Exklusiver Gastbeitrag von Andreas Fleischer, Business Unit Director Northern Europe bei SEGRO

Andreas Fleischer, Business Unit Director Northern Europe bei SEGRO. Foto: SEGRO

Von der selbstgestalteten Schrankwand zum multimedialen Dothraki-Schnellkurs für die Kunstsprache aus Game of Thrones – das online erhältliche Warenangebot kennt wirklich keine Grenzen. Dieser Siegeszug des E-Commerce sorgt nicht nur beim stationären Handel für tiefgreifende Umbrüche, sondern auch in der Logistikbranche. Schließlich bedeuten die rasant wachsenden Umsatzzahlen auch ein sprunghaft ansteigendes Paketvolumen. Hinzu kommt, dass sich die Lieferzeiten durch Same-Day- oder Same-Hour-Delivery-Optionen drastisch verkürzen. Um diese Herausforderungen erfolgreich bewältigen zu können, bedarf es moderner und anpassungsfähiger Lagerflächen. Neben großformatigen Distributionszentren mit guter Autobahnanbindung ist deshalb auch ein effizientes Netz aus innerstädtischen City-Logistik-Objekten nötig.

 

Viel Fläche auf wenig Raum

Um möglichst nah bei den Endverbrauchern zu sein und die stark belasteten Verkehrsknotenpunkte in den deutschen Metropolen zu umgehen, werden verstärkt kleinteilige und flexibel aufteilbare Logistikeinheiten entwickelt, die zudem mit alternativen Liefermethoden kompatibel sein müssen. Schließlich rüsten immer mehr Kurier-, Express- und Paketdienstleister (KEP) ihre Flotten auf schadstoffarme E-Fahrzeuge um. Ebenfalls werden bei der Versorgung der letzten Meile verstärkt alternative Liefermethoden wie Ziehhilfen oder E-Bikes eingesetzt. Für den wachsenden E-Food-Bereich ist es darüber hinaus wichtig, dass die Objekte mit energieeffizienten Kühlaggregaten ausgestattet werden können.

Je weiter die Logistikimmobilien allerdings in die Ballungsräume der deutschen Metropolen vorrücken, desto knapper und kleiner werden die zur Verfügung stehenden Grundstücke. Schließlich stehen die Projekte in Konkurrenz zum Wohnungs- und Einzelhandelsimmobilienbau. Daher müssen die Objekte flächenoptimiert errichtet werden. Ein zukunftsweisender Trend sind Multi-Level-Immobilien nach asiatischem Vorbild, bei denen jede Etage separat per Rampe befahrbar ist. Das erste entsprechende Gebäude wurde kürzlich in der Nähe von München in Betrieb genommen – weitere befinden sich in Planung oder im Bau. Da bei innerstädtischen Entwicklungen nicht nur die Ansprüche der Nutzer, sondern auch die der Anwohner erfüllt werden müssen, sind ein ansprechendes Design und eine geringe Schadstoff- und Lichtemission essenzielle Faktoren.

Neue Produktionsbedingungen

Durch die neuen Technologien ändern sich nicht nur der Vertrieb und die Lieferkette, sondern auch die Fertigungsprozesse. Ein prominentes Beispiel ist der 3D-Druck, aufgrund dessen Waren exakt nach Kundenvorgabe und „on demand“ hergestellt werden können. Für den E-Commerce ergibt sich dadurch eine ganze Bandbreite möglicher neuer Konzepte. Das bedeutet allerdings auch, dass vor allem in stadtnah gelegenen Gewerbeparks gemischt genutzte Flächen mit Fertigungs- und Lagerbereichen entstehen, während ein konventionelles Zwischenlager eventuell nicht mehr benötigt wird.

 

Generell gilt: Seit der digitalen Revolution haben Einzelhändler so weitreichende Möglichkeiten wie nie zuvor, kreative und neuartige Retail-Strategien zu entwickeln. Damit sich diese auch in die Tat umsetzen und selbst ausgefallenste Kundenwünsche erfüllen lassen, müssen Logistikimmobilienentwickler mit innovativen Gebäudekonzepten reagieren. Ähnlich wie der E-Commerce steht allerdings auch die Logistikbranche erst am Anfang dieses allumfassenden Strukturwandels.