Interview mit Dr. Johannes Grooterhorst, dessen Kanzlei in Düsseldorf nun Bestandteil der globalen Wirtschaftskanzlei Eversheds Sutherland ist

Dr. Johannes Grooterhorst in seinem Düsseldorfer Büro. Foto: HI HEUTE

Es war ein großer Schritt und für beide Seiten eine Win-Win-Situation: Nach 23 Jahren erfolgreicher wirtschaftsrechtlicher Tätigkeit – speziell für die Immobilienbranche – haben Gründer Dr. Johannes Grooterhorst und seine beiden Partner Ralf-Thomas Wittmann und Marc Christian Schwencke Anfang August die Düsseldorfer Kanzlei Grooterhorst & Partner mit ihrem gesamten Team von elf Anwälten in die renommierte internationale Anwaltskanzlei Eversheds Sutherland eingebracht, die bereits mit Standorten in München, Berlin und Hamburg in Deutschland vertreten ist. HI HEUTE sprach über Hintergründe und Perspektiven mit Dr. Johannes Grooterhorst.

 

HI-HEUTE: Aus der Kanzlei Dr. Grooterhorst & Partner ist nach über zwei Jahrzehnten Eversheds Sutherland geworden. Keine überraschende Übernahme und Umfirmierung, sondern eine strategische Maßnahme, die Sie ganz gezielt angestrebt haben. Wie kam es dazu?

Dr. Johannes Grooterhorst: Wenn man mehr als 30 Jahre anwaltlich tätig ist und Verantwortung für ein erfolgreiches Unternehmen trägt, stellt sich sinnvollerweise die Frage, wie das Unternehmen langfristig erfolgreich fortgeführt werden kann. So diskutierte ich mit meinen Partnern über verschiedene Szenarien. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass es sinnvoll sei, nach einem erfolgreichen Partner Ausschau zu halten, damit die Kanzlei auch langfristig gut aufgestellt ist.

HI-HEUTE: Nun ist alles ganz schön schnell gegangen, oder? Wie kamen Sie auf Eversheds Sutherland?

Dr. Johannes Grooterhorst: Bei der Suche nach einem Partner habe ich darauf Wert gelegt, den Blick auf eine große Einheit zu richten - die „Boutique“-Struktur kannte ich ja schon. Die konkrete Entscheidung zugunsten von Eversheds Sutherland kam durch meinen sehr guten Kontakt zu einem der englischen Partner von Eversheds Sutherland zustande, mit dem ich seit rund zwölf Jahren im ICSC zusammenarbeite. Bei einem Treffen in Düsseldorf konnte ich ihn auf meine Überlegungen ansprechen – auch weil ich von den Expansions-Absichten seiner Kanzlei innerhalb Deutschlands wusste. So nahmen die Dinge dann für beide Seiten einen guten und erfreulich schnellen Verlauf. 

HI-HEUTE: Und der Standort Düsseldorf war da sicher auch nicht verkehrt, oder?

Dr. Johannes Grooterhorst: Nein keineswegs, er war seitens unserer neuen Kollegen sogar ausdrücklich gewünscht. Eversheds Sutherland hat anders als viele der anderen großen Wirtschaftskanzleien, die im Übrigen hier in Düsseldorf ja auch unsere Nachbarn sind, einen besonderen inhaltlichen Schwerpunkt auf die Immobilienwirtschaft gelegt. In Großbritannien zählt die immobilienrechtliche Praxis zu den größten im Markt. Da passte es natürlich gut, dass wir uns bei Grooterhorst & Partner gerade auf diesem Feld eine bundesweit hohe Wertschätzung erarbeiten konnten. Mit der Expertise Planungsrecht / öffentliches Recht, die ja gewissermaßen unser Markenzeichen ist, bot es sich natürlich an, einen Partner zu suchen, mit dem man hier eine Win-Win-Situation herbeiführen kann, die es ja für beide Seiten schließlich auch ist.

HI-HEUTE: Sie sind also rundherum mit Ihrer Maßnahme zufrieden?

Dr. Johannes Grooterhorst: Ja, auch weil ich nach einer Reihe von intensiven Gesprächen spüre, dass es auch zwischenmenschlich passt, die Atmosphäre stimmt und sich unsere Kanzlei-Kultur mit der von Eversheds Sutherland deckt.

