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Die Warenhauskette Galeria sieht sich erneut mit wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert. Nach eigenen Angaben verlief das Weihnachtsgeschäft deutlich unter den Erwartungen – ein Rückschlag für das Unternehmen, das sich nach der dritten Insolvenz und der Übernahme durch ein deutsch-amerikanisches Konsortium eigentlich auf Stabilisierungskurs wähnte.
Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung äußerten sich die beiden Geschäftsführer Christian Sailer (Finanzen) und Tilo Hellenbock (COO) erstmals ausführlicher zur aktuellen Situation. Zwar habe Galeria zwischenzeitlich positive operative Entwicklungen verzeichnet, doch das wichtige Jahresendgeschäft habe diese Fortschritte nicht bestätigt. „Die Entwicklung ist fragil“, räumte Hellenbock ein.
Nach Angaben des Managements blieben sowohl Kundenfrequenz als auch Umsätze in den Filialen hinter den Planungen zurück. Diese Entwicklung deckt sich mit Einschätzungen des Handelsverbands Deutschland (HDE), der für den stationären Einzelhandel insgesamt von einem verhaltenen Weihnachtsgeschäft berichtet. Für Galeria ist diese Entwicklung besonders kritisch, da das Unternehmen traditionell stark vom vierten Quartal abhängig ist. Zwar sei das Filialnetz bereits deutlich verkleinert worden, erklärte Finanzchef Sailer, doch der wirtschaftliche Druck auf die verbliebenen Standorte bleibe hoch. Derzeit würden sämtliche Bereiche überprüft – vom Sortiment über Kostenstrukturen bis hin zur Flächennutzung.
Die neue Eigentümerstruktur und das Management hatten nach der Übernahme einen langfristigen Umbau angekündigt. Dieser befinde sich jedoch noch in einer frühen Phase, betonte Hellenbock. Entsprechend vorsichtig äußerten sich beide Geschäftsführer zur Frage einer möglichen erneuten Insolvenz. Ein weiteres Schutzschirmverfahren werde zwar nicht angestrebt, könne aber unter den aktuellen Marktbedingungen nicht kategorisch ausgeschlossen werden. Besondere Herausforderungen sieht das Unternehmen weiterhin in der veränderten Konsumlandschaft und im starken Wettbewerb durch den Onlinehandel. Eine eigenständige, tragfähige Digitalstrategie gilt bei Galeria bislang als unzureichend entwickelt – ein strukturelles Defizit, das das Management offen einräumt.
Um die Attraktivität der Standorte zu erhöhen, setzt Galeria verstärkt auf Kooperationen. Bereits umgesetzt wurde die Übergabe der Reisebüros an den ADAC. Darüber hinaus werden Partnerschaften mit externen Marken und Anbietern geprüft, darunter Sportartikelhändler oder Lebensmittelmärkte, die als Untermieter zusätzliche Kundenfrequenz in die Häuser bringen könnten. Gleichzeitig wird innerhalb des Unternehmens die Verunsicherung der Beschäftigten spürbar.
Ein weiterer Schwerpunkt des Interviews war die Bedeutung von Warenhäusern für die Innenstädte. Die Geschäftsführung betont die städtebauliche und gesellschaftliche Rolle der Galeria-Häuser als Frequenzanker. Gleichzeitig sei klar, dass diese Funktion allein wirtschaftlich nicht tragfähig sei. Unterstützung durch Kommunen und Politik sei wünschenswert, lasse sich jedoch nicht verlässlich einplanen. Ob Galeria der angestrebte nachhaltige Turnaround gelingt, bleibt offen. Bereits im Frühjahr hatte Miteigentümer Bernd Beetz erklärt, dass zentrale Umsatzziele erst mittelfristig erreichbar seien. Fest steht: Die neue Führung setzt auf einen langfristigen Umbau – doch das schwache Weihnachtsgeschäft zeigt, wie schwierig der Weg zurück zur Stabilität weiterhin ist.
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