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MEC und ECE sind nach der Ausstiegs-Bekanntgabe der Metro AG, ihren Anteil an dem Joint-Venture zu veräußern, noch näher zusammengerückt. Denn: Der Großhändler konzentriert sich schon seit längerem vor allem wieder auf sein Kerngeschäft und zeigt darum auch kein Interesse mehr an Unternehmensbeteiligungen, bei denen Einzelhandel im Fokus steht. Wie aber sieht aktuell die Zusammenarbeit der beiden aus und wie positionieren sie sich hinsichtlich der großen Herausforderungen unserer Zeit? Dies stand im Mittelpunkt des ersten Doppelinterviews der Firmengeschichte, das die beiden Manager Christian Schröder (MEC) und Ulrich Schmitz (ECE) HI HEUTE-Chefredakteur Thorsten Müller am Unternehmenssitz der MEC in Düsseldorf gaben.
HI HEUTE: Welche Rolle spielt Retail derzeit im deutschen Transaktionsmarkt? Warum gelten gerade Fachmarktzentren als verlässliche Assetklasse auch unter ESG- und Renditeaspekten? Und wie sieht‘s mit dem diesbezüglichen Standing der Shopping Center aus?
Ulrich Schmitz: Das Transaktionsgeschäft hatte ja während der Corona-Pandemie im Grunde gar nicht stattgefunden. Und auch danach lief es aus bekannten Gründen auch noch sehr zurückhaltend. Inzwischen aber kommt das Kapital zurück. Handelsimmobilien und auch speziell Shopping Center werden wieder nachgefragt, was auch daran liegt, dass es genügend Zeit gab, ihre Stress-Tauglichkeit und Resilienz unter Beweis zu stellen. Überraschend ist jedoch, dass es auf Investorenseite andere Player sind als vor der Pandemie, die hier erfolgreich bieten. Weiterhin kann man sagen, dass das Interesse besonders dominanten Centern in Top-Lagen gilt.
Christian Schröder: Die Pandemie hat dem Fachmarktcenter-Geschäft, den Nahversorgungsimmobilien und vor allem den lebensmittelgeankerten Nahversorgern gar nicht geschadet – eher im Gegenteil. Die starke Home-Office-Entwicklung hat für positive Effekte gesorgt, was die Umsätze bei den Lebensmittlern betrifft. Auch nach Corona gab es keinen nennenswerten Rückgang, so dass wir uns hier auf einem weiterhin guten Niveau bewegen. Investoren schätzen Fachmarktcenter mehr denn je wegen ihrer Stabilität und Resilienz. Bei Shopping-Center-Investments tut sich aber gerade einiges, da die neu hinzugekommenen Marktplayer anders ticken und Chancen und Risiken modifiziert betrachten.
HI HEUTE: Wie schneidet der deutsche Handelsimmobilienmarkt im internationalen Kontext ab?
Ulrich Schmitz: Man kann europaweit in der Tat einige Unterschiede feststellen. Auf dem Markt in Ost-Europa, speziell in Tschechien und Polen, passiert gerade eine Menge, auch in Spanien und Italien ist einiges in Bewegung – auch wenn Prozesse dort noch nicht wirklich abgeschlossen sind. In Deutschland tut sich derzeit noch nicht wirklich viel, aber es ist doch sehr erfreulich, wenn die Immobilien Zeitung vermeldet, dass im Transaktionsgeschäft der Handelsimmobilien-Bereich den Office-Bereich überholt hat. Die zuletzt immer wieder aufkommenden Unkenrufe, der Handel – und mit ihm die Handelsimmobilien – seien tot, haben sich im Gegenteil zum Glück nicht erfüllt.
Christian Schröder: Wir konzentrieren uns gezielt auf den deutschen Markt, weil wir hier die Trends und Entwicklungen besonders genau kennen und mit maßgeschneiderten Lösungen agieren können. Hier ist die Nachfrage ja schon über einen längeren Zeitraum sehr stabil, was uns natürlich sehr freut.
HI HEUTE: Wie verändern sich die Typologien von FMZ, hybriden Formaten und klassischen Shopping Centern? Was bleibt differenzierungswürdig und was wächst zusammen?
Ulrich Schmitz: Es hat sich in den letzten Jahren eine Menge verändert. Das gilt für das Publikum, für die Einzugsgebiete und auch in Bezug auf die Konsumentenbedürfnisse. Die Grenzen zwischen dem klassischen Shopping Center und dem Fachmarktcenter verschwimmen zunehmend. Wir als Shopping Center-Manager müssen vor allem Antworten auf die Frage finden, warum sollen Menschen noch in die Innenstädte und damit auch in unsere Center kommen. Das sind heute Angebote, die es vor der Pandemie noch gar nicht gab. Social Media-und Virtual-Reality sind dabei wichtige Treiber. Mit diesen neuen Optionen ergeben sich ganz andere Felder, die dann für diesen immer hybrider werdenden Center-Charakter sorgen. Aber natürlich muss man differenzieren, ob man von einem Nahversorgungscenter mit Lebensmittelschwerpunkt spricht oder von einem großen innerstädtischen. Das eine lief auch in den Pandemiejahren wirtschaftlich zufriedenstellend, das andere benötigt immer mehr außergewöhnliche Angebote und eine optimierte Aufenthaltsqualität, um eine kontinuierlich hohe Publikumsfrequenz zu erzielen.
Christian Schröder: Fachmarktcenter haben lange Zeit ihren Hauptplatz auf der Grünen Wiese gehabt. Die Besucher machten hier ihren großen Wocheneinkauf – natürlich mit dem Auto und auf einem großen, kostenfreien Parkplatz. Die Kaufentscheidung fiel also im Grunde schon vor der Ankunft im Center. Heute zeigt sich ein stark verändertes Bild. Die Center-Standorte verlagern sich zunehmend Richtung Innenstadt. Die Einkäufe finden nicht nur einmal pro Woche, sondern sehr viel häufiger statt. Ladenkonzepte verändern sich und damit auch die Kunden- und Zielgruppen.
Ulrich Schmitz: Durch das Verschwimmen der Grenzen erfolgt auch eine immer stärkere Annäherung in den Aufgabenbereichen zwischen Shopping Center- und Fachmarkt-Center-Management. Der Austausch wird immer wichtiger, das voneinander Lernen immer bedeutsamer.
HI HEUTE: Welche Synergien ergeben sich aus der engen Zusammenarbeit zwischen MEC und ECE? Beispiele: gemeinsames Netzwerk, Konzeptweiterentwicklungen, technische Innovationen im Betrieb etc.
Ulrich Schmitz: Natürlich sind wir zwei eigenständige Unternehmen, die unabhängig voneinander agieren. Aber wir sehen zu, dass wir uns über Markt- und Branchenentwicklung, neue Trends, Konzepte etc. regelmäßig austauschen.
Christian Schröder: Natürlich dreht sich in unseren Gesprächen auch vieles um unsere Mieter, denn die Kundengruppen werden ja immer ähnlicher, überschneiden sich immer häufiger. Aber es geht dabei nicht um die Performance konkreter Mieter, sondern der Mieter allgemein. Ein anderer wichtiger Aspekt ist, dass wir ja schließlich beide Dienstleister für Eigentümer und Investoren sind. Da ist es unsere Aufgabe, herauszuhören, was genau die Themen und Bedürfnisse unserer Auftraggeber sind, um ihnen dann passende Antworten und Lösungen liefern zu können.
Den zweiten Teil dieses Interviews lesen Sie bei HI HEUTE am Freitag.
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