HI-HEUTE-Exklusiv-Interview mit Steffen Rosenbauer, Geschäftsführer für Deutschland beim Non-Food-Discounter Action

Steffen Rosenbauer, Geschäftsführer der Action Deutschland GmbH. Foto: Action

Steffen Rosenbauer ist Geschäftsführer für die Region Deutschland beim europäischen Non-Food-Discounter Action, der auch in Deutschland immer erfolgreicher und in Kürze seine 200. Filiale eröffnen wird. Sechs Millionen Kunden kaufen europaweit jede Woche hier ein. HI-HEUTE-Chefredakteur Thorsten Müller sprach mit dem Deutschland-Chef über die Philosophie und die Wachstumspläne, aber auch über „Action“ als sozialen Treffpunkt. 

 

HI-HEUTE: Was ist das Erfolgsrezept von Action und auch der Grund dafür, dass Sie bereits mehrfach die Auszeichnung Retailer des Jahres erhalten haben?

 Steffen Rosenbauer: Es ist bei uns ein Zusammenspiel dreier Faktoren: erstens die niedrigen Produktpreise – kein Artikel ist in der Qualität woanders günstiger zu bekommen, zweitens das breite Sortiment mit konstant rund 6000 Artikeln, verteilt auf 13 Kategorien und drittens das Überraschungsmoment, weil wir jede Woche 150 bis 200 neue Artikel anbieten. 

Diese Kombination war wohl auch dafür ausschlaggebend, dass wir dreimal hintereinander als Europas Retailer des Jahres ausgezeichnet wurden.

HI-HEUTE: Was unterschiedet Action von anderen Anbietern günstiger Non-Food-Produkte?

Steffen Rosenbauer: Bei uns wird der Kunde zum Schatzsucher. Wer all unsere Produkte am Ende eines Jahres gesehen haben will muss dazu einmal pro Woche in unseren Markt kommen.  Hier gibt es immer was Neues zu entdecken: Nebenüberraschenden oder saisonalen Trendprodukten, findet man auch das, was man für seinen Alltag benötigt – egal, ob die Chipstüte, das Schraubenzieher-Set, die Bettwäsche, das Putzmittel, die Zahncreme oder diverses Autozubehör - , dabei wechseln  die jeweiligen Ausführungen und Marken . Mit dieser Philosophie haben wir in Europa ein Alleinstellungsmerkmal.

HI-HEUTE: Hat Ihr Erfolg auch vielleicht damit etwas zu tun, dass Sie mit Ihrem Angebot ein bisschen in die Rolle der kaum noch existenten Warenhäuser springen, wo man ja früher auch "alles Mögliche“ bekam?

Steffen Rosenbauer: Mag sein, aber das Warenhaus verfolgt ein ganz anderes Konzept (viel tieferes Sortiment, natürlich auch höhere Preisen) und hat eine ganz andere Lage, nämlich in aller Regel mitten in der Innenstadt.

HI-HEUTE: Welche Standorte sind denn für Sie interessant bzw. welche Kriterien bei der Entscheidung zugunsten einer Neueröffnung entscheidend?

Steffen Rosenbauer: Wir haben den Vorteil, fast alles machen zu können, funktionieren auch als Stand Alone, denn wir können ohne andere Attraktionen oder Geschäfte in der Umgebung für eine hohe Frequenz sorgen. Mal sind wir in einem Fachmarktcenter, mal in einem Gewerbegebiet und eben manchmal auch ganz ohne unmittelbaren Einzelhandelsanschluss. Wichtig sind bei uns unter anderem nur eine bestimmte Größe (mindestens 650 qm Verkaufsfläche) ausreichend Parkplätze und eine gute Erreichbarkeit. Bei diesen genannten Punkten gehen wir auch keine Kompromisse ein.

 HI-HEUTE: Wie hat Action eigentlich angefangen?

Steffen Rosenbauer: Das begann 1993 in Westfriesland, also in den Niederlanden, wo zwei Brüder und ein gemeinsamer Freund das Konzept entwickelten und die erste Filiale eröffneten. 2011 haben sie jedoch an eine Private-Equity Company verkauft.

HI-HEUTE: Wie sieht Ihr Expansionsfahrplan für Deutschland bzw., den deutschsprachigen Raum aus (nächsten 5 Jahre)?

Steffen Rosenbauer: 2016 haben wir hier 60 Filialen eröffnet. In diesem Jahr werden es noch ein paar mehr. Die 200. deutsche Filiale geht definitiv noch 2017 an den Start. 136 waren es noch Ende 2015. In den kommenden Jahren wollen wir in einem ähnlichen Tempo wachsen. Auch ein zweites deutsches Logistikzentrum werden wir im kommenden Jahr eröffnen, was zeigen soll, dass wir auch in Deutschland langfristig und nachhaltig planen. Wir werden aber keine detaillierten Prognosen veröffentlichen, denn unsere niederländisch-westfriesische Herkunft lässt uns bodenständig und bescheiden bleiben. Action lässt lieber hinterher die Zahlen sprechen!

HI-HEUTE: Ihre Märkte sind inzwischen auch vor allem bei Frauen zu sozialen Treffpunkten avanciert. Ist das richtig?

Steffen Rosenbauer: Ja, das kann man durchaus so sagen. Man geht gemeinsam auf Schatzsuche und stellt seine Erfahrungen anschließend gern auf Facebook und Co.; die unabhängige, von Kunden gegründete Action-Fan-Gruppe Deutschland hat zum Beispiel derzeit knapp 58.000 Follower.

HI-HEUTE: Abgesehen vom Wachstumsaspekt: Haben Sie hinsichtlich Ihres Sortiments und beispielsweise der Warenpräsentation oder Architektur der Läden bereits Pläne oder Visionen?

Steffen Rosenbauer: Wir haben ein standardisiertes Format, dass wir auch in Zukunft nicht neu erfinden werden.  Dennoch sind wir natürlich ständig bemüht für den Kunden Optimierungen zu schaffen und uns so kontinuierlich weiterzuentwickeln. Man hat uns mal gesagt, wir werden sicher sobald keine Schönheitspreise für unsere Architektur bekommen, aber natürlich verfolgen wir die neuen Optiken diverser Lebensmittel- und anderer Märkte mit großem Interesse. Wichtig ist uns primär, dass die Architektur und Warenpräsentation zu unserer Philosophie passen muss.

 

Anders als mancher Wettbewerber im Non-Food-Geschäft, investieren wir bei Ladenübernahme von Anfang an. Ein neuer Fliesenboden, eine neue Decke und eine Klimaanlage sind bei uns die Regel. Grundsätzlich mieten wir nur und bauen nicht. Aber natürlich sind wir hin und wieder mal in einem Neubau präsent und können dann auch die Einrichtung schon während der Planungsphase mitbestimmen. 

Erstellt von Thorsten Müller