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Mit einem hochkarätig besetzten Auftaktabend ist der Immobilienkongress QUO VADIS 2026 im Berliner Humboldt Carré gestartet. Die Veranstaltung der Heuer Dialog GmbH brachte von Montag bis einschließlich heute Entscheiderinnen und Entscheider der Immobilienbranche im Hotel Adlon Kempinski in Berlin zusammen.
Zum Auftakt ordnete Cathryn Clüver Ashbrook, Politikwissenschaftlerin und eine der profiliertesten Stimmen zu US-Politik und transatlantischen Beziehungen, die Folgen des systemischen Umbaus in Amerika für Europa ein. Die deutsch-amerikanische Politologin sprach von einer historischen Zäsur für die amerikanische Demokratie und warnte vor weitreichenden Konsequenzen für Europa und die transatlantischen Beziehungen.
Hinter scheinbar robusten Wachstumszahlen verdichteten sich wirtschaftliche Risiken, die Investitionen, Konsum und gesellschaftliche Stabilität gleichermaßen belasteten. Für Europa leitete Clüver Ashbrook einen klaren Handlungsauftrag ab: Strategische Abhängigkeiten müssten neu bewertet, die eigene wirtschaftliche und politische Handlungsfähigkeit gestärkt und europäische Kooperationen konsequent ausgebaut werden.
Gastgeber Victor Stoltenburg, Geschäftsführer der Deka Immobilien Investment GmbH, unterstrich die besondere Aktualität des Kongressmottos „QUO VADIS“. Die gegenwärtige Lage sei von einer bislang nicht gekannten Verunsicherung geprägt. Politische Entwicklungen in den USA, handelspolitische Konflikte und die Infragestellung internationaler Bündnisse erschwerten langfristige Prognosen erheblich. Gleichzeitig betonte Stoltenburg die anhaltende Bedeutung der USA als größten Immobilieninvestmentmarkt weltweit und plädierte für eine differenzierte Betrachtung zwischen kurzfristiger politischer Volatilität und langfristigen wirtschaftlichen Fundamentaldaten.
Den ersten Kongresstag im Hotel Adlon eröffnete Gitta Rometsch, geschäftsführende Gesellschafterin der Heuer Dialog GmbH, vor über 350 Teilnehmenden mit einer zentralen Frage: „Stimmt das Bild von der Welt, das wir jeden Morgen in den Schlagzeilen sehen?“ Ihre Botschaft an die Branche lautete, dass verantwortliche Entscheider verstehen müssten, wie globale Entwicklungen auf Kapital, Standorte, Gesellschaft und Sicherheit wirkten.
Geopolitische und geoökonomische Verschiebungen seien längst Teil unternehmerischer Realität und beeinflussten unmittelbar auch die Immobilienmärkte. Produktionsverlagerungen, neue Sicherheitsanforderungen und veränderte Kapitalströme übersetzten sich direkt in Standortentscheidungen und Flächennachfrage. Vor diesem Hintergrund stellte Rometsch das Leitmotiv des diesjährigen Kongresses vor: „Widerstandskraft schafft Marktnormalität.“ Ziel sei, Standorte robuster, Geschäftsmodelle anpassungsfähiger und Finanzierungen tragfähig zu machen – in einer Welt mit sich spürbar verschiebenden Grundlinien.
Einordnung, Orientierung und konkrete Handlungsoptionen in Zeiten globaler Umbrüche standen im Fokus der zweitägigen Agenda. Moderiert wurde der Kongress von Timo Tschammler, Vorsitzender des QUO VADIS Boards und geschäftsführender Gesellschafter der TwainTowers GmbH, sowie Jasmin Busse-Schlaudecker, Senior Projektleiterin der Heuer Dialog GmbH.
Mit einem strategischen Ausblick auf China begann der inhaltliche Programmteil des Kongresses. Felix Lee, Wirtschaftsjournalist bei der Süddeutschen Zeitung, machte deutlich, dass sich die globale Ordnung bis 2056 grundlegend verschieben werde – mit China als zentralem Machtfaktor und Europa vor weitreichenden strategischen Entscheidungen.
China werde voraussichtlich zur größten Volkswirtschaft der Welt aufsteigen, getragen von technologischem Fortschritt und langfristiger Industriepolitik. Programme wie „Made in China 2025“ und „Dual Circulation“ zielten auf technologische Autarkie, eigene Standards und eine Verringerung der Exportabhängigkeit durch einen starken Binnenmarkt. China verfolge das Ziel, bis 2049 globale Abhängigkeiten von chinesischer Technologie zu schaffen. Daraus entstehe eine Welt mit zwei konkurrierenden technoökonomischen Blöcken – einem US-geführten und einem China-geführten System.
Für Europa bedeute diese Entwicklung einen tiefen Einschnitt. Das bisherige Geschäftsmodell aus Globalisierung, offenen Märkten und industrieller Arbeitsteilung verliere an Tragfähigkeit. Ein „zweiter China-Schock“ treffe Mitteleuropa direkt: In zentralen Industrien verliere Europa Marktanteile, während China technologisch aufschließe oder vorbeiziehe. Europas Rolle drohe sich auf Nischen zu verengen – mit erheblichen Folgen für Wertschöpfung, Beschäftigung und Wohlstand. Strategisch stehe Europa vor der Wahl, fragmentiert zu bleiben oder handlungsfähig zu werden, so das Fazit des China-Experten. Erforderlich seien technologische, industrielle und sicherheitspolitische Souveränität in Schlüsselbereichen, ein realistischer Umgang mit China als systemischem Wettbewerber sowie ein neues partnerschaftliches Verhältnis zum globalen Süden. Gleichzeitig bleibe Europas regelbasierte Ordnung ein wichtiger Standortvorteil. Entscheidend werde sein, ob Europa lerne, strategisch zu denken – andernfalls drohe es zwischen den Machtblöcken aufgerieben zu werden.
Im weiteren Verlauf des QUO VADIS 2026 diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik über die aktuellen Machtverschiebungen, strategische Konsequenzen für unterschiedliche Marktsegmente und belastbare Orientierung in einem volatilen Umfeld. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Konzepte und Marktansätze sich als tragfähig erweisen und wo neue Proofs of Concept für Investitionen, Portfoliostrategien und Stadtentwicklungen entstehen. Zu den Mitwirkenden zählten unter anderem Sascha Klaus, Vorstandsmitglied der LBBW und Vorstandsvorsitzender der Berlin Hyp, Jürgen Fenk, Vorstand der Deutschen Immobilien Holding AG, Fabian Lenz, Geschäftsführer der Goldbeck Technologies GmbH, Charles Blackburn, Managing Director & Co-Head of Europe bei Oaktree Capital Management, Sabine Poschmann, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, sowie Kruno Crepulja, CEO der Instone Real Estate Group SE.
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