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06. August 2026

„Persönlichkeit eines Restaurants ist sein größter Wert“

INTERVIEW MIT DR. RIGBERT FISCHER, GRÜNDER DER FRANKFURTER GASTRONOMIEGRUPPE CUISYN
Dr. Rigbert Fischer, Gründer von cuisyn
Foto: PR cuisyn

cuisyn ist eine in Frankfurt am Main ansässige Gastronomiegruppe, die etablierte und erfolgreiche Restaurantkonzepte übernimmt, weiterentwickelt und langfristig unter einem gemeinsamen Dach vereint. Das Unternehmen fokussiert sich auf inhabergeführte Gastronomiebetriebe mit individueller Identität, starker Marktposition und nachhaltigem Entwicklungspotenzial. Im Mittelpunkt steht dabei der Erhalt erfolgreicher Individualgastronomie. HI HEUTE-Chefrerakteur Thorsten Müller sprach mit Gründer und Geschäftsführer Dr. Rigbert Fischer. 

HI HEUTE: Herr Dr. Fischer, seit Jahren schließen immer mehr Gastronomiebetriebe – gerade auch in deutschen Innenstädten. Erleben wir eine vorübergehende Krise oder einen grundlegenden Strukturwandel?

Dr. Rigbert Fischer: Ich glaube nicht, dass wir es mit einer vorübergehenden Krise zu tun haben. Die Spielregeln haben sich dauerhaft verändert. Früher hat es oft gereicht, ein guter Gastronom zu sein. Heute muss man gleichzeitig Gastgeber, Unternehmer und Manager sein. Wer das nicht schafft, wird es in Zukunft schwer haben.

HI HEUTE: Oft werden hohe Energiepreise oder der Fachkräftemangel als Hauptursachen genannt. Was sind aus Ihrer Sicht die eigentlichen Gründe dafür, dass heute so viele Gastronomiebetriebe wirtschaftlich scheitern?

Dr. Rigbert Fischer: Energiepreise und Fachkräftemangel sind sicher Herausforderungen. Aber sie erklären nicht alles. Viele Restaurants haben ein Steuerungs- und Managementproblem. Es wird unglaublich viel gearbeitet, aber oft fehlen Transparenz und die richtigen Kennzahlen. Leidenschaft allein bezahlt leider keine Rechnungen.

HI HEUTE: Viele Innenstädte verlieren gleichzeitig Einzelhandel und Gastronomie. Welche Folgen hat diese Entwicklung für die Attraktivität und Zukunft unserer Stadtzentren?

Dr. Rigbert Fischer: Eine Innenstadt lebt nicht nur von Geschäften. Sie lebt davon, dass Menschen dort gerne Zeit verbringen. Gastronomie schafft Begegnungen und macht Innenstädte lebendig. Wenn Restaurants verschwinden, verliert ein Standort an Aufenthaltsqualität. Und das merkt am Ende auch der Handel.

HI HEUTE: Brauchen Innenstädte künftig weniger klassische Einzelhandelsflächen und stattdessen mehr Gastronomie, Aufenthaltsqualität und Erlebnisangebote?

Dr. Rigbert Fischer: Ja, davon bin ich überzeugt. Der Handel wird sich verändern und Gastronomie wird dabei eine noch wichtigere Rolle spielen. Menschen bestellen vieles online. Was sie nicht online bekommen, sind gute Gespräche, gemeinsames Essen und echte Erlebnisse. Genau das macht Innenstädte attraktiv.

HI HEUTE: Die Nachfolgekrise verschärft die Situation zusätzlich. Wie groß ist dieses Problem und welche Auswirkungen hat es auf die Entwicklung unserer Innenstädte?

Dr. Rigbert Fischer: Aus meiner Sicht wird das Thema völlig unterschätzt. Laut aktuellem DIHK-Report suchen im Gastgewerbe fast dreieinhalbmal so viele Unternehmer einen Nachfolger, wie sich Interessenten finden. Ich kenne viele Restaurants, die wirtschaftlich gesund sind und trotzdem schließen, weil sich niemand findet, der sie weiterführt. Da verschwinden Lebenswerke, die über Jahrzehnte aufgebaut wurden. Viele Familienunternehmer fragen sich: „Wer führt mein Restaurant weiter, wenn ich aufhöre?“ Genau darauf geben wir mit cuisyn eine Antwort. Wir übernehmen diese Betriebe nicht, um sie komplett zu verändern, sondern um sie langfristig weiterzuführen. Das ist gut für die Unternehmer, für die Mitarbeitenden und für die Innenstädte.

HI HEUTE: Sie übernehmen mit cuisyn bestehende Gastronomiebetriebe. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, ob ein Betrieb wirtschaftlich tragfähig ist und in Ihr Portfolio passt?

