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ALDI SÜD ist auf der EXPO REAL an mehreren Ständen präsent. Das Unternehmen setzt weiter auf die Optimierung des Filialnetzes. Was hier besonders wichtig ist und wie die Realisierung quantitativ und qualitativ aussieht, verriet Jan Riemann, der für die Immobilienentwicklung im Hause verantwortlich ist, im Interview mit HI HEUTE-Chefredakteur Thorsten Müller anlässlich des soeben veröffentlichten Digitalmagazins „HI EXPO“.
HI HEUTE: Wie hat sich aus Ihrer Sicht das bisherige Geschäftsjahr gestaltet? Was waren Ihre Schwerpunkte und spannendsten Projekte
Jan Riemann: Unsere Bauprojekte machen weiter Fortschritte. Unsere Mixed-Use-Entwicklungen in Nürnberg und Landau in der Pfalz sind abgeschlossen, in Frankfurt am Main konnten wir Richtfest feiern. Zeitgleich hat die Revitalisierung unseres Fachmarktzentrums in Kenn bei Trier begonnen, und beim Filialbau setzen wir die Tests neuer Modelle fort. Die Einsparung von Zeit und Ressourcen ist ein Schwerpunkt – nicht nur beim Neubau, auch bei der Renovierung von Standorten.
HI HEUTE: Die Digitalisierung und mit ihr der Einsatz von KI ist auch in der Lebensmittelbranche deutlich vorangeschritten. Erzählen Sie uns, auf welchen Feldern dies aktuell vornehmlich geschieht?
Jan Riemann: Bei der Weiterentwicklung unseres Filialnetzes helfen uns Digitalisierung und KI-Anwendungen vor allem in zwei Bereichen. Zum einen geht es um die Vergabe von Bauleistungen. Dafür nutzen wir bereits seit Jahren eine Online-Plattform, die uns hilft, Angebote besser zu vergleichen und herauszufordern. Das Tool hat einen großen Anteil daran, dass wir den Baukostenindex in den vergangenen Jahren um etwa fünf Prozent geschlagen haben. Daneben spielen Digitalisierung und KI bei der Bewertung unserer bestehenden sowie von potenziellen neuen Filialstandorte eine zunehmend wichtige Rolle. Entsprechende Tools helfen uns, unterschiedliche Entwicklungsszenarien zu prüfen und genauere Voraussagen über die erwartete Entwicklung lokaler Umfelder zu treffen. Das hilft uns, unser Ziel zu erreichen, den Kundinnen und Kunden dauerhaft nah zu sein.
HI HEUTE: Wenn Sie sich heute für einen neuen Standort entscheiden, kommen da nicht inzwischen sehr viel mehr Formate und Kombinationen in Frage als noch vor ca. fünf Jahren? Was alles ist hier interessant und relevant für Sie?
Jan Riemann: Für uns ist all das interessant, was uns den Kundinnen und Kunden näherbringt. Einerseits geht es um die räumliche Dimension. In Städten und Ballungsgebieten sind wir die Vorratskammer nebenan – immer einfach und schnell zu erreichen. Nähe meint bei uns aber auch: Kompatibilität mit Alltagsroutinen. Wer neben dem Einkauf noch weitere Besorgungen vor Ort erledigen kann, spart Zeit und Ressourcen. So erleichtern Zusatznutzungen wie Wohnungsbau, Kitas, Gastronomie oder weiterer den Alltag, und das steigert ihre Attraktivität nachhaltig.
Wir verfügen mittlerweile über ein erprobtes Repertoire vielfältiger Standortkonzepte, um Standorte mit lokaler Relevanz zu entwickeln. Die Palette reicht vom platzsparenden Modell für die City über zeitgemäß ausgestattete Freestander mit Standortpartnern in ländlichen Gebieten bis hin zu Mixed-Use-Entwicklungen und Fachmarktzentren. Mit diesem Werkzeugkoffer bauen wir Einzelhandelsimmobilien, die ihr Umfeld zuverlässig versorgen und lokale Infrastruktur stärken.
HI HEUTE: Immer mehr spielen ESG-Kriterien eine Rolle, die in der Praxis Umsetzungen nicht selten erschweren oder zumindest deutlich kostspieliger machen. Wie gehen Sie damit um?
