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Birkenstock ist eine Ausnahmeerscheinung in der von schnelllebigen Modetrends geprägten Bekleidungsindustrie. Die historischen Wurzeln des Unternehmens lassen sich bis ins Jahr 1774 zurückverfolgen – sind demzufolge 250 Jahre alt. Längst ist Birkenstock eine Weltmarke. Sie gehört nicht nur zu den Top Five der Global Footwear Brands, sondern ist zugleich eine der bekanntesten deutschen Marken weltweit. Mit rund 5500 Mitarbeitern ist das traditionsreiche Familienunternehmen in sechster Generation zugleich der größte Arbeitgeber der deutschen Schuhindustrie.
Die Geschichte der „Schuhmacherdynastie“ Birkenstock lässt sich ab 1774 mit der erstmals urkundlichen Erwähnung des Schuhmachermeisters Johannes Birkenstock (1749–1812) in dem kleinen hessischen Ort Langen-Bergheim im Main-Kinzig-Kreis nachweisen. Nachdem sein jüngerer Bruder Johann Adam Birkenstock 1790 starb, wuchs dessen Sohn Johannes bei seinem gleichnamigen Onkel Johannes auf und wurde auch Schuhmachermeister.
Konrad Birkenstock, Enkel des Firmengründers und ebenfalls Schuhmachermeister, eröffnete 1896 in Frankfurt eine orthopädische Schuhmacher-Werkstatt und begann, Fußbetteinlagen herzustellen. 1897 gründete er die Konrad Birkenstock GmbH. 1915 kaufte er in Friedberg (Hessen) ein Haus, in dem nun die Fertigung von Einlagen stattfand. In Friedberg erwarb Konrad Birkenstock 1925 die Derfeltsche Seifenfabrik und vergrößerte die Produktion. Als orthopädischer Schuhmachermeister erfand Konrad Birkenstock bereits 1897 einen vollplastischen Leisten und 1902 eine vollplastische flexible Innensohle. Schuhe, die auf diesem Leisten und mit dieser Innensohle gefertigt wurden, nannte Konrad Birkenstock „Gesundheitsschuhwerk“. 1914 wurden Konrad Birkenstocks Einlagen erstmals als orthopädische Heilmittel anerkannt. 1925 konnte Konrad Birkenstock für seine Einlagen das Warenzeichen „Fußbett“ eintragen lassen. Das von ihm erfundene „Fußbett“, das sich den Bewegungen und der Fußform des Trägers anpasst, wurde in den 1920er Jahren auch nach Österreich, Frankreich, Dänemark, die Tschechoslowakei, Italien, Luxemburg, Belgien, Norwegen, die Niederlande, Schweden und in die Schweiz geliefert.
Die Nachfolge Konrad Birkenstocks trat sein ältester Sohn Carl (geb. 1900) während des Ersten Weltkriegs an. Carl entwickelte die Einlagen seines Vater weiter und war von 1923 bis 1926 in Wien mit einem eigenen Geschäft aktiv. 1929 gründete er gemeinsam mit seinen Brüdern Heinrich und Konrad Birkenstock jr. die Gebr. Birkenstock GmbH in Steinhude am Meer. Ab 1939 führte Carl Birkenstock das Unternehmen mit damals 13 Beschäftigten ohne seine Brüder weiter. Carl Birkenstock trieb die Idee der Fußgesundheit noch weiter als sein Vater und limitierte die Verkäufe seiner Einlagen auf Fachhändler und Schuhmacher, die einen Lehrkursus bei ihm absolvieren mussten.
1940 trat Carl Birkenstock in die NSDAP ein. Bis 1943 verkaufte Carl noch Einlagen. Die Unternehmen der Familie Birkenstock beschäftigten während der NS-Zeit keine Zwangsarbeiter oder Zwangsarbeiterinnen. Das größte Birkenstock-Unternehmen – die Gebr. Birkenstock GmbH in Steinhude – beschäftigte während der Zeit des Nationalsozialismus 13 Personen, davon waren sechs zur Wehrmacht eingezogen. Auch wenn Carl Birkenstock zeitweise versuchte, Einlagen an die Wehrmacht zu verkaufen, kam es zu keinen Lieferverträgen zwischen Birkenstock und der Wehrmacht, der Partei oder ihren Organisationen.
Während der NS-Zeit erfolgten die Verkäufe nur an Privatpersonen. Birkenstock machte keine Geschäfte mit der NSDAP, anderen Parteigliederungen oder der Wehrmacht; er profitierte auch nicht von Arisierungen jüdischen Eigentums, d. h. dass weder die Familie noch die Unternehmen Birkenstocks zu günstigen Preisen Immobilien oder Vermögensgegenstände aus jüdischem Besitz erwarben.
Carl Birkenstock führte am neuen Sitz in Bad Honnef bei Bonn nach 1945 die Idee eines bereits von ihm handgefertigten fußgesunden Schuhs weiter. 1954 trat Carls einziger Sohn, Karl, in das Unternehmen des Vaters ein. Dem jungen Karl Birkenstock gelang es 1962 mit der Erfindung einer standardisierten, fest verbauten anatomisch geformten Einlage fußgesunde Schuhe massenproduzierbar zu machen. 1963 brachte Karl Birkenstock das erste Modell der „Original Birkenstock-Fußbett-Sandale“, seit 1979 wenig verändert das Modell „Madrid“, auf den Markt und legte damit den Grundstein für die Expansion des Unternehmens seit den 1970er Jahren.
Die rasche Erweiterung des Modellangebotes (d. h. andere Sandalen-Oberteile auf dem Grundtyp des Birkenstock-Fußbetts mit Gummilaufsohle) stieß zunächst kaum auf Resonanz: Nur wenige Schuhfachhändler nahmen Birkenstock in ihr Sortiment auf. Erfolge stellten sich ein, als Ärzte und Angehörige der Pflegeberufe, die um 1970 von konventionellem Schuhwerk v. a. auf Holz- und Ledersandalen bzw. - clogs gewechselt hatten, die noch einmal unkonventionelleren Birkenstocks entdeckten und Birkenstock begann, per Postversand zu vermarkten. Die Birkenstock Orthopädie GmbH, wie das Unternehmen mittlerweile hieß, führten Karl und seine Frau Gisela gemeinsam. 1970 beschäftigte das Unternehmen 57 Mitarbeitende.
Schon Ende der 1960er Jahre entdeckte auch die Hippiebewegung in den USA die Sandalen, dort auch „Birks“ genannt. Durch die Deutschamerikanerin Margot Fraser wurde der Vertrieb ab 1966 aus kleinen Anfängen in Kalifornien aufgebaut. Den Vertrieb aus Bio-Supermärkten heraus setzte Fraser erfolgreich in den 1970er Jahren fort und expandierte mit ihrem Unternehmen, der Footprint Inc., das spätere Unternehmen Birkenstock USA, auf dem seit den 1980er Jahren größten Markt für Birkenstock.
In Deutschland wurden Birkenstocksandalen in den 1980er Jahren populär, zunächst seit den 1960er Jahren in Pflegeberufen und in der Alternativ- und Friedensbewegung, dann auch in „bürgerlichen“ Haushalten als Haus- und Freizeitschuhe. Auch produktseitig entwickelte sich Birkenstock weiter: 1973 kam die Sandale „Arizona“ auf den Markt, 1976 das Modell „Boston“. Beide Schuhe gehören bis heute zu den beliebtesten und erfolgreichsten Birkenstock-Klassikern.
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