10. Juli 2025
Die über 150-jährige Geschichte der Vatikan-Apotheke
Die Vatikan-Apotheke ist eine der ältesten, aber vor allem umsatzstärksten ihrer Art weltweit. Täglich werden hier über 2.000 Kunden bedient. Sie blickt auf eine mehr als 150-jährige Geschichte zurück.
Seit 1874 versorgt die Vatikan-Apotheke nicht nur Päpste, Kardinäle und Vatikanbewohner, sondern auch Tausende Menschen aus aller Welt. Ihre bewegte Geschichte spiegelt nicht nur die medizinische Entwicklung, sondern auch den Wandel im kleinsten Staat der Welt wider – von den Anfängen in unsicheren Zeiten bis zur hochmodernen Apotheke mit internationalem Kundenstamm.
Die Gründung der Vatikan-Apotheke geht auf das Jahr 1874 zurück, als der Vatikan nach dem Verlust des Kirchenstaates durch die Einnahme Roms 1870 plötzlich von der medizinischen Versorgung abgeschnitten war. Papst Pius IX. beauftragte daraufhin den Orden der Barmherzigen Brüder vom heiligen Johannes von Gott, eine eigene Apotheke im Vatikan einzurichten, um die Autonomie des Heiligen Stuhls auch im Gesundheitswesen zu sichern.
Der erste Apotheker war der aus Bayern stammende Eusebius Frommer, der bereits Erfahrung aus der Krankenhausapotheke auf der Tiberinsel mitbrachte. Die ersten Dienste wurden im Hof von San Damasus aufgenommen, zunächst als Ambulanz, später als vollwertige Apotheke. Die Barmherzigen Brüder übernahmen nicht nur die Verwaltung, sondern kümmerten sich auch um die Pflege der Bewohner und Angestellten des Vatikans.
Mit den Jahren wuchs die Bedeutung der Apotheke stetig. 1917 zog sie in die Nähe der Porta Sant’Anna, 1930 erfolgte der Umzug in das heutige, größere Gebäude im Palazzo del Belvedere. Besonders nach den Lateranverträgen 1929, die die Souveränität des Vatikans bestätigten, wurde die Apotheke weiter ausgebaut. Die letzte große Modernisierung erfolgte zwischen 2017 und 2020, bei der unter anderem Automatisierung und Digitalisierung Einzug hielten.
Heute beschäftigt die Vatikan-Apotheke rund 70 Mitarbeitende, darunter 23 Apothekerinnen und Apotheker. Sie gilt als eine der geschäftigsten Apotheken der Welt: Täglich werden über 2.000 Kunden bedient, mehr als die Hälfte davon kommt aus dem Ausland oder von außerhalb des Vatikans. Das Sortiment umfasst etwa 40.000 Produkte, darunter Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel, Hygiene- und Pflegeprodukte.
Die Vatikan-Apotheke ist bekannt für ihr breites Angebot, doch es gibt auch klare Grenzen: Medikamente, die der katholischen Morallehre widersprechen, wie Verhütungsmittel, werden nicht verkauft. Ebenso sind bestimmte Präparate, etwa einige Hormonpräparate oder Abtreibungsmittel, tabu. Gleichzeitig ist die Apotheke für spezielle Medikamente bekannt, die in Italien oder anderen Ländern schwer erhältlich sind – was immer wieder auch zu kuriosen Geschichten führte, etwa als Sportler in den 1980er Jahren im Vatikan nach dem damals nur dort erhältlichen Anabolikum Dianabol suchten.
Ursprünglich nur für Vatikanbewohner und -angestellte gedacht, steht die Apotheke heute auch Menschen aus Rom und der ganzen Welt offen, sofern sie ein Rezept vorweisen können. Die Preise sind oft günstiger als in italienischen Apotheken, was die Vatikan-Apotheke auch für weniger wohlhabende Menschen attraktiv macht. Papst Franziskus bezeichnete die Einrichtung als „Ergänzung der Nächstenliebe“ und würdigte die Arbeit der Angestellten als Dienst an den Kranken und Bedürftigen.