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Die Gastronomie ist weit mehr als ein Ort zum Essen und Trinken – sie ist ein zentraler Baustein für Lebensqualität, Wirtschaftskraft und internationales Ansehen. Im Interview, das im Rahmen des aktuellen HI HEUTE-Digitalmagazins „GastroSpaces“ entstand, erklärt der Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, Dr. Stephan Keller, warum kulinarische Vielfalt für Düsseldorf so entscheidend ist, welche Impulse das Projekt „Chefs in Town“ setzt und wie die Stadt Gastronominnen und Gastronome gezielt unterstützt. Dabei wird deutlich: Gastronomie prägt nicht nur das Image der Landeshauptstadt, sondern ist auch Motor für Innovation, Nachhaltigkeit und urbane Entwicklung.
HI HEUTE: Dr. Keller, warum ist das Thema Gastronomie aus Ihrer Sicht ein wichtiger Baustein der Stadtentwicklung in Düsseldorf?
Dr. Stephan Keller: Eine lebendige Gastronomie ist elementar für eine florierende Stadt und wirkt sich positiv auf andere Branchen aus. So profitieren Einzelhandel und Tourismus durch die Steigerung der Aufenthaltsqualität. Zudem belebt die Gastronomie Stadtteile, erhöht die Besucherfrequenz, schafft soziale Verbindungen, stärkt Quartiere und macht sie lebendig. Die Stadt gewinnt an Identität und Charakter – Faktoren, die für Düsseldorf als internationale Metropole und Wirtschaftsstandort zentral sind und die Landeshauptstadt auch als Arbeitgeberstandort attraktiv machen.
HI HEUTE: Welche persönliche Motivation haben Sie, das Projekt „Chefs in Town“ zu unterstützen?
Dr. Stephan Keller: Die Gastro-Events in unserer Stadt, wie Frankreichfest, Gourmetfestival oder Japantag, besitzen eine große Strahlkraft, sind aber häufig auf einen Ort begrenzt. Chefs in Town hingegen verbindet das gesamte Stadtgebiet und stellt die kulinarische Vielfalt in Innenstadt und Stadtteilen in den Vordergrund. Gerade diese Verbindung über Stadtgrenzen hinweg und die Vielfalt der teilnehmenden Betriebe ist für mich eine besondere Motivation, das Projekt zu fördern.
HI HEUTE: Wie hoch ist die wirtschaftliche Bedeutung der Gastronomiebranche für Düsseldorf?
Dr. Stephan Keller: Die Gastronomie ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor und prägt das Lebensgefühl der Stadt. Über 13.500 Beschäftigte, mehr als 4.000 Ausbildungsplätze und über 180 Nationalitäten zeigen die Stärke dieser Branche. Sie trägt wesentlich zum Tourismus bei – 2024 mit über 3,3 Millionen Ankünften und 5,5 Millionen Übernachtungen – und macht Düsseldorf durch Veranstaltungen wie Gourmet-Festival oder Japantag auch international sichtbar. Gastronomie ist Arbeitsplatzmotor und Ausdruck unserer Offenheit und Lebensqualität.
HI HEUTE: Sehen Sie durch Projekte wie „Chefs in Town“ konkrete Impulse für Innenstadt oder Quartiere?
Dr. Stephan Keller: Indem Restaurants, Cafés und Bars in den Fokus gerückt werden, erhalten Betriebe zusätzliche Sichtbarkeit und können neue Gäste gewinnen. Die Gastronomie wird stärker als Teil des urbanen Erlebnisses wahrgenommen und setzt Anreize, neue Highlights kennenzulernen. Damit tragen solche Projekte zur Belebung der Quartiere bei und steigern gleichzeitig die Attraktivität der Innenstadt als lebendigen Ort für Bewohner und Besucher.
HI HEUTE: Wie lässt sich der Beitrag der Gastronomie zur Wertschöpfungskette beziffern?
Dr. Stephan Keller: Exakte Zahlen sind schwer, doch der Einfluss ist enorm: Gastronomie wirkt als Knotenpunkt zwischen Arbeitsmarkt, Hotellerie, Tourismus und Einzelhandel. Vom Bäckereibetrieb bis zum Großhandel profitieren zahlreiche Dienstleister. Zunehmend wichtig ist auch die Nachfrage nach Nachhaltigkeit und Regionalität. Gleichzeitig bringt Gastronomie Frequenz in die Innenstadt und steigert die Attraktivität des Standorts weit über die Branche hinaus.
HI HEUTE: Welche Rolle spielt Gastronomie bei der Attraktivität von Stadtteilen?
Dr. Stephan Keller: Sie ist entscheidend für die Attraktivität von Quartieren. Vielfalt und Qualität der Angebote fördern Begegnung, verlängern Aufenthalte und schaffen Atmosphäre. „Chefs in Town“ kann zudem leerstehende Immobilien oder brachliegende Flächen aktivieren – wie etwa bei der Renovierung der Florabars in Düsseldorfer Grünanlagen. Solche Initiativen zeigen, wie Gastronomie Impulse für Stadtentwicklung setzt.
