HI HEUTE-Exklusivinterview mit Greenman-CEO John Wilkinson

Greenman-CEO John Wikinson. Foto: Greenman

Der Vorstand von Greenman Investments, Manager des alternativen Investmentfonds (AIFM) Greenman OPEN, größter Lebensmittel geankerter Einzelhandelsimmobilien Investmentfonds Deutschlands, hat die Netto-Null-Pläne des Fonds genehmigt und zeitgleich seinen Sustainability Report veröffentlicht. Ziel ist es, die Netto-CO2- Emissionen des gesamten Portfolios bis 2050 auf null zu reduzieren. Der Plan sieht vor, dass der Fonds seine Kohlenstoffemissionen um durchschnittlich 3.500 Tonnen pro Jahr reduziert. HI HEUTE-Chefredakteur Thorsten Müller führte dazu ein Interview mit CEO John Wilkinson.

 

HI HEUTE:  Herr Wilkinson, Sie haben kürzlich den Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Warum verfolgt Greenman einen ‚Netto-Null-Plan‘?

John Wilkinson: „Wir bei Greenman haben schon vor einigen Jahren begonnen, die Zukunftsaussichten unseres Immobilienportfolios neu zu bewerten. Ausschlaggebend für die jüngst vorgestellten Netto-Null-Pläne war dabei eine Vielzahl von Faktoren: Auf der einen Seite die zunehmende Performance des Onlinehandels, welcher bereits vor der Pandemie stärker gewachsen ist als der gesamte Einzelhandel. Seitdem schossen Onlinelieferdienste im Lebensmittelsektor aus dem Boden wie Pilze. Auf der anderen Seite das deutlich stärkere Bewusstsein von Kunden und Mietern für Nachhaltigkeitsthemen. Heute interessieren sich Verbraucherinnen und Verbraucher viel mehr für gesunde Lebensmittel und regionale Lebensmittelproduktion.

Hinzu kamen sich verändernde Bedürfnisse von Einzelhandelsmietern, insbesondere Discountern, nach größeren Flächen, um mehr frische Lebensmittel anbieten zu können. Unabhängig davon, ob Ladenkonzepte angepasst oder operative Strategien neu ausgerichtet wurden, haben wir also analysiert, wie wir den Zustand des Portfolios dahingehend verbessern können, dass die Immobilien für die bestehenden Mieter zukunftsfähig bleiben. Daraus ist der ‚Netto-Null-Plan‘ hervorgegangen.“

HI HEUTE: Wie passt der Netto-Null-Plan in die Greenman-Strategie?

„Wir verfolgen eine Buy & Hold-Strategie. Darauf aufbauend haben wir uns mit dem ‚5 by 25‘-Konzept das Ziel gesetzt, bis 2025 mindestens 5 Prozent des Jahresumsatzes des Fonds aus nicht-vermietungsbezogenen Aktivitäten zu generieren. Im Rahmen dieses Konzepts entstanden zahlreiche Ideen, wie wir unsere Assets fit für die Zukunft machen können. Durch die EU-Offenlegungsverordnung und der Einstufung als Artikel-8-Fonds haben wir uns unter anderem verpflichtet, die Energieeffizienz der Gebäude zu verbessern, eine Infrastruktur zur Energieerzeugung zu planen, eine Infrastruktur zur Erzeugung nachhaltiger Lebensmittel zu erstellen und gemeinnützige Organisationen zu unterstützen, die sich für die Aufklärung rund um gesunde Lebensmittel einsetzen.

Die EU-Taxonomieverordnung definiert jetzt konkrete Vorgaben für nachhaltige Investitionen und gibt uns einen Weg vor, klimafreundlicher zu werden und unsere Umweltziele zu erreichen.“

HI HEUTE: Wie werden Sie ‚Netto-Null‘ für Ihr gesamtes Immobilienportfolio erreichen?

John Wilkinson:„Das Immobilienportfolio unseres Fonds stößt jährlich rund 116.400 Tonnen Kohlenstoffemissionen aus. Mit dem Netto-Null-Plan haben wir uns verpflichtet, den CO2-Fußabdruck unseres Portfolios so weit zu reduzieren, dass bis 2050 die kombinierten Netto-Kohlenstoffemissionen bei null liegen werden – und der Fonds zu 100 Prozent nach der Taxonomieverordnung ausgerichtet ist. Die Bestrebung von Greenman ist es, dass jede einzelne Immobilie mehr Energie erzeugt, als sie verbraucht. Wir wollen dies erreichen, indem wir die Dächer und Parkplätze unserer Immobilien mit Photovoltaik-Anlagen ausstatten. Unser Portfolio verfügt derzeit über eine Dachfläche, die das Potenzial zur Erzeugung von ca. 13,7 GWh Strom hat. Wir stehen im engen Austausch mit unseren Mietern und sowohl sie als auch ihre Kunden wünschen sich grüne Energie. Von Netto-Null profitieren somit alle.“

HI HEUTE: Die Umsetzung wird vermutlich eine Menge Geld kosten. Hat dies Einfluss auf die Fondsperformance?

John Wilkinson: „Das Fondskapital, das Greenman zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele einsetzt, soll Erträge erzielen. Jede Aktivität, die wir für Netto-Null unternehmen, soll zusätzliche Erträge für den Fonds generieren - entweder direkt, indem sie sich positiv auf den Nettoinventarwert des Fonds auswirkt, oder indirekt durch andere Wertschöpfungsmechanismen. Wir wissen, dass die Anleger uns unterstützen und unser Know-How schätzen. Greenman und seine Joint-Ventures haben umfassende Erfahrung im Bereich Photovoltaikanlagen, Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge und vertikale Landwirtschaft gesammelt. Um zu zeigen, dass unsere Interessen mit denen der Fondsinvestoren übereinstimmen, haben wir uns verpflichtet, mindestens 25 Prozent des für die Finanzierung aller Initiativen erforderlichen Eigenkapitals aufzubringen.“

 

HI HEUTE: Können alle Immobilien angepasst werden?

John Wilkinson: „Wir verfolgen die Herangehensweise ‚Umbau statt Abriss‘. Denn eines der größten Probleme beim Umbau ist, dass Gebäude größtenteils aus Beton bestehen. Reißt man Gebäude ab und baut sie neu, setzt man eine Menge enthaltener Kohlenstoffemissionen frei, die oft 20 bis 50 Prozent der gesamten Kohlenstoffemissionen eines Gebäudes ausmachen. Wir wollen sicherstellen, dass jede Immobilie, die unsere Erwartungen nicht erfüllt, umgebaut oder umgenutzt wird. Dazu werden wir für alle Assets Performance-Ziele festlegen und die tatsächliche Performance jährlich überprüfen und auswerten. Darüber hinaus enthält die Taxonomieverordnung den Grundsatz ‚Do No Significant Harm‘. Sollte sich also zeigen, dass ein Gebäude nicht den angestrebten Kriterien entspricht, werden wir ein alternatives Nutzungskonzept erarbeiten.“

Erstellt von Thorsten Müller