunden sehnen sich nach grünen Oasen, in denen sie gleichzeitig kostenlos über WLAN online gehen können.

Regionalität kann von einer Online-Präsenz profitieren

In einem Punkt wird der stationäre Handel dem Online-Handel auch zukünftig deutlich voraus bleiben: die persönliche Beratung vor Ort. Damit Shopping-Center von diesem Bonus profitieren können, ist es entscheidend, dass unterschiedliche Zielgruppen, Jugendliche wie Erwachsene, durch Omni-Channel-Angebote sowohl auf Händler als auch auf deren aktuelle Angebote aufmerksam werden. Auf diese Weise lassen sich die „Online-Welt“ und der regionale Charakter eines Einzelhandelsstandortes miteinander verzahnen. Oft wird dies von den Händlern auch aktiv gefördert, indem die Produktpalette, die am jeweiligen Standort online bestellt werden kann, auf die Wünsche der Zielgruppe abgestimmt wird. Hierzu kann er inzwischen von KI-Technologien wichtige Orientierungshilfen erhalten: Mit Hilfe von Handydaten lassen sich beispielsweise Aufenthaltsdauer und Produktinteresse tracken.

 

Wagt man den Blick in die Zukunft, könnten heutige Shopping-Center in einer autofreien Stadt die sozialen Zentren unserer urbanen Quartiere sein. Sie können uns als Marktplatz, als Treffpunkt für Jung und Alt dienen und Nutzungen wie Wohnen, Arbeiten, Bildung, Gesundheit und Versorgung zusammenführen. So können Shopping-Center nicht nur unser Einkaufserlebnis regionaler und nachhaltiger gestalten, sondern tragen einen großen Teil dazu bei, dass unsere Nachbarschaften schrittweise zu urbanen und lebendigen Quartieren werden.

Erstellt von Christina Hoffmann (CBRE)