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Joe Streiber ist Leiter für Expansion und Projektentwicklung von Eigenimmobilien bei der Dirk Rossmann Immobiliengruppe. Er ist für die strategische Planung, Erschließung und Realisierung neuer Filialstandorte sowie für Bauprojekte der Drogeriekette verantwortlich. HI HEUTE-Chefredakteur Thorsten Müller führte mit ihm im Rahmen des soeben erschienenen Digitalmagazins LEH-Radar ein Interview.
HI HEUTE: Wie identifizieren Sie bei Rossmann potenzielle neue Standorte, bevor überhaupt in die Detailprüfung gegangen wird?
Joe Streiber: Wir schauen uns als Projektentwickler sehr genau an, wo potenzielle Kunden sind und wo wir noch Bedarfe sehen. Dabei hilft uns unter anderem eine datengestützte Analyse der Bevölkerungsdichte, viel Erfahrung und der bestehenden Nahversorgung vor Ort. Am Ende geht es im ersten Schritt schlicht darum, pragmatisch zu bewerten, ob ein Standort das Potenzial hat, die täglichen Bedürfnisse der Menschen im Umkreis zu decken.
HI HEUTE: Welche Kriterien sind für Sie in der frühen Phase der Standortentwicklung entscheidend: Frequenz, Umfeld, Wettbewerbsumfeld, Mikrolage oder die baurechtliche Ausgangslage?
Joe Streiber: Für uns steht die Mikrolage und die damit verbundene Frequenz ganz oft an erster Stelle, denn wir müssen da sein, wo die Menschen sowieso ihren Wocheneinkauf erledigen. Ein starkes Umfeld, etwa durch einen etablierten Lebensmitteleinzelhändler direkt nebenan, ist für uns immer von Interesse. Das Baurecht ist natürlich die Pflichtaufgabe, aber ohne die richtige Lage nützt uns am Ende auch die beste Genehmigung nichts.
HI HEUTE: Wie gehen Sie vor, um bei einem interessanten Objekt die baurechtlichen Voraussetzungen zu klären und mögliche Hürden frühzeitig zu erkennen?
Joe Streiber: Wir setzen hier voll auf die langjährige Erfahrung unseres eigenen Projektentwicklungsteams, das die Gegebenheiten vor Ort sehr schnell und treffsicher einschätzen kann. Der direkte, transparente Dialog mit den Kommunen und Bauämtern ist von Tag eins an entscheidend, um Missverständnisse gar nicht erst entstehen zu lassen. Wir prüfen frühzeitig und sehr pragmatisch, ob unsere Anforderungen mit dem Baurecht vereinbar sind und welche Maßnahmen gegebenenfalls notwendig sind, um Baurecht zu erlangen.
HI HEUTE: Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen in der Projektentwicklung von Handelsimmobilien: eher im Grundstücksmarkt, im Baurecht oder in der Abstimmung mit den Kommunen?
Joe Streiber: Die größte Bremse ist derzeit sicherlich die zunehmende Bürokratie und die lange Dauer von Genehmigungsverfahren. Es dauert heute oft einfach viel zu lange, bis aus einer guten Idee ein fertiger, moderner Markt wird. Auch die gestiegenen Baukosten machen viele Projekte komplexer, weshalb eine enge und lösungsorientierte Abstimmung mit den Kommunen wichtiger denn je ist. Zudem muss oftmals ein Bewusstsein bei den städtischen Entscheidungsträgern für die heutigen Standortanforderungen sensibilisieret werden.
HI HEUTE: Wie hat sich die Gesprächssituation mit Eigentümern und Investoren in den vergangenen Jahren verändert, gerade mit Blick auf Preisvorstellungen und Renditeerwartungen?
Joe Streiber: Durch die veränderten Zinsen und die Inflation mussten sich die Preisvorstellungen auf beiden Seiten in den letzten Jahren erst einmal neu finden bzw. noch finden. Wir merken, dass die Verhandlungen intensiver geworden sind, weil manche Erwartungen auf dem Markt noch an die alten Boomjahre anknüpfen. Als bonitätsstarker und verlässlicher Bestandshalter bieten wir jedoch Sicherheit und Flexibilität, davon können beide Seiten profitieren.
HI HEUTE: Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit Behörden, Nachbarn und weiteren Stakeholdern, wenn aus einer guten Idee am Ende tatsächlich ein genehmigungsfähiges Projekt werden soll?
Joe Streiber: Eine erfolgreiche Ansiedlung funktioniert nur im Miteinander. Wir suchen immer den offenen, ehrlichen Dialog mit allen Beteiligten, um eventuelle Bedenken frühzeitig auszuräumen und zu zeigen, dass eine von unseren Projektentwicklungen eine echte Aufwertung für die betreffenden Protagnisten ist. Am Ende geht es darum, dass ein nachhaltiger Standort entstehen kann und Bedarfe gedeckt werden.
HI HEUTE: Gibt es typische Gründe, warum ein Standort trotz guter Lage am Ende nicht weiterverfolgt wird?
Joe Streiber: Das ein Standort nicht weiterverfolgt wird, kann ich so nicht bestätigen. Wir schauen immer, dass wir eine gute Lösung für unsere Idee hinbekommen und wir letztlich und unter anderem mit Geduld überzeugen können.
HI HEUTE: Was macht für Sie persönlich eine erfolgreiche Standortentwicklung aus: ein schneller Abschluss, ein baurechtlich sauber entwickeltes Projekt oder ein langfristig wirtschaftlich tragfähiger Markt?
Joe Streiber: Ganz klar: Ein langfristig wirtschaftlich tragfähige Projektentwicklung und Expansion, in dem die Kunden gerne einkaufen und sich alle Beteiligten wohlfühlen. Ein schneller Abschluss bringt uns überhaupt nichts, wenn das Projekt nicht zu Ende gedacht ist. Für mich ist ein Projekt dann so richtig erfolgreich, wenn es auch in fünfzehn, zwanzig Jahren und mehr noch ein fester und beliebter Anlaufpunkt für die Menschen vor Ort ist.
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