Exklusiv-Interview mit CEO Pepijn Morshuis über Veränderungen und Strategien

TREI-CEO Pepijn Morshuis. Foto: TREI

Die Trei Real Estate ist die Immobiliengesellschaft der Unternehmensgruppe Tengelmann. Ihr Bestandsportfolio ist im letzten Jahr um rund 100 Millionen auf ca. 1,1 Milliarden Euro gewachsen. Trei managt insgesamt 384 Bestandsimmobilien. HI HEUTE-Chefredakteur Thorsten Müller sprach mit Pepijn Morshuis, dem CEO des Unternehmens, über Veränderungen und Strategien. 

 

HI HEUTE: Nach dem Ausscheiden Ihres COO, Dirk Braunschweig, Ende Februar, hat es einige Umstellungen in Ihrer Unternehmensführung gegeben. Was hat sich verändert?

Pepijn Morshuis: Zunächst einmal hat sich die Geschäftsführung der Trei mit dem Ausscheiden von Dirk Braunschweig von drei auf zwei Personen verkleinert – das sind Matthias Schultz, der die Position des CFO bekleidet, und ich, der weiterhin als CEO fungiert. Dirk Braunschweig war im Wesentlichen für das Verwalten und Managen unserer Wohn- und Gewerbeimmobilien verantwortlich. Die Bereiche Asset- und Property Management sind auf mich übergegangen.

Völlig unabhängig von seinem Ausscheiden gab es noch weitere Veränderungen. Auf der Geschäftsleiterebene hat René Westerheider, der zuvor verantwortlich für den Bereich Transaktionen war, zudem auch die Verantwortung für den Bereich Asset Management übernommen. Schließlich gab es auch einen Wechsel an der Spitze unserer Landesgesellschaft für die Tschechische Republik und die Slowakei. Dort konnten wir mit Nadežda Ptáčková eine sehr erfahrene Expertin für die Unternehmensführung gewinnen.   

HI HEUTE: Trei ist in verschiedenen Ländern Europas aktiv, aber auf dem deutschen Markt hat Ihr Interesse scheinbar nachgelassen. Woran liegt das?

Pepijn Morshuis: Der deutsche Handelsimmobilienmarkt ist weitgehend gesättigt. Wir sehen hier – anders als beispielsweise in Polen, wo wir intensiv neue Handelsimmobilien entwickeln – kein Expansionspotenzial. Insofern war es nur konsequent, dass der Fokus in den vergangenen Jahren eher auf der Bereinigung des deutschen Handelsimmobilienportfolios lag. Was wir in Deutschland allerdings vorantreiben, ist die Entwicklung von Wohnimmobilien. Unter anderem durch die Überbauung von Flachmännern. Hier haben wir allein in Berlin vier Projekte, wo insgesamt 750 Wohneinheiten realisiert werden. Allein in Berlin beläuft sich das Investitionsvolumen auf 250 Mio. Euro. 

HI HEUTE: Welche Strategie, welche Prioritäten verfolgen Sie im Rahmen Ihrer europäischen Aktivitäten, vor allem in Bezug auf Handelsimmobilien?

Pepijn Morshuis: In Deutschland liegt der Fokus beim Handel auf Bestandshaltung und -optimierung. In Portugal und der Slowakei fokussieren wir uns auf die Bestandshaltung. Der Schwerpunkt unserer Neubauaktivitäten liegt in der Tschechischen Republik und Polen, wobei Polen in unserer Strategie allein aufgrund der Größe des Landes deutlich mehr Gewicht hat. Wir entwickeln in beiden Ländern Fachmarktzentren unter der Marke Vendo Park. Derzeit halten wir elf Vendo Parks in Polen und neun in Tschechien und der Slowakei. Dieses Jahr sollen noch sechs weitere Objekte in kleineren Städten hinzukommen. 

HI HEUTE: Was haben Sie sich speziell für das zweite Halbjahr 2019 noch alles vorgenommen?

Pepijn Morshuis: In Deutschland treiben wir die erwähnten vier Flachmannüberbauungen in Berlin voran. In Polen sollen die bereits erwähnten fünf Fachmarktzentren in kleineren Städten entstehen. Dies sind Pułtusk (Woiwodschaft Masowien), Ostrołęka (Woiwodschaft Masowien), Łask (Woiwodschaft Łódź), Jawor (Woiwodschaft Niederschlesien) und Solec Kujawski (Woiwodschaft Kujawien-Pommern). In der Tschechischen Republik planen wir, einen weiteren Vendo Park in Mnichovo Hradištězu eröffnen. 

HI HEUTE: Wie sehen Ihre längerfristigen Unternehmenspläne aus?

Pepijn Morshuis: Wir möchten unser Portfolio, das bislang einen Schwerpunkt auf der Nutzungsart Handel hatte, diversifizieren. Zu diesem Zweck schätzen wir die Nutzungsart Wohnen als geeignet ein und ihr Gewicht im Portfolio soll deutlich wachsen. Aktuell liegt ihr Anteil bei 13 Prozent. In den nächsten drei bis fünf Jahren soll der Anteil der Nutzungsart Wohnen im Bestandsportfolio auf 40 Prozent steigen. In Deutschland, USA, Polen und in der Tschechischen Republik werden bereits Wohnungen entwickelt und gebaut.

In Polen und der Tschechischen Republik wollen wir zudem der größte Entwickler und Investor von Fachmarktzentren werden. Das Ziel ist, innerhalb von drei bis fünf Jahren 50 Vendo Parks selbst entwickelt zu haben und im Bestand zu halten. Aktuell sind bereits 20 Objekte fertiggestellt.

In absoluten Zahlen ausgedrückt heißt das: Wir streben ein stabiles Bestandsportfolio mit einem Volumen von mindestens 1,5 Mrd. Euro an. Parallel dazu soll das Entwicklungsvolumen kontinuierlich bei rund 500 Mio. Euro liegen.

 

HI HEUTE: Was liegt Ihnen ganz persönlich am meisten am Herzen?

Pepijn Morshuis: Mir ist wichtig, dass alle unsere Stakeholder zufrieden sind. Dazu gehören die Mieter und Käufer unserer Wohnungen, aber auch die Handelsmieter und Kunden in den Fachmarktzentren und anderen Handelsimmobilien. Gleichzeitig liegt mir aber auch die Zufriedenheit der 120 Mitarbeiter der Trei und nicht zuletzt auch die der Eigentümerfamilie der Unternehmensgruppe Tengelmann am Herzen.

Erstellt von Thorsten Müller