Interview mit Laura Wolke, Expansionsmanagerin von Mister Spex, dem größten deutschen Online-Optiker, der inzwischen auch stationäre Wege geht

Laura Wolke (Mister Spex), Expansionsmanagerin bei Mister Spex. Foto: Mister Spex

Mister Spex ist der größte deutsche Online-Optiker nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Seit ungefähr sechs Jahren hat das Unternehmen auch eine stationäre Präsenz, die immer größer wird und mittlerweile knapp 60 Läden umfasst. HI HEUTE-Chefredakteur Thorsten Müller sprach über neueste Entwicklungen und Perspektiven mit Expansionsmanagerin Laura Wolke.

 

HI HEUTE: Wie sieht Ihre Expansionsstrategie für das laufende Jahr aus?

Laura Wolke: Die 2007 gegründete Mister Spex SE ist ein mehrfach ausgezeichnetes Unternehmen, das sich zum führenden, digital getriebenen Omnichannel-Optiker in Europa entwickelt hat. Als reiner Online-Player gestartet, stiegen wir erfolgreich zum börsennotierten Omnichannel-Optiker auf – mit mehr als 5 Millionen Kundinnen und Kunden, 10 Online-Shops in ganz Europa und aktuell 59 stationären Einzelhandelsfilialen in Deutschland, Österreich und Schweden. Dabei bieten wir ein Sortiment aus Brillen- und Sonnenbrillenmodellen von über 100 attraktiven Premium- und Luxus-Brands, angesagten Independent Labels und hochwertigen Eigenmarken sowie ausgewählten Designerinnen und Designern- und Influencerinnen und Influencer-Kooperationen an.

Unsere Expansionsstrategie sieht u.a. vor, 2022 insgesamt rund 20 neue Stores zu eröffnen. Bereits in den ersten fünf Monaten haben wir 11 neue Filialen eröffnet und treiben unsere Expansion weiter voran. In Deutschland konzentrieren wir uns bei den kommenden Storeeröffnungen auf mittelgroße Städte und können dadurch unsere Omnichannel-Präsenz, quer durch die Republik, weiter stärken. Unter anderem befinden sich Standorte wie Bonn, Trier und Mainz in der Planung. International planen wir ebenfalls, die Wachstumsstrategie vor allem im Retailgeschäft voranzutreiben – wo genau wir eröffnen, verraten wir jedoch zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht.

HI HEUTE: Corona und der Ukraine-Krieg haben natürlich auch auf Ihr Geschäft Einfluss. Wie merken Sie das in Ihrem ganz persönlichen Alltag?

Laura Wolke: Die Corona-Pandemie hat natürlich vieles verändert und auch wir waren von privaten und unternehmerischen Ungewissheiten, Lockdowns und erhöhtem Wettbewerbsdruck betroffen. Glücklicherweise erreichen wir an vielen unserer Standorte annähernd wieder Frequenzen auf Vor-Corona-Niveau. Auch unsere Neueröffnungen performen vom Start weg zufriedenstellend. Wir merken aber auch, dass sich das Kaufverhalten verändert hat. Kundinnen und Kunden haben gelernt, unsere Online-Vorteile für sich zu nutzen und buchen sich beispielsweise selbständig online einen Sehtest in einem unserer Stores oder bei unseren Partneroptikern. Mit Beendigung der Lockdowns und der damit einhergehenden Öffnung unserer Stores, nehmen wir eine deutlich steigende Omnichannel-Interaktion wahr. Unsere Kundschaft hat das Konzept erlernt und ist nun befähigt, online und offline einzukaufen. Hierfür bündeln wir im zentralen Kundenkonto alle Informationen wie Seh-Werte, Rahmengröße und Kaufhistorie an einem Ort und schaffen wir ein Kauferlebnis, das einen weiteren Einkauf, ob online oder offline, erheblich vereinfacht.

Zu meinem eigenen Verantwortungsbereich gehört auch das Thema Ladenbau. Natürlich sind wir insbesondere hier extrem von den Auswirkungen, insbesondere von Lieferengpässen und Materialknappheit betroffen und müssen damit umgehen, dass es jetzt einer ganz anderen Herangehensweise beim Storeausbau bedarf. Das betrifft vor allem die Themen Planung und Einkauf.  Glücklicherweise sind wir ein agil aufgestelltes Unternehmen, sodass wir Abläufe, Prozesse und Strukturen schnell neu skalieren konnten. Zudem verfügen wir über ein langjähriges und starkes Partnernetzwerk, sodass wir die Situation krisensicher gemeistert haben.

HI HEUTE:  Welche Veränderungen im Angebot von Mister-Spex hat es zuletzt gegeben und welche sind in nächster Zeit noch vorgesehen?

Laura Wolke: Zuletzt haben wir unsere internationale Expansionsstrategie vorangetrieben und weitere Stores in Schweden und Österreich eröffnet. Erst im Mai feierten wir unsere Storepremiere in Malmö und im März erweiterten wir unser Filialnetz in Österreich mit einer Storeeröffnung in Linz und einem Opening in Wien. Zur Angebotserweiterung gehört auch, dass wir in immer mehr Großstädten auch lokal mit eigenen Stores vertreten sind. Unser Service-Angebot soll zudem durch digital gestützte Innovationen erweitert werden, um den Brillenkauf noch einfacher und transparenter zu gestalten. Zukünftig konzentrieren wir uns u.a. auf die Erweiterung unseres Produktangebots und der Suche nach den neusten Brillen- und Sonnenbrillentrends.

HI HEUTE: Welche Kriterien spielen für Sie bei der Standortsuche die wichtigste Rolle? In welchem unmittelbaren Umfeld fühlt sich Mister Spex am wohlsten?

Laura Wolke: Der Fokus für die Standortsuche liegt nach wie vor auf den höchstfrequenten Lagen in den Innenstädten, am liebsten im Optikerumfeld und gerne in der Young-Fashion-Nachbarschaft. Aber auch Shoppingcenter können für uns eine attraktive Storeumgebung darstellen.

Bei der Entscheidung, wo wir einen neuen Store eröffnen, handeln wir datengetrieben und orientieren uns an der Nachfrage aktueller und potenzieller Kundinnen und Kunden. Ebenso wichtig bei der Entscheidungsfindung ist uns aber auch, dass die Stores gut sichtbar sind und das Gesamterscheinungsbild der Umgebung zu unserer Marke passt. Der Vorteil unserer Standortstrategie ist, dass wir neben der Terminkundschaft auch die Laufkundschaft erreichen, ohne ein großes Marketingbudget aufwenden zu müssen. Ein Sehtest, eine Glas-, Gestell- oder Typ-Beratung sind bei uns auch ohne Termin oder lange Wartezeiten möglich, sodass ein Spontanbesuch bei uns im Store gut in den Shoppingtag passt.

HI HEUTE: Welche Ziele verfolgt Ihr Unternehmen in den kommenden Jahren. Früher hätte man nach Ihrem 5-Year-Business-Plan gefragt, doch Corona und Co. machen eine längerfristige Planung sehr, sehr schwierig. Was können Sie trotzdem zu Perspektiven und Erwartungen sagen?

Laura Wolke: Wir haben natürlich trotz Corona eine langfristige Unternehmensplanung, aber wir haben uns zu Beginn der Pandemie agiler aufgestellt, um Prozesse und Strukturen neu skalieren zu können. Zudem führten wir beispielsweise einen OKR-Prozess, einen agilen Managementansatz, ein. Die dort definierten Department-Ziele werden engmaschig bewertet und geprüft. Somit sind wir auf allen Ebenen der Unternehmung in der Lage, auf Veränderungen schnell und effektiv zu reagieren und wenn nötig auch Strategien anzupassen.

 

HI HEUTE: Was möchten Sie persönlich am Ende des Jahres für Mister Spex erreicht haben?

Laura Wolke: Natürlich wollen wir wachsen, erfolgreich neue Stores eröffnen und das Kauerlebnis Brille noch besser für unsere Kundinnen und Kunden gestalten. Dabei ist uns nicht nur die kurzfristige Eröffnung einer gewissen Anzahl an Stores wichtig, sondern dass wir weiterhin unternehmerisch so aufgestellt gut aufgestellt sind wie bisher, um im richtigen Tempo weiterzuwachsen. Die Basis unseres Erfolgs bildet natürlich unser Mister Spex Team, aber auch die professionelle Zusammenarbeit mit unseren Partnern. Daher freue ich mich auf die zweite Jahreshälfte und möchte weiterhin Teil dieses motivierten Teams sein, das hungrig nach Expansion ist und jeden Tag daran arbeitet, unsere Kundschaft ein rundum positives Einkaufserlebnis in jedem einzelnen unserer Mister Spex Stores oder online zu ermöglichen.

 

 

Erstellt von TMÜ