HI HEUTE: Wie fördern Sie als Stadt gastronomische Vielfalt?
Dr. Stephan Keller: Wir unterstützen durch Bauleitplanung, in der Gastronomie fast überall zulässig ist. Außengastronomie wurde verstärkt gefördert, u. a. durch Nutzung von Parkflächen während und nach der Corona-Pandemie. Unser Ansprechpartner im Wirtschaftsförderungsamt begleitet Genehmigungen eng und pragmatisch, um Lösungen zu finden. Diese enge Begleitung trägt dazu bei, Vielfalt und Qualität der Szene dauerhaft zu sichern
HI HEUTE: Inwiefern zahlt „Chefs in Town“ auf das Image Düsseldorfs ein?
Dr. Stephan Keller: Düsseldorf ist seit Jahren als kulinarisch vielfältige Stadt bekannt – Ausdruck internationaler Identität als Messestandort, Wirtschaftsmetropole und Einwanderungsstadt. Chefs in Town schafft Sichtbarkeit für die Gastronomiebetriebe und fördert das Image Düsseldorfs als kreatives, modernes und zukunftsgewandtes kulinarisches Zentrum.
HI HEUTE: Welche Rolle spielt innovative Gastronomie für den Tourismus?
Dr. Stephan Keller: Immer mehr Städtereisende suchen nach besonderen kulinarischen Erlebnissen – von Fine Dining und innovativen Food-Konzepten bis zu Szene-Cafés und Streetfood. Eine lebendige Gastro-Szene steigert die Attraktivität einer Destination und fördert Profilbildung im Wettbewerb. Düsseldorfs Stärke ist die Vielfalt auf engem Raum, die immer authentisch geblieben ist und so schwer reproduzierbar ist.
HI HEUTE: Wie unterstützt die Stadt Gastronominnen und Gastronome in unsicheren Zeiten?
Dr. Stephan Keller: Wir bieten einen festen Ansprechpartner im Wirtschaftsförderungsamt, fördern Vernetzung und Fachkräftegewinnung – etwa mit dem Azubi-Event „Taste up!“. Zudem wurden Genehmigungen für Außenterrassen vereinfacht. Da die Stadtverwaltung nur bedingt Einzelunternehmen finanziell fördern kann, habe ich mich persönlich für die dauerhafte Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf sieben Prozent eingesetzt, die ab 2026 gilt und der Branche dringend notwendige Entlastung bringt.
HI HEUTE: Welche Maßnahmen wurden im Rahmen von „Chefs in Town“ mitgetragen?
Dr. Stephan Keller: Zum Auftakt 2024 veranstaltete die Stadt ein eigenes B2B-Event, bei dem Speaker Einblicke aus der Branche gaben. In diesem Jahr liegt der Fokus erneut auf Sichtbarkeit und Nachwuchs, ähnlich wie bei „Taste up!“. Gemeinsam mit Wirtschaftsdezernent Christian Zaum werde ich aktiv dabei sein. Zudem unterstützen wir die Organisatoren bei Genehmigungsfragen.
HI HEUTE: Wo sehen Sie die Düsseldorfer Gastronomie in fünf bis zehn Jahren?
Dr. Stephan Keller: Sie wird ihre Vielfalt noch stärker als Markenzeichen ausspielen – von internationaler Spitzenküche bis Traditionsbetrieben. Nachhaltigkeit wird selbstverständlich sein: regionale Produkte, klimafreundliche Modelle und Transparenz bei Herkunft und Tierwohl prägen die Branche. Digitalisierung verändert Betriebsabläufe, von smarter Warenwirtschaft bis zu neuen Gästetools. Dank der internationalen Community bleibt Düsseldorf ein Ort kulinarischer Trends, an dem neue Konzepte entstehen.
HI HEUTE: Welche langfristigen Effekte erwarten Sie von „Chefs in Town“?
Dr. Stephan Keller: Das Event hat 2024 einen großartigen Start hingelegt. Ich wünsche mir, dass es sich etabliert und neue Trends hervorbringt, die die Innovationskraft sichern. Düsseldorf kann sich so gastronomisch regelmäßig neu erfinden. Für die Stadtentwicklung bedeutet das: mehr Sichtbarkeit, stärkere Bindung von Gästen und Investitionen in Gastronomie als Zukunftsbranche.
HI HEUTE: Was war Ihr persönliches Highlight beim Projektstart – und worauf freuen Sie sich?
Dr. Stephan Keller: Die große Bandbreite der teilnehmenden Gastronominnen und Gastronomen und ihre Offenheit für Neues. Es war eine spontane Idee, die gezündet hat und sofort durchgestartet ist – ein Beispiel für die kreative Energie Düsseldorfs. Besonders freue ich mich, dass wir gemeinsam mit der METRO AG die Rolling Pin. Convention von Berlin nach Düsseldorf holen konnten. Dieses Ereignis stärkt nicht nur die Gastro-Szene, sondern auch Düsseldorfs Profil als internationale Kulinarik-Metropole.
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