Frequenzentwicklung, Vermietung, neue Angebote: Joanna Fisher antwortet stellvertretend für alle ECE-Einkaufszentren

Joanna Fisher, Geschäftsführerin Center Management der ECE, Hamburg. Foto: ECE

Die Redaktion von HI HEUTE hat unlängst eine große Umfrage in den deutschen Einkaufszentren gestartet. Im 14-Tage-Rhythmus möchten wir Ihnen dazu Zwischenergebnisse präsentieren – und das bis ins Frühjahr 2022. Die ECE als das Unternehmen, das die meisten deutschen Center managt, hat uns eine zentrale Einschätzung zukommen lassen, die differenziert auf die einzeln von uns gestellten Fragen eingeht. Lesen Sie die Aussagen von Joanna Fisher, verantwortliche ECE-Geschäftsführerin für den Bereich Centermanagement.

 

Auswirkungen von Corona: Wie hat sich Corona auf Ihr Center ausgewirkt, welche Bereiche wird es wohl langfristig beeinträchtigen?

Joanna Fisher: Die lang anhaltenden Lockdowns hatten zwischenzeitlich starke Auswirkungen auf die Center, die Besucherfrequenzen und die Umsätze sind während der Lockdown-Phasen deutlich zurückgegangen, die Händler haben unter den Schließungen stark gelitten. Finanziell ist die Situation aufgrund der langen Schließungszeiten und Beschränkungen für alle Beteiligten weiterhin herausfordernd.

Insgesamt sind die von uns betriebenen Center aber relativ gut durch die Pandemie gekommen, auch weil wir die von den Schließungen betroffenen Händler gemeinsam mit den Eigentümern der Center nach Kräften unterstützt und Entlastung bei den Mieten und Nebenkosten angeboten haben.

Wir blicken jetzt mit Zuversicht nach vorne, denn die Kundinnen und Kunden sind nach der Wiedereröffnung wieder zügig zurück in die Center gekommen, sie haben Lust auf Shopping und Freizeit im stationären Handel, die Frequenzen und Umsätze sind in den Sommermonaten bereits deutlich gestiegen.

Die langfristigen Auswirkungen auf bestimmte Branchen und Bereiche sind derzeit noch schwierig abzuschätzen, aber es lässt sich bereits feststellen, dass bestimmte Branchen durch die Pandemie gestärkt wurden – etwa Fahrrad- und Möbelhändler, aber auch Konzepte aus dem Freizeit- und Entertainment- oder dem Gesundheitsbereich. Wir rechnen daher damit, dass diese Branchen zukünftig deutlich stärker in unseren Centern vertreten sein werden und kümmern uns aktiv darum. Beeinträchtigt, auch auf lange Sicht, sind dagegen nicht ganze Branchen, sondern eher solche Händler, die schon vor der Pandemie Probleme hatten, etwa durch veraltete Sortimente oder überholte Konzepte – oder durch die Nachfolgeprobleme bei inhabergeführten Geschäften.

Vermietungssituation / Leerstände: Haben Sie noch Corona bedingte Leerstände? Falls ja, wie viel? Womit rechnen Sie für das laufende Jahr: mit noch mehr Leerständen oder mit einem Abbau?

Joanna Fisher: Es gibt in den Centern meist nur einzelne coronabedingte Leerstände. Die Vermietungsquote für unser Center-Portfolio liegt bei über 96 Prozent. Die zwischenzeitlichen Leerstände aufgrund von Insolvenzen oder auslaufenden Mietverträgen konnten wir in vielen Fällen schon wieder nachvermieten und wir sind zuversichtlich, auch die weiteren Flächen in den nächsten Monaten wieder gut vermieten zu können.

Die Vermietungsaktivitäten haben nach dem Ende des Lockdowns bereits wieder merklich an Fahrt aufgenommen. Sicherlich müssen wir damit rechnen, dass es in den nächsten Monaten noch die eine oder andere freie Fläche hinzukommt, aber auch da werden wir zügig in die Nachvermietung gehen.

In einigen Fällen sind die turnusgemäßen Umstrukturierungen von Centern, in denen üblicherweise viele Wechsel, Neuvermietungen und Vertragsverlängerungen stattfinden, genau in die Pandemiephase gefallen. In diesen Fällen nimmt die Vermietung im aktuellen Umfeld vielleicht etwas mehr Zeit in Anspruch als üblich, aber auch da sind wir in den Centern auf einem guten Weg.

Neue Angebote und Konzepte: Planen Sie, neben den bekannten Anbietern, Händlern und Dienstleistern künftig auch völlig neue Angebote in Ihr Center zu holen? Wenn ja, welche?

Joanan Fisher: Wir entwickeln den Mietermix in unseren Centern bereits seit Jahren konsequent weiter und ergänzen ihn um neue Angebote und Formate. Diese Diversifikation werden wir auch in Zukunft fortsetzen und weiter intensivieren. Das können stationäre Läden von erfolgreichen Konzepten sein, die ursprünglich nur online unterwegs waren. So hat zum Beispiel der Brillenanbieter Mister Spex kräftig in unseren Centern expandiert. Es gibt aber auch komplett neuartige Angebote, die wir testen. So hat kürzlich erstmal ein E-Sports-Anbieter in einem unserer Center, dem Limbecker Platz in Essen, eröffnet. Und es stehen weitere Premieren bevor: Manufactum eröffnet bei uns erstmals einen Shop in einem unserer Center und im kommenden Jahr starten mit Mercato Metropolitano und Mattel zwei Konzepte aus dem Gastronomie- und Entertainment-Bereich in den neu positionierten Potsdamer Platz Arkaden.

Darüber hinaus sind je nach Standort auch andere ergänzende Nutzungen an den Center-Standorten denkbar, etwa Hotels, wie sie auf dem Parkdeck des Berliner Ring-Centers oder in einem Bereich der Kö Galerie realisiert wurden, oder Wohnungen im direkten Umfeld der Center, wie wir sie am Stern-Center Potsdam planen.

Aktuelle Frequenzentwicklung: Wie entwickeln sich Ihre Frequenzen?

Joanna Fisher: Die Kunden sind nach dem Lockdown zügig wieder zurück in unser Center zurückgekommen. Die Frequenzen haben sich daher in den letzten Monaten bereits deutlich erholt und liegen inzwischen schon wieder auf oder teils sogar über dem Niveau des Vorjahres. Im Vergleich zum Normalniveau liegen sie im Schnitt noch etwa 15 Prozent niedriger.

Das unterscheidet sich aber je nach Standort und Art des Centers: Gerade etablierte Stadtteil-Center mit einem Nahversorgungsanteil liegen häufig schon wieder auf dem üblichen Niveau. Sie hatten auch weniger unter den Schließungen im Lockdown zu leiden. Bei klassischen Innenstadt-Centern in den Fußgängerzonen dauert die Erholung dagegen etwas länger, da ein hoher Anteil ihrer klassischen Kundschaft, also Touristen, Shopping-Begeisterte und Angestellten der umliegenden Büros, noch nicht wieder vollständig in die Innenstädte zurückgekehrt sind.