Dr. Rigbert Fischer: Wir schauen uns einen Betrieb zuerst als Gast an. Hat das Restaurant eine Geschichte? Kommen die Menschen gerne dorthin? Gibt es Stammgäste? Ist das Team engagiert? Wenn diese Basis stimmt, schauen wir auf die Zahlen. Uns interessiert vor allem, ob wir gemeinsam noch Potenziale heben können. Wir suchen keine Betriebe, die wir komplett neu erfinden müssen, sondern gute Restaurants, die mit professionellen Strukturen noch erfolgreicher werden können. Oft sehen wir dann: Das Restaurant funktioniert, aber es wird unter seinen Möglichkeiten geführt. Genau dort können wir helfen. Wir bringen professionelle Strukturen in Einkauf, Personal, Controlling oder Digitalisierung, ohne dem Restaurant seinen Charakter zu nehmen. Unser Ziel ist nicht, etwas Neues daraus zu machen. Unser Ziel ist, das Gute noch besser zu machen.

HI HEUTE: Welche Fehler beobachten Sie bei inhabergeführten Gastronomiebetrieben am häufigsten – und welche Rolle können Digitalisierung, moderne Kassensysteme und KI dabei spielen, diese zu vermeiden?

Dr. Rigbert Fischer: Die meisten Gastronomen arbeiten sieben Tage die Woche und geben alles für ihre Gäste. Aber sie machen gleichzeitig Einkauf, Personalplanung, Buchhaltung und Marketing. Irgendwann stößt jeder an Grenzen. Genau deshalb bündeln wir diese Aufgaben bei cuisyn. Moderne Kassensysteme und digitale Auswertungen helfen uns dabei, bessere Entscheidungen zu treffen. Zum Beispiel beim Personaleinsatz oder beim Wareneinsatz: Die Technik liefert die Fakten, entscheiden muss aber immer der Mensch. Auch KI spielt eine immer größer werdende Rolle. Schon heute erfolgt bei uns die Arbeitszeit- und Schichtplanung mit Hilfe von KI, um bedarfsgerechter unsere Mitarbeiter einzusetzen und gleichzeitig deren Wünsche in Bezug auf Arbeitszeiten zu erfüllen.

HI HEUTE: Wie gelingt es, wirtschaftliche Professionalität und standardisierte Prozesse einzuführen, ohne dass ein Restaurant seine Identität und Gastgeberkultur verliert?

Dr. Rigbert Fischer: Das ist eigentlich unser Geschäftsmodell. Wir standardisieren nur das, was der Gast gar nicht wahrnimmt: Einkauf, Administration, Controlling oder Personalplanung. Alles, was den Charakter eines Restaurants ausmacht, bleibt erhalten. Das sind die Menschen, die Speisekarte, die Atmosphäre und die Gastgeber. Wir glauben nicht an Einheitsgastronomie. Im Gegenteil: Die Individualität ist der Grund, warum Gäste kommen. Unsere Aufgabe ist es, diese Individualität wirtschaftlich abzusichern. Die Persönlichkeit eines Restaurants ist sein größter Wert.

HI HEUTE: Blicken wir zehn Jahre voraus: Wie wird die Gastronomie in deutschen Innenstädten aussehen – und was muss heute geschehen, damit sie auch künftig ein Motor für lebendige Stadtzentren bleibt?

Dr. Rigbert Fischer: Ich glaube, wir werden weniger Betriebe haben, dafür aber wirtschaftlich stärkere. Gleichzeitig werden wir mehr Unternehmensgruppen sehen, die inhabergeführte Restaurants langfristig weiterentwickeln. Die Nachfolgeproblematik wird in den kommenden Jahren eher größer als kleiner. Deshalb brauchen wir neue Modelle, die erfolgreiche Betriebe erhalten, anstatt sie schließen zu lassen. Genau darin sehen wir die Aufgabe von cuisyn. Wir wollen dazu beitragen, dass gute Restaurants auch in der nächsten Generation bestehen bleiben.

HI HEUTE: cuisyn wächst durch die Übernahme bestehender Restaurants. Warum glauben Sie an dieses Geschäftsmodell?

Dr. Rigbert Fischer: Weil wir nicht bei null anfangen müssen. In Deutschland gibt es viele hervorragend geführte Restaurants mit treuen Gästen, engagierten Teams und einer starken Marke. Was oft fehlt, ist eine Nachfolgelösung oder die Zeit, sich neben dem Tagesgeschäft auch um Digitalisierung, Einkauf oder Controlling zu kümmern. Genau dort setzen wir an. Wir übernehmen diese Aufgaben im Hintergrund, damit sich die Gastgeber auf das konzentrieren können, was sie am besten können: Gastgeber sein. Das macht unser Modell erfolgreich und sorgt dafür, dass bewährte Gastronomiekonzepte erhalten bleiben. Deutschland braucht keine austauschbaren Restaurantketten. Deutschland braucht starke individuelle Gastronomien, die auch in der nächsten Generation erfolgreich sein können. Genau dafür haben wir cuisyn gegründet.

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