Jan Riemann: Als international agierender Nahversorger sind wir in der Verantwortung, sozial, umweltverträglich sowie klima- und ressourcenschonender zu wirtschaften. Nachhaltigkeit ist Teil unseres Geschäftsmodells. Das gilt auch für die Entwicklung und den Betrieb unserer Filialstandorte. Wir bringen schon eine nachhaltige Grundausstattung mit, die von nachhaltiger Energienutzung, effizienter Gebäudetechnik und dem Einsatz umweltschonender Kältemittel in unseren Filialen bis zum flächendeckenden Angebot von E-Ladestationen reicht.
Bei der Entwicklung unserer Filialen arbeiten wir eng und partnerschaftlich mit den jeweiligen Städten und Kommunen zusammen. Gemeinsam mit ihnen prüfen wir, welche ergänzenden ESG-relevanten Maßnahmen sinnvoll sein könnten. Dabei verlieren wir die Wirtschaftlichkeit nicht aus den Augen. Zusätzliche Investitionen lohnen sich für uns, wenn wir dadurch Ressourcen schonen und den Standort für sein Umfeld attraktiver machen.
HI HEUTE: Werden Sie mit Ihrem Schwester-Unternehmen ALDI-NORD zukünftig noch intensiver zusammenarbeiten?
Jan Riemann: Wir sind mit ALDI Nord familiär verbunden und arbeiten in vielen Bereichen eng zusammen. Dazu gehören der Einkauf, das Marketing, die Eigenmarkengestaltung oder auch die Qualitätssicherung. Auch wenn wir nicht strukturell verbunden sind, tauschen wir uns in den Bereichen Real Estate und Filialnetzentwicklung eng mit den Essener Kollegen aus.
Auf dieser Basis haben wir zuletzt eine gemeinsamen Baubeschreibung für Filialneubauten entwickelt. Äußerlich bleibt der Wiedererkennungswert von ALDI Nord und ALDI SÜD erhalten. Ebenso treten beide Marken mit einem eigenen Filialkonzept in ihren Vertriebsgebieten auf. Aber für die Grundkonstruktion gilt künftig ein einheitlicher Baustandard in Holzrahmenbauweise.
Das bringt uns vielfältige Vorteile. Die Herstellung von Bauprodukten aus Holz spart Ressourcen und erfordert weit weniger Energie als die Produktion anderer Baustoffe wie Mauerziegel, Stahl oder Zement. Vorgefertigte Holzbauteile vereinfachen zudem die Arbeiten und sparen Zeit in der Bauphase. Holz ist ein natürlicher Baustoff, der Wärme ausstrahlt. Es erzeugt ein angenehmes Raumklima und hilft, den Feuchtigkeitsgehalt in der Raumluft zu regulieren.
Auch wenn wir zwei unterschiedliche Unternehmen sind, setzen wir so gemeinsam ein Zeichen für mehr Effizienz und Kostenbewusstsein.
HI HEUTE: Welche Erwartungen haben Sie an das kommende Jahr? Was könnte und sollte sich ändern? Was stimmt Sie zuversichtlich, um ihre schon jetzt definierten Ziele erfolgversprechend angehen zu können?
Jan Riemann: Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass wir unser Filialnetz auf unterschiedlichen Wegen optimieren können. Unsere Mixed-Use-Strategie trägt erste Früchte. Wir haben bereits mit unterschiedlichen Partnern mehrere neue Filialstandorte in attraktiven Lagen eröffnen können. Weitere, unter anderem neue Projekteideen sind in Vorbereitung oder bereits im Bau. In Mannheim bauen wir eine neue Filiale, über der ein Studierendenwohnheim entsteht. In der Nähe von Stuttgart bauen wir drei Filialen mit Kitas on top.
Diese Fortschritte zeigen, dass wir auch unter schwierigen Rahmenbedingungen in der Lage sind, mit guter, vertrauensvoller Zusammenarbeit neue Handelsstandorte zu entwickeln. Grund zu Optimismus gibt mir außerdem, dass auf politischer Ebene Bewegung ins Bauen kommt: Die vom Bundeskabinett beschlossenen Instrumente zur Planungsbeschleunigung, der sogenannte Wohnungsbauturbo, sind aus unserer Sicht vielversprechend. Sie müssen nun in der kommunalen Praxis Anwendung finden und auf gemischt genutzte Gebäude ausgeweitet werden − damit mehr solcher Bauten in unseren Städten entstehen können.
Mehr Beiträge aus unserem Digitalmagazin „HI EXPO“: https://hi-spezial.de/view/14
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