Der „Pokémon Go“-Hype ebbt nicht ab. Auch in den Shopping Centern betrachtet man diese Entwicklung mit Interesse.

Shopping Center in Australien haben den Pokémon-Trend bereits erkannt. Foto: facebook.com/dre.vorstparkes
Seit Mitte Juli 2016 wird "Pokémon Go" auch in Deutschland gespielt. Foto: facebook.com/dre.vorstparkes

Ein Ende des Siegeszugs von „Pokémon Go“ ist nicht abzusehen. Mehr als 75 Millionen Smartphone-Nutzer in über 30 Ländern haben die App auf ihren Geräten installiert. Doch hat das Spiel auch Auswirkungen auf die Shopping-Center-Welt?

In Gosford, einer 150.000-Einwohner-Stadt im australischen Bundesstaat New South Wales, haben die Betreiber des „Imperial Centre“ jedenfalls gezeigt, wie der stationäre Handel von der virtuellen Monsterjagd profitieren kann. Ende Juli haben sie zum „Poke-A-Thon“ geladen. Sechs Stunden lang suchten Pokémon-Fans in dem Center und auf dem parkähnlichen Außengelände nach Pikachu und Co. Immer wieder platzierten die Veranstalter sogenannte „Lockmodule“, um Pokémons auf das Gelände zu locken.

Via Facebook, Instagram und Twitter hielten die Center-Betreiber die Teilnehmer stets in Echtzeit über das Geschehen auf dem Laufenden – so musste kein Spieler fürchten, wegen eines Ladenbesuchs etwas zu verpassen. WLAN war gratis, die Shops begleiteten das Event mit besonderen Angeboten, und während des Aufenthalts in den Geschäften konnten die Spieler kostenlos die Akkus ihrer Smartphones auftanken. „Poketrainers! Gosford weiß, wie es geht!“, schrieb beispielsweise Teilnehmer Andreas Vorst-Parkes auf Facebook.

Australisches "Poke-A-Thon" als Vorbild

Der australische „Poke-A-Thon“ – für das „Imperial Centre“ zweifelsfrei ein Marketing-Erfolg – könnte Vorbild sein für deutsche Center. Zumal eine solche Veranstaltung nicht mit hohen Kosten verbunden ist. Für gerade einmal 100 Euro gibt es innerhalb der App virtuelle „Pokémünzen“ zu kaufen, die wiederum den Erwerb von mehr als 20 „Lockmodulen“ ermöglichen. Diese können an sogenannten „Pokéstops“ in und an den Centern platziert werden. Für 30 Minuten sorgen sie für ein verstärktes Monster-Aufkommen im entsprechenden Gebiet.

In Deutschland ist „Pokémon Go“ erst Mitte Juli gestartet. Es heißt, die Software sei etwa zehn Millionen Mal heruntergeladen worden. Welche Auswirkungen das Handy-Game im Detail auf die hiesige Shopping-Center-Branche hat, ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer abzuschätzen.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) sieht angesichts des derzeitigen Pokémon-Hypes in Zeiten rückläufiger Kundenfrequenzen „durchaus Potenzial, gerade jüngere und internetaffine Kundschaft in die Läden zu holen“. Für HDE-Sprecher Stefan Hertel sind mögliche Vorteile von „Augmented Reality“-Games, bei denen die Grenzen zwischen realer Welt und virtuellem Erlebnis fließend sind, klar erkennbar: „Pokémon Go steigert das Einkaufserlebnis und die Verbundenheit zu den Geschäften vor Ort.“

 

„Pokémon Go ist auch in unseren Centern durchaus ein Thema“, heißt es dazu bei der ECE. Sprecher Christian Stamerjohanns nennt in diesem Zusammenhang etwa das Alstertal-Einkaufszentrum in Hamburg, in dem die Spieler einen „Pokéstop“ finden könnten. Auch „Arenen“, in denen Pokémon-Fans zu virtuellen Kämpfen anträten, seien in manchen Häusern vorhanden. Es sei zwar zu beobachten, dass durch diese Punkte viele Spieler angelockt würden, doch auf die Umsätze der Händler wirke sich die Präsenz der „Pokémon“-Fans kaum aus. Ob das in einzelnen Shops anders sei, könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mit Gewissheit sagen.

Auf Anfrage von Handelsimmobilien-Heute bei der IPH Centermanagement GmbH hat sich Marcus Czerwionka, Regionalleiter Center Management Nord, in den Einkaufszentren umgehört. Als ihm etwa 20 Rückmeldungen vorlagen, entstand ein, wie er sagt, „sehr klares“ Bild: „Das Pokémon-Handyspiel erzeugt mit Sicherheit Spaß (bei den Spielern), gelegentlich höhere Frequenz (beim gehäuften Auftreten der Pokémons), aber nur selten mehr Umsatz – denn die Spieler sind so fokussiert auf ihr Smartphone, dass ihnen zum Einkaufen keine Zeit bleibt.“

 

 

Zugleich berichtet IPH-Experte Czerwionka jedoch von einer Ausnahme: der Gastronomie. Pokémon-Jäger, die beim Spielen teils viele Kilometer zurücklegen, brauchen eben nicht nur Strom im Akku, sondern auch Energie im Körper. „Sofern viele Pokémons im Bereich eines Restaurants, bevorzugt Fast Food, angezeigt werden, kann es dort eventuell zu Umsatzsteigerungen kommen“, sagt Czerwionka.

IPH sieht das Potential der „Augmented Reality"

Kurz: Es gibt Licht, aber auch Schatten. Die Einschätzung der IPH mündet dennoch in folgendem Ausblick auf die Zukunft: „Das Spiel zeigt sehr eindrucksvoll, welches Potential die „Augmented Reality“ bietet, so dass mit Sicherheit davon auszugehen ist, dass die technischen Möglichkeiten künftig werblich in Centern genutzt werden“.

Auch bei der ECE hat man das Thema „Augmented Reality“ schon länger im Blick. Mögliche Einsatzfelder werden in sogenannten „Future Labs“ erforscht. Jüngste Praxistests hätten jedoch nur eine „verhaltene Resonanz“ bei den Kunden gezeigt, da die Technologie noch sehr erklärungsbedürftig sei. Der aktuelle Pokémon-Hype könnte dies ändern. „Aus unserer Sicht könnte Pokémon Go für die Augmented-Reality-Technologie und deren Akzeptanz sowie Verbreitung eine Initialzündung sein“, sagt Christian Stamerjohanns.

Erstellt von Tobias Appelt