HI-HEUTE: Wie genau sah bzw. sieht denn die Anfangsphase der Zusammenarbeit mit Eversheds Sutherland aus?

Dr. Johannes Grooterhorst: Es ist ein Wettbewerbsvorteil von Eversheds Sutherland, dass sich die Immobilienrecht-Teams aus Großbritannien, Frankreich und Deutschland sehr intensiv horizontal vernetzen. Meinem neuen Kollegen Dr. Gerhard Molt, Partner in unserem Münchener Büro, kommt hier eine koordinierende und proaktive Rolle zu. Im Miteinander liegen viele Chancen und Eversheds Sutherland kommt es genau darauf an, diese zu erkennen und daraus die richtigen Maßnahmen abzuleiten. In einer Kick-Off-Veranstaltung Anfang September bei uns in Düsseldorf haben wir uns mit den Kollegen aus den anderen Büros getroffen. Es ist ein sehr erfolgversprechender Eindruck von den Möglichkeiten der Zusammenarbeit entstanden und sind uns sicher, dass wir mit unserem Standort und unserer Men-Power das Immobilienrecht-Team in Deutschland nachhaltig stärken werden.

HI-HEUTE: Wie gestaltet sich denn der Workflow auf der Ebene der Assoziierten?

Dr. Johannes Grooterhorst: Er ist von ständigem Austausch mit regelmäßigen gegenseitigen Besuchen geprägt. Nach dem Zusammenschluss umfasst die immobilien- und baurechtliche Praxis 30 Anwälte, die neben Düsseldorf auch in den Büros in Berlin, Hamburg und München vertreten sind. So können wir nun nicht nur die gesamte Wertschöpfungskette der Immobilienwirtschaft bedienen, sondern verfügen auch über die erforderliche regionale Breite. Was uns als Experten rund um die Immobilie gemeinsam auszeichnet, ist, dass wir sehr nah am Markt arbeiten. Unsere Schwerpunktbereiche liegen in der Projektentwicklung und dem immobilienrechtlichen Asset-Management, als dritte Säule werden wir die Transaktionsberatung ausbauen. Weiterhin verfügen wir in Berlin über ein Notariat. Mit dem Planungsrecht als eine Hauptkompetenz des Düsseldorfer Teams, komplettieren wir das Leistungsangebot von Eversheds Sutherland in idealer Weise und sehen hier sehr hohe fachliche Synergien, für unsere Mandanten ebenso wie unsere Praxis.

HI-HEUTE: Und international?

Dr. Johannes Grooterhorst: Da läuft es im Grunde genauso. Unlängst besuchte uns David Watkins, der für den Bereich Immobilienrecht weltweit gesamtverantwortliche Partner und stellte uns die internationale Verknüpfung vor. Da registrieren wir natürlich gern, dass so prominente Player wie AXA Investment Managers, Blackstone und Expedia zum Mandanten-Kreis gehören und mit diesen weltweiten, vor allem anglo-amerikanischen Top-Beziehungen, natürlich auch Aufträge für das Düsseldorfer Büro möglich gemacht werden können.

HI-HEUTE: Welche weiteren Mehrwerte ergeben sich für Sie durch die neue Kanzlei-Struktur?

Dr. Johannes Grooterhorst: Die wichtigen Business Services, wie Personal und IT, sind in Deutschland in München angesiedelt und werden dort zentral gemanagt. Ich bin auf diesem Gebiet gegenüber der früheren Situation enorm entlastet und kann mich viel mehr auf die juristische Beratung konzentrieren.

HI-HEUTE: Wie sieht denn nun Ihre ganz persönliche Zukunftsplanung aus?

Dr. Johannes Grooterhorst: Der Beruf des Rechtsanwalts bietet gerade in der heutigen Zeit viele spannende Aufgaben und dieser unternehmerische Schritt bietet mir die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu sammeln. Gemeinsam mit meinem Team ist es für die nächsten drei Jahre unser erklärtes Ziel, den Standort zu einem Full-Service-Angebot auszubauen. So werden wir zukünftig den Mandanten hier zusätzlich unter anderem auch Handels- und Gesellschaftsrecht oder Arbeitsrecht anbieten können – und den für die Wirtschaftsunternehmen interessanten Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes. Hier hat Düsseldorf ja die Gerichtsbarkeit.

Überhaupt gilt Düsseldorf bei den internationalen Unternehmen als der Top-Standort der deutschen Industrie und einer der wichtigsten des internationalen Handels. Nicht von ungefähr sind hier so viele Großkanzleien angesiedelt und Eversheds Sutherland zählt mit 2.400 Anwälten in 66 Büros ohne Frage dazu.

HI-HEUTE: Stichwort Digitalisierung - Welche Auswirkung hat dieses Thema auf Ihre anwaltliche Arbeit?

Dr. Johannes Grooterhorst: Als Planungsrechtler sind wir auf die Immobilie fokussiert, aber die verändert sich ja durch den Digitalisierungsprozess derzeit sehr stark. Bislang hat der Gesetzgeber noch nicht auf den 24/7-Online-Handel reagiert und dirigistische Eingriffe vorgenommen. Wie das weitergeht, ist derzeit noch nicht konkret vorherzusagen. Ein anderer Punkt sind die digitalen Arbeitsmethoden, die auch in einer international arbeitenden Wirtschaftskanzlei wie Eversheds Sutherland mehr und mehr Gestalt annehmen. Immer geht es dabei um Arbeitsteilung und um Effizienz, moderne Technologien werden aber auch die Kommunikation mit unseren Mandanten unterstützen und die anwaltliche Arbeit in vielen Fällen auch qualitativ besser machen. Auf diesem Feld wird es sicher noch zahlreiche Veränderungen und Entwicklungen geben, die auch an uns nicht vorbeigehen werden.

HI-HEUTE: Stichwort Globalisierung - Durch Eversheds Sutherland wird doch Ihre Arbeit deutlich internationaler. Wie gefällt Ihnen das?

Dr. Johannes Grooterhorst: Natürlich sehr gut. Wir haben nun ein ganz anderes Mandanten-Potenzial zur Verfügung.  Das hätten wir mit Grooterhorst & Partner so nie erreichen können. Eversheds Sutherland bieten für uns den Riesenvorteil, direkt mit den internationalen Entscheidern unserer Mandanten sprechen zu können. Natürlich haben wir auch zuvor internationale Bestandshalter großer Immobilien in Deutschland beraten, aber das waren meist die deutschen Ansprechpartner der Konzerne. Ich erinnere mich dabei an einen Besuch bei einem Fondsmanager in Hamburg. Der sagte mir: „Mensch, eigentlich könnten wir mit Ihnen viel größere Projekte im Ausland machen.“ Genau das ist ab jetzt möglich.

HI-HEUTE: Welche Resonanz haben Sie eigentlich in Ihrem Mandanten-Kreis auf die Neuaufstellung der Kanzlei bekommen?

Dr. Johannes Grooterhorst: Es war unisono so, dass ich große Unterstützung erfuhr und besonders die Leistung besonders gewürdigt wurde, einen erfolgreichen Partner wie Eversheds Sutherland, der die Kanzlei nun viel breiter aufstellen kann, in so kurzer Zeit gefunden zu haben. Das hat mich natürlich sehr gefreut.

 

HI-HEUTE: Welche Gefühle hat das bei Ihnen ausgelöst?

Dr. Johannes Grooterhorst: Nach 23 Jahren inhabergeführter Kanzlei ist das natürlich ein großer Schritt. Einen gewissen Abschiedsschmerz kann ich hier nicht verhehlen, aber es ist auch so, dass ich mich auf die neue Art der Arbeit sehr freue. Ich kehre ja in gewisser Weise wieder zu meinen beruflichen Wurzeln zurück, als ich bei zwei Düsseldorfer Kanzleien als Associate und Partner tätig war, die heute auch Kern internationaler Großkanzleien sind. Damals habe ich die interkulturelle Arbeit geliebt und mich jedes Mal gefreut, mit ausländischen Ansprechpartnern zu sprechen. Es gibt aber in diesem Zusammenhang noch einen anderen Aspekt: Für mich als Anhänger der jesuitischen Lebensweise gilt der Grundsatz, immer nach der besseren Lösung zu suchen und nicht an dem zu verhaften, was einem emotional nahe ist. 

Erstellt von Thorsten Müller, Chefredakteur HI HEUTE