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Mehr als 14.000 Menschen pro Stunde, Rituale zwischen Kaufwahn und Kaffeepause: Die Frankfurter Zeil ist beides, Traditionsstraße und Herzschlagader des modernen Shoppings. Einst stolze Adresse königlicher Hofreiten und herrschaftlicher Palais, heute Treffpunkt für Bummelfans, Banker und Bauchladenhändler. Und auch in Zukunft bleibt es spannend – so viel steht fest.
Wer auf der Zeil unterwegs ist, braucht gute Schuhe, Geduld und bestenfalls einen Orientierungssinn, der Gepardentempo aufnehmen kann – denn Frankfurts Einkaufsboulevard ist ein Ort mit langen Wegen und kurzer Weile. Mehr als 14.000 Menschen schlängeln sich hier pro Stunde zwischen Hauptwache und Konstablerwache – statistisch gesehen kommt auf jede Sekunde ein neugieriger Besucher, der wissen will: Was macht die Zeil eigentlich so besonders?
Historisch betrachtet war die Zeil einst vor allem Luft und Weide. Bis ins 14. Jahrhundert befanden sich hier vor der Stadtmauer nur Gärten und Felder. Erst mit dem Aufstieg Frankfurts investierte die Oberschicht in prächtige Gasthöfe, darunter der berühmte „Weidenhof“, in dem sogar Goethes Großeltern ihren Wohlstand begründeten. Richtig mondän wurde es im 17. und 18. Jahrhundert: Aus der Zeil wurde ein urbaner Laufsteg aus Palais, Barockfassaden und der sogenannten „königlichen Hofreite“ – einem Herrschaftskomplex, der Karl VII. als Ersatztrohn diente, als dieser mangels eigener Hauptstadt nach seiner Frankfurter Kaiserkrönung 1742 prompt auf der Zeil residierte.
Nach dem Aufschwung als Großstadtboulevard verlor die Zeil im 19. Jahrhundert zwischenzeitlich an Bedeutung, ehe sie im 20. Jahrhundert mit Warenhäusern, Galerien und schließlich mit der Fußgängerzone (ab 1970er Jahre) endgültig zum Synonym für Konsum wurde. Heute misst sie sich regelmäßig mit Europas berühmtesten Einkaufsmeilen: 2018 wurde sie erneut zur frequenzstärksten Einkaufsstraße Deutschlands gekürt. Zwischen 700 und 800 Millionen Euro Jahresumsatz brummen hier durch die Kassen.
Und wie geht’s weiter? Die Stadt plant immer wieder, der Zeil zu neuem urbanen Charme zu verhelfen und sucht Inspiration bei südlichen Vorbildern wie den Ramblas in Barcelona.Umbaumaßnahmen, Begrünung und der Mix aus Erlebnis, Gastronomie und Einzelhandel sollen auch künftig dafür sorgen, dass die Zeil im Herzen Frankfurts bleibt, was sie immer schon war: ein Stück gelebte Geschichte zwischen Krönungsmythen und Kassenbons.
Wer heute über die Zeil flaniert, flaniert also über die Spuren von Adligen, Dichtern, Protestierenden, Konsum-Enthusiasten und Tagträumern. Und wer weiß: Vielleicht wird der nächste große Absatz auf der Zeil kein Schuh-, sondern ein Zukunftsschritt.
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