HI HEUTE-Interview mit den APCOA-Chefs Philippe Op de Beeck und Hansjörg Votteler

APCOA-Chefs Philippe Op de Beeck (rechts) und Hansjörg Votteler auf der EXPO REAL in München. Foto: HI HEUTE
UPS nutzt inzwischen auch Parkhäuser von APCOA, um Lieferungen von großen Lkw-Containern auf Lastenfahrräder zu verladen und sie damit zu den Kunden zu bringen. Foto: APCOA

APCOA zählt zu den größten europäischen Parkraum-Anbietern. Auch in zahlreichen Shopping-Centern ist das Unternehmen vertreten. HI HEUTE-Chefredakteur Thorsten Müller hatte unlängst Gelegenheit, mit Philippe Op de Beeck, CEO der APCOA Gruppe und Deutschland-Chef Hansjörg Votteler über neueste Entwicklungen und unternehmerische Aktivitäten zu sprechen. Natürlich ging es dabei auch um die Einflüsse der pandemischen Situation.  

 

HI HEUTE: Herr Op de Beeck, bald dauert die Corona-Pandemie zwei Jahre an. Welche Auswirkungen hatte sie bislang auf Ihr Unternehmen?

Philippe Op de Beeck: „APCOA ist in 13 Ländern Europas aktiv. Da können Sie sich vorstellen, dass die wirtschaftlichen Folgen für uns zwischenzeitlich enorm waren und wir sogar existenzielle Sorgen hatten. Gerade in den knallharten Lockdown-Phasen. Dort mussten wir leider auch Personalkürzungen vornehmen. Erfreulicherweise sieht die Lage inzwischen jedoch wieder deutlich besser aus und wir sind in allen Sektoren auf dem Weg zu Zahlen aus der Zeit vor Corona. In manchen Bereichen haben wir sie sogar schon übertroffen. Wir setzen weiter auf Wachstumskurs, auch weil wir uns auf die volle Unterstützung unserer Investoren verlassen können.“

HI HEUTE: Es gibt aber noch andere Gründe für Ihre Zuversicht, die nicht rein finanzieller Natur sind. Was sind diese?

Philippe Op de Beeck: Gründe sind hier zum einen die langfristige Erholung der Wirtschaft von der Corona-Krise und die Fortsetzung der Urbanisierung sowie zum anderen die Verteuerung bzw. der Wegfall von öffentlichen Straßenparkflächen. Im Branchenvergleich profitieren wir zudem von unserem Alleinstellungsmerkmal, als reiner Parkraumbewirtschafter nicht mit den Immobilieneigentümern unserer Objekte  konkurrieren zu müssen, sondern als externer Dienstleister in ihrem Interesse handeln zu können.“

HI HEUTE: Parkhäuser werden immer grüner und bieten immer mehr. Die Pandemie war diesbezüglich sicher auch für Sie ein Innovationstreiber, oder?

Philippe Op de Beeck:Ja, das war sie. Aber auch unabhängig davon, investieren wir immer mehr in digitale Projekte, gerne auch in Kooperation mit anderen Firmen, denn digitale Innovationen werden die Zukunft von Parkhäusern bestimmen. So entwickeln wir gerade für Parkhäuser einen autonomen Vorfahr- und Einpark-Service. Das heißt, der Fahrer stellt den Wagen in einer Übergabezone ab, anschließend sucht das Fahrzeug automatisiert einen freien Stellplatz und parkt dort ein. Von diesen und weiteren Investitionen in die Digitalisierung profitieren letztlich nicht nur die Kunden, sondern auch die Eigentümer der Parkflächen, von denen APCOA die Standorte pachtet. Ihre Objekte werden durch die digitalen Innovationen attraktiver, dadurch häufiger genutzt und letztlich profitabler.“

HI HEUTE: Dazu dürfte vor allem auch die Transformation der Parkplätze zu sogenannten „Urban Hubs“ gehören, mit denen Sie die physikalische und digitale Infrastruktur für ein klimafreundliches und bequemes Leben in der Stadt bieten wollen. 

Hansjörg Votteler: „Auf jeden Fall! Und das tun wir bereits. Basis dafür ist die virtuelle Plattform APCOA FLOW und Europas größtes Netz an digital vernetzten Parkhäusern mit mehr als 12.000 Standorten. Die von uns als Urban Hubs zur Verfügung gestellten Parkflächen lassen sich für viele Zwecke nutzen. Einer davon ist die Verwendung als Umschlagplatz. Logistik- und Paketdienstleister können ihre Ware auf den angemieteten Stellplätzen auf E-Lastenräder umladen und ihre Kunden so auf der letzten Meile effizient und nachhaltig beliefern. Eine weitere Möglichkeit ist das Laden von E-Fahrzeugen. Zusammen mit Partnern wollen wir das Angebot von derzeit ca. 2.500 Ladestationen in ganz Europa und 300 Ladesäulen an 60 Standorten allein in Deutschland im In- und Ausland weiter ausbauen. Darüber hinaus lassen sich die Parkflächen für weitere Dienstleistungen nutzen, etwa als Leihstationen für Car-, E-Bike- oder E-Scooter-Sharing.“

HI HEUTE: Braunschweig ist dafür ein aktuelles Beispiel. Was passiert hier?

Hansjörg Votteler: Braunschweig hat durch uns 1.304 neue Parkplätze bekommen. In dem modernen Gebäude gleich neben einem Klinikum finden zudem 300 Fahrräder Platz. Zukunftsweisend sind vor allem die E-Ladesäulen für Autos, Steckdosen für E-Bikes, das ticketlose Parken per Kennzeichenerkennung sowie das bepflanzte Dach. Das Parkhaus wird auch langfristig den Bedarf decken, wenn die Zentralklinik an dem Standort Schritt für Schritt ihren Betrieb aufnimmt. Seit dem 1. Oktober ist das Parkhaus eröffnet und wird bereits sehr gut angenommen.“

HI HEUTE: Sie haben mit TIER Mobility eine internationale strategische Zusammenarbeit begonnen. Dabei geht es um die Nutzung der APCOA-Parkhäuser als Standorte für Ladeschränke, mit denen ihr Partner die Lithium-Ionen-Batterien seiner E-Scooter aufladen kann. Was war der Grund für die Kooperation?

Philippe Op de Beeck: „Ziel der Zusammenarbeit ist, Logistikaufwand und damit auch CO2-Emissionen einzusparen. In Düsseldorf läuft die Kooperation bereits, weitere gemeinsame Standorte in Deutschland und Europa sollen bald folgen. Die Partnerschaft mit TIER zeigt, wie wir mit innovativen Konzepten neue Zielgruppen zur Nutzung unserer Parkhäuser erschließen. Damit fördern wir auch die Elektromobilität und leisten so einen Beitrag zum Klimaschutz.“  

HI HEUTE: Aktuell vermeldet Ihr Unternehmen, dass Sie auch mit UPS international kooperieren. Es geht um umweltfreundliche Mikrologistik. Bereits seit einigen Jahren nutzt der Paketdienst Ihre Parkhäuser in Irland und seit 2021 auch in Deutschland, um Lieferungen von großen Lkw-Containern auf Lastenfahrräder zu verladen und sie damit zu den Kunden zu bringen. Soll die Zusammenarbeit weiter ausgebaut werden?

Philippe Op de Beeck: Ja, das ist nur der Anfang. Und ein gutes Beispiel für einen großen Vorteil von uns. Unsere Partner, egal ob großer Konzern oder Startup, wissen es sehr zu schätzen, dass sie Ihre Expansionspläne mit nur einem Vertragspartner umsetzen können. Sobald klar ist, dass das Geschäftsmodell funktioniert, steht einer Skalierung und einem schnellen Rollout in mehreren europäischen Ländern nichts im Weg. Davon profitieren dann auch die Eigentümer der Parkimmobilien, denn nur durch die Größe unserer Gruppe kommen wir als Partner überhaupt in Frage und können in dem jeweiligen Parkhaus diese zusätzlichen Services anbieten.

HI HEUTE: Vorfahren, aussteigen, das Auto parkt allein. Vor kurzem konnten sich Besucher in der Hamburger HafenCity davon persönlich überzeugen. Wird das Modellprojekt Folgen haben?

Hansjörg Votteler: „Jeweils 25 Zuschauer konnten in den rund halbstündigen Vorführungen miterleben, wie Pkw wie von Geisterhand gesteuert ihren Weg durch das Parkdeck zu einem freien Stellplatz finden. Sie weichen dabei überraschenden Hindernissen aus und parken schließlich punktgenau ein – alles, ohne dass ein Mensch eingreifen müsste. Die Demonstration ist der Abschluss des Forschungsprojekts SynCoPark. Mittelfristig soll mit Hilfe der neuen Technologie die langwierige Parkplatzsuche, das umständliche Rangieren in die Parklücke und ein langer Fußweg aus dem Parkhaus der Vergangenheit angehören.

Um das autonome Parken zu ermöglichen, wurde das Parkhaus der Elbphilharmonie genau vermessen und aus den Daten eine präzise digitale Karte erstellt. Zusätzlich wurde es in Teilbereichen mit Kameras ausgestattet, die mit einem Computer vernetzt sind. Auto und Infrastruktur kommunizieren über standardisierte Schnittstellen. Wir sind sehr stolz, dass in einem unserer schönsten Parkhäuser in Hamburg die neuen Technologien zum Einsatz kommen. Damit machen wir einen Riesenschritt in die Zukunft. In einigen Jahren wird es völlig normal sein, dass sich intelligente Fahrzeuge selbständig ein- und ausparken.“

Über die APCOA PARKING Deutschland GmbH

Die APCOA PARKING Deutschland GmbH hat ihren Sitz am Stuttgarter Flughafen und bietet ihren Kunden mehr als 230.000 Parkplätze an rund 300 Standorten in über 80 Städten. Das Unternehmen steht für ein modernes Parkraummanagement in Innenstädten, an Flughäfen, Messen, Einkaufszentren, Hotels und Krankenhäusern in ganz Deutschland. APCOA wurde als fairstes Unternehmen 2019 im Bereich Parkhausbetreiber von Focus Money ausgezeichnet.

Das Unternehmen gehört zur APCOA PARKING Group, Europas führendem Parkraumbetreiber. Mit seinen 5.000 Mitarbeitern bewirtschaftet das Unternehmen mehr als 1,5 Millionen Einzelstellplätze an über 12.000 Standorten in 13 europäischen Ländern.

Erstellt von Thorsten Müller