Größte Center-Revitalisierung in Deutschland: Rhein-Ruhr Zentrum Mülheim positioniert sich neu – Exklusiv-Interview mit Christine Hager (redos) und Christian Diesen (HLG)

Christine Hager (redos)
Christian Diesen (HLG)

Das Mülheimer Rhein-Ruhr Zentrum steht unmittelbar vor einem kompletten Relaunch. Das populäre, aber in die Jahre gekommene drittgrößte deutsche Center wird für über 200 Millionen Euro bei laufendem Betrieb revitalisiert. Es ist die bedeutendste Maßnahme dieser Art in ganz Deutschland. HI HEUTE sprach mit den Geschäftsführern Christine Hager (redos) und Christian Diesen, (HLG), die für die Neupositionierung verantwortlich sind.

 

HI HEUTE: Schon oft wurde über eine massive bauliche Optimierung des 1973 eröffneten Rhein-Ruhr Zentrums gesprochen. Nun aber wird sie tatsächlich Realität. Was war dafür der entscheidende Grund?

Christine Hager: Die Tatsache, dass alle drei Teile des Standortes erstmals in der Geschichte einem Eigentümer gehören. Das war vorher nie der Fall. Deshalb gab es auch immer unterschiedliche Interessen. 2018 ist es uns im Joint Venture mit Morgan Stanley Real Estate Investing dann aber gelungen, das Shopping Center, die Karstadt Arkaden und den ehemaligen Büroturm auf dem Gelände auf eine Eigentümerstruktur zu vereinigen. Das war eine entscheidende und notwendige Voraussetzung, um den Standort ganzheitlich zu entwickeln. So können wir unsere Ideen und Umbaupläne nun mit einer anderen Dynamik vorantreiben, die vorher nicht möglich gewesen wäre. Das Potenzial für die Neupositionierung des Gesamtareals ist riesig. Wir sprechen hier immerhin über einen der größten Einzelhandelsstandorte Deutschlands mit einer Gesamtmietfläche von rund 140.000 qm.

HI HEUTE: Was sind die wesentlichen Punkte, die sich ändern werden?

Christian Diesen: Es wird eine komplett neue Mallführung geben. Die Zeit der ‚Sackgassen‘ im RRZ ist vorbei. Der von vielen Besuchern herbeigesehnte ‚Rundlauf‘ wird Wirklichkeit. In diesem Zuge schaffen wir an den Eckpunkten und auch mitten im Center spannende neue Themenplätze. Eine moderne Deckengestaltung und ein neues Lichtkonzept sorgen zudem für ein völlig neues Raumerlebnis und deutlich mehr Tageslicht im Center. Ein Highlight wird auch der umfangreich neu gestaltete bis zu 5.000 qm große Gastronomiebereich.

HI HEUTE: Das klingt nach Wohlfühl-Center.

Christine Hager: Absolut. Wir wollen das Rhein-Ruhr Zentrum zum ‚Wohnzimmer des Ruhrgebiets und des Rheinlandes‘ weiterentwickeln, in dem man sich zuhause fühlt.

HI HEUTE: Vergleiche mit einem attraktiven Zuhause kommen ja tatsächlich auch in Ihren konkreten Gestaltungsplänen vor.

Christian Diesen: Wir haben die verschiedenen Themenbereiche bewusst in Anlehnung an diesen Gedanken konzipiert. Geplant sind ein Marktplatz, der zur ‚Speisekammer‘ wird, ein ‚Wohnzimmer‘, das eine breite Mode-Auswahl umfasst, ein ‚Sportplatz‘ mit Indoor-Fußballfeld und Fanshops, ein ‚Esszimmer‘ mit Food Lounge und Casual Dining und ein ‚Spielzimmer‘, in dem wir Events planen und das modernste Entertainmentangebote vereint. Die Themenbereiche erstrecken sich jeweils über zwei Etagen und erhalten teilweise auch eigene Eingänge auf dem Parkdeck.

HI HEUTE: Was genau ist das Ziel der Neugestaltung?

Christine Hager: Wir wollen das RRZ zu einem lebendigen sozialen Treffpunkt machen. Deshalb verknüpfen wir mit unserem Konzept Einkaufen, Entspannung, Erlebnis und Entertainment. Wir gehen bewusst neue Wege und denken über den Tellerrand hinaus. Der Marktplatz, den wir mitten im Center planen, ist in der Form in Deutschland in einem Einkaufszentrum bisher einzigartig. Mit solchen Angeboten und durch die Integration frischer und digitalaffiner Marken wollen wir künftig verstärkt auch jüngere Generationen ansprechen.

HI HEUTE: Ihre Kooperation ist ja schon eine bewährte Sache.

Christine Hager: Das stimmt. Gemeinsam haben wir bereits einen Großteil des Hybridcenter-Portfolios ‚Christie‘ erfolgreich neu positioniert. Nach dem Kaufpark Eiche, dem Havelpark Dallgow und dem Brandenburger Einkaufszentrum Wust ist das RRZ unser viertes und größtes gemeinsames Projekt mit HLG.

Christian Diesen: In unserer Kooperation sind wir als HLG originär für baurechtliche und planungstechnische Themen sowie die Vermietung zuständig. Wir verstehen uns aber als ein Team mit redos. Die Schnittstellen sind deshalb praktisch nahtlos. Die Zusammenarbeit macht uns allen großen Spaß und der gemeinsame Erfolg mit unseren Partnern gibt uns Recht.

Hi HEUTE: Wie sieht der Zeitplan aus?

Christine Hager: Wir haben den Bauantrag eingereicht und hoffen, dass wir im zweiten Quartal dieses Jahres grünes Licht bekommen. Erst dann können wir plangemäß im dritten Quartal mit dem Rückbau und ab Oktober auch mit dem Hochbau beginnen. Die Vermietung läuft natürlich parallel auf Hochtouren.

Christian Diesen: Unser Plan sieht vor, dass wir im Frühjahr 2023 große Neueröffnung feiern können. Bis dahin kommen einige Herausforderungen auf uns zu – insbesondere vor dem Hintergrund, dass wir bei laufendem Betrieb umbauen. Besondere Sorgfalt ist zum Beispiel bei der Statik und dem Brandschutz erforderlich, denn das Center ist über die Jahrzehnte hinweg ja immer wieder gewachsen.

 

HI HEUTE: Können Sie uns zum Schluss vielleicht noch ein paar angedachte Highlights für den Bereich Entertainment nennen?

Christine Hager: Eine Indoor- oder vielleicht auch Outdoor Rutsche, ein attraktiver Sportplatz mit entsprechendem Branchen- und Mietermix, aber auch eine-E-Gaming-Arena wären sicherlich große, zum Teil einzigartige Besucherattraktionen. Das RRZ soll durch korrespondierende Highlights künftig auch verstärkt wieder jüngere Zielgruppen anziehen und zur Ausflugsdestination für Jung und Alt werden. Gleichzeitig wollen wir aber auch Angebote abseits des Mainstreams schaffen, die die vielen treuen Stammkunden des RRZ von uns erwarten dürfen. Wichtig ist uns, dass für alle Altersklassen etwas dabei ist.

Erstellt von Thorsten Müller