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19. August 2026

Hellweg vor der Zerschlagung: Baumarkt-Kette wird aufgeteilt

GROSSE TEILE DES FILIALNETZES SOLLEN DENNOCH WEITERBESTEHEN
Die Dortmunder Baumarktkette Hellweg wird wohl aufgeteilt.
Foto: Wikimedia Commons / Hellweg

Für Hellweg beginnt ein neues Kapitel – allerdings wohl nicht unter dem eigenen Namen. Die Dortmunder Baumarktkette, die 1971 gegründet wurde und seit 55 Jahren zum deutschen Einzelhandel gehört, wird im Zuge ihrer Insolvenz offenbar aufgeteilt. Einen Investor, der das Unternehmen als Ganzes übernehmen will, gibt es nicht. Stattdessen liegen konkrete Angebote für große Teile des Filialnetzes vor. Die Märkte dürften künftig verschiedenen Betreibern und Marken gehören.

Damit ist die bisherige Struktur des Konzerns Geschichte. Die Zentralen in Dortmund und Garching bei München werden geschlossen. Rund 340 Beschäftigte sind davon betroffen. Für die Mitarbeiter in den Zentralen und für Beschäftigte an Standorten, für die bislang noch keine Übernahmelösung gefunden wurde, sind die Gehälter nach Unternehmensangaben bis einschließlich November 2026 gesichert.

Konkrete Übernahmeangebote

Der Investorenprozess für Hellweg Die Profi-Bau- & Gartenmärkte sowie BayWa Bau & Garten ist weit fortgeschritten. Nach Angaben der Sanierungsgeschäftsführer liegen für große Teile des Filialportfolios konkrete Übernahmeangebote vor. Teilweise überschneiden sich die Angebote: Mehrere Interessenten haben demnach für dieselben Standorte geboten.

Noch müssen die Gläubigerausschüsse den geplanten Transaktionen zustimmen. Die Geschäftsführung rechnet damit, die Zuordnung der einzelnen Märkte zu den neuen Betreibern in etwa zwei Wochen bekannt geben zu können. Für Standorte, für die bislang kein Angebot vorliegt, soll die Investorensuche bis Ende August weiterlaufen.

Die entscheidende Nachricht für Kunden und Beschäftigte lautet deshalb: Die Insolvenz bedeutet nicht zwangsläufig das Ende der einzelnen Märkte. Die Sanierungsgeschäftsführer gehen vielmehr davon aus, dass ein wesentlicher Teil der Filialen erhalten bleibt – allerdings unter neuen Eigentümern und voraussichtlich unter unterschiedlichen Marken.

340 Arbeitsplätze fallen weg

Der Preis für die Zerschlagung des bisherigen Konzerns ist vor allem in Dortmund und Garching hoch. Eine gemeinsame Unternehmensführung wird nach der Übertragung der Märkte an verschiedene Betreiber nicht mehr benötigt. Deshalb sollen die beiden Zentralen geschlossen werden.

Rund 340 Arbeitsplätze stehen damit vor dem Aus. Für die Beschäftigten ist die Situation besonders bitter: Während ein großer Teil der Filialmitarbeiter möglicherweise mit seinem Markt zu einem neuen Betreiber wechseln kann, gibt es für die Mitarbeiter der Zentralen keine vergleichbare Perspektive innerhalb der bisherigen Unternehmensgruppe.

„Wir wissen, dass diese Situation für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit großer Unsicherheit verbunden ist“, sagt Sanierungsgeschäftsführer Karl-Friedrich Curtze. Die Zukunft der Beschäftigten in den einzelnen Märkten hängt nun maßgeblich davon ab, welche Investoren den Zuschlag für ihren Standort erhalten.

Insolvenz nach Jahren des Drucks

Hellweg hatte Mitte Juni 2026 beim Amtsgericht Essen Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Damals waren noch alle 68 Hellweg-Märkte und der Online-Shop geöffnet. Das Unternehmen beschäftigte rund 2900 Menschen. Zusammen mit BayWa Bau & Garten, das 46 Bau- und Gartenmärkte im süddeutschen Raum betreibt, standen rund 4200 Arbeitsplätze im Konzernverbund im Zusammenhang mit dem Sanierungsprozess.

Als Ursachen für die wirtschaftliche Schieflage nannte das Unternehmen unter anderem die geopolitischen Unsicherheiten, die Kaufzurückhaltung der Verbraucher, gestiegene Mieten sowie höhere Kosten infolge der Inflation. Branchenexperten sehen zudem das Ende des außergewöhnlichen Heimwerkerbooms während der Corona-Pandemie als Belastungsfaktor. Während Baumärkte damals von einem starken Renovierungs- und Gartenboom profitierten, ist die Nachfrage inzwischen deutlich normalisiert.

Marke verschwindet vom Markt

Hellweg wurde 1971 in Dortmund gegründet und entwickelte sich von einem regionalen Anbieter zu einer bundesweit bekannten Baumarktmarke. Zuletzt gehörten 68 Märkte zum Unternehmen. Nun steht ausgerechnet der Name, der seit Jahrzehnten an den Standorten präsent ist, vor dem Aus. Ob und in welcher Form Hellweg einzelne Märkte künftig weiter betreiben kann, ist noch offen. Nach dem derzeitigen Stand werden die Standorte jedoch nicht als geschlossenes Filialnetz an einen einzigen neuen Eigentümer gehen. Stattdessen wird aus einem Unternehmen eine Vielzahl unterschiedlicher Betreiber.

Das macht die aktuelle Entwicklung zu mehr als einer klassischen Unternehmenssanierung: Hellweg wird nicht einfach gerettet oder geschlossen – die Kette wird auseinandergerissen. Für die Kunden könnte das bedeuten, dass viele vertraute Märkte bleiben. Für die Marke selbst zeichnet sich dagegen ein deutlich härterer Schnitt ab. Die Eigenverwaltungsverfahren sollen voraussichtlich Ende August eröffnet werden. Bis dahin läuft die Suche nach Lösungen für die noch nicht vergebenen Standorte weiter.

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