Geht es um Herausforderungen für Städte, sind vor allem die Metropolen im Fokus. B- und C-Standorte werden vernachlässigt. Ein Gastbeitrag.

Hartwig von Saß, Pressesprecher und Projektleiter bei der Deutschen Messe. Foto: privat

In den Diskussionen um die Zukunft der Real Estate Branche geht es in aller Regel um die großen Metropolstädte und ihre Herausforderungen. Dabei sind es gerade die B- und C- Standorte, die jetzt in den Mittelpunkt rücken, und die interessante und sichere Renditen versprechen.

Wenn es um die Zukunft der Innenstädte oder des Wohnungsbaus geht, um Logistikimmobilien oder die Asset-Klasse Büro, dreht sich die Diskussion in aller Regel um Berlin, Frankfurt, Hamburg oder München. Auch die anderen deutschen A-Standorte stehen im Mittelpunkt, wenn Lösungen für die zahlreichen Herausforderungen der Immobilienbranche nach der Corona-Pandemie gesucht und entwickelt werden.

Bochum braucht andere Antworten als Berlin

Denn tatsächlich werden aktuell in den großen Zentren die Fragen auch am lautesten gestellt. In den Städten leben und arbeiten viele Menschen, sie sind Zentren der Wirtschaft und auch der Kultur. Und auch die großen leiden unter den Folgen der Pandemie. Aber: Das ist nur eine Seite der Medaille. Denn viele Millionen Menschen leben auch in den vielen so genannten B- und C-Standorten in Deutschland. Und diese Städte stehen vor genau den gleichen Herausforderungen wie die Metropolen - nur müssen die Antworten und Lösungen andere sein. Bochum braucht andere Antworten als Berlin, Münster andere als München.

Die B- und C- Standorte werden in den Diskussionen allzu oft in die zweite Reihe gerückt oder ganz vergessen, obwohl sie zahlenmäßig überlegen sind. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass sich in der Hitliste nach den sieben A-Standorten über 70 Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern tummeln. Leipzig, Essen, Hannover, Mainz, Wolfsburg und viele weitere.

Brutalität der Corona-Folgen

Einige Herausforderungen stellen sich – auch durch die Corona-Pandemie und ihre Folgen – in der Tat in den vielen mittleren, kleineren Städten mit einer ganz anderen Brutalität und Hartnäckigkeit als in den Millionen-Metropolen. Das Thema Wohnraum oder auch die vielen Leerstände in den Innenstädten. Während in den deutschen Toplagen nach wie vor die Läden nur für Übergänge leer stehen, sehen sich kleinere Städte einem echten Problem gegenüber und müssen sehr schnell gegensteuern.  

Dabei haben „die Kleinerein“ auch im Immobilienumfeld für Investoren durchaus was zu bieten: Die Standorte sind noch nicht so stark überhitzt, die Renditen sind stark und auch mit einer hohen Sicherheit versehen.
Auch in den B- und C-Standorten sind die Kosten für die Investitionen zweifelsohne gestiegen. Dennoch sind sie weit von den überzogenen und teils irrwitzigen Preisen in den Metropolen entfernt. Zwar ist auch in den kleineren Städten die Zeit vorbei, dass Grundstücke verschleudert wurden, aber dennoch liegen die Bodenpreise und damit auch die Nebenkosten für eine geplante Investition oftmals weit unter denen in den A-Städten. Und das bei höheren Renditen.

Wenn es um Gewerbeflächen geht, ist das Umfeld für Investitionen in aller Regel optimal, weil sich die Beschränkungen, die sich an anderen Standorten aus dem berechtigten Interesse der Anlieger ergeben, auf den vielen neu ausgewiesenen Flächen an den Rändern der Städte in Grenzen halten. Planungsrechtlich sind die Auflagen gering und die Immobilien können streng nach den Anforderungen der späteren Nutzung geplant und konzipiert werden. Schon zu Beginn können auch Expansionsflächen zu einem akzeptablen Preis mit berücksichtigt werden. Die Anbindung an das Nahverkehrsnetz und auch an die Fernstraßen sind oftmals optimal, so dass Lieferverkehre ungehindert und vor allem schnell ihre Ziele erreichen können.

Keine Plattform für B- und C-Standorte

Ähnlich gut sind die Bedingungen bei Investitionen in andere Asset-Klassen wie Büro, Wohnung oder auch Hotel. Auch hier greifen die Argumente mit geringen Einstiegspreisen für eine Investition mit Blick auf Grundstücke und attraktive Standorte. Und die zu erzielenden Renditen können sich auch hier sehen lassen.
Trotz ihrer nicht von der Hand zu weisenden Stärken fehlt es in Deutschland an einer geeigneten Plattform für die B- und C-Standorte und die vielen mittleren und kleinen Marktteilnehmer. Bei Messen und vielen Kongressen stehen die Großen vorn, die sich untereinander oder mit anderen internationalen Playern messen. Kleine Auftritte am Rand werden deutlich weniger wahrgenommen.

Eine neue Plattform will genau das ändern. Die Real Estate Arena in Hannover will im Mai im Immobilienmarkt reüssieren. Das neue Konzept verbindet die Stärken von Messen und Konferenz und bieten B- und C-Standorten sowie mittleren und kleineren Marktteilnehmern eine deutlich bessere Sichtbarkeit. Zudem will sie Brücken in andere Industriebereiche und vor allem in die Politik bauen. Mit diesem vielversprechenden Konzept füllt die Real Estate Arena, die von der Deutschen Messe AG und der Real Estate Events ausgerichtet wird, eine Lücke im deutschen Veranstaltungsmarkt und spricht die B- und C-Standorte an. Diese Veranstaltung am 18. und 19. Mai in der Halle 4 auf dem Messegelände sollte man als Aussteller nutzen - oder sich schon jetzt als Besuchstermin im Kalender eintragen. Perspektiven für eine gute Zukunft nach Corona gibt es viele, vor allem in den kleinen und mittleren Standorten schlummert großes Potenzial, das es jetzt zu heben gilt.

Über den Autor

Hartwig von Saß ist Pressesprecher und Projektleiter bei der Deutschen Messe. Als ehemaliger Wirtschaftskorrespondent hat er aktuell das Fachbuch. „Corona – Deutschlands digitales Desaster“ veröffentlicht.

Erstellt von Hartwig